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Gerade nochmal glatt gegangen

04.02.2010 | 18:52 Uhr
Gerade nochmal glatt gegangen

Schwerte. Helga Schade gab auf. Tapfer versuchte die 86-Jährige Seniorin gestern von ihrer Wohnung zum Einkaufen zu gelangen. Gar nicht so einfach: Der Weg zum Supermarkt führt über eine Eisfläche.

Auf Höhe des Spielplatzes ist das Eis so mächtig, dass selbst junge Schwerter dort kein Bein an die Erde bekommen. Für die Seniorin war die Glätte ein unüberwindliches Hindernis. Sie versuchte ein paar Schritte, dann kehrte Helga Schade um.

„Das tut mir ja leid, aber wir können nur Wege räumen, die eine Verkehrsbedeutung haben”, erklärte gestern Gerhard Krawczyk auf Anfrage. Der Leiter des Baubetriebshofs rät den Anwohnern der betroffenen Stadtgebiete, Umwege in Kauf zu nehmen.

Für die 86-Jährige Helga Schade würde das einen Fußmarsch von zusätzlichen zwei Kilometern zum Einkauf bedeuten. Krawczyk: „Wir haben nicht die Kapazitäten, um auf jedes Einzelschicksal Rücksicht zu nehmen.”

Auch technisch sind dem Baubetriebshof allmählich die Hände gebunden. Schnee lässt sich mit den herkömmlichen Mitteln noch räumen. Einer Eisschicht müssten die Mitarbeiter der Stadtverwaltung mit Gewalt zu Leibe rücken: per metallenem Schneeschieber oder, in hartnäckigen Fällen, mit der Spitzhacke. Gerhard Krawczyk: „Ab einem gewissen Punkt ist der städtische Winterdienst überfordert. Aber wir tun, was wir können.”

Knochenarbeit im Marienkrankenhaus:

113 Sturzverletzungen zählte die Ambulanz allein im Januar dieses Jahres. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es 19. „Wir können zwar nicht bei jedem Fall sagen, ob ein Zusammenhang mit dem Winterwetter besteht, aber in den meisten Fällen trifft das wohl zu”, erklärt Detlev Schnitker, Pressesprecher des Hospitals.

Der Mehraufwand sei im Marienhospital zwar „spürbar” und es käme auch schon mal zu Wartezeiten, Engpässe in der Behandlung sieht Schnitker aber nicht auf die Mannschaft oder die Patienten des Hauses zukommen. „Seit wir vor zwei Jahren die Aufnahme umgestellt haben, läuft alles reibungslos.”

Warnung für Hausbesitzer

Ein Großteil der Unfälle ist auf Schnee und Eis zurückzuführen. Die Verletzten sind auf glatten Straßen oder Gehwegen ausgerutscht.

Auch wenn sich jetzt allmählich die Lage entspanne, rät Martin Eickelberg, Vorsitzender von Haus & Grund zur Vorsicht. Denn gerade jetzt, wenn der Schnee nach und nach wegtaue, ergeben sich nach seinen Worten besonders gravierende Gefahrenlagen. Eickelberg erinnerte die Hausbesitzer an ihre Pflicht, vor der eigenen Haustür für Sicherheit zu sorgen. Dabei könne durchaus Salz zum Einsatz kommen.

Einige Mitarbeiter des städtischen Bauhofs waren trotz des Warnstreiks gestern früh unterwegs, um auf einigen Wegen, für die die Kommune zuständig ist zu streuen, berichtete Gerhard Krawczyk, Chef des Baubetriebshofes. Seine Leute werden auch in den nächsten Tagen noch verstärkt darauf achten, ob und an welchen Stellen Salz aufgebracht werden muss.

Die Salzvorräte gehen zwar wie berichtet zur Neige, aber Krawczyk hofft, dass die angekündigte Lieferung von 50 Tonnen auch bald eintreffen wird.

Tankstellenpächter bunkert 1 500 Kilo Salz

Bislang hat er die Nachricht erhalten, dass die Mengen für die Ruhrstadt fest vorgesehen sind.

Von der Idee, wegen des Salzes bei dem Tankstellenpächter Adrian Turcu anzufragen, zeigt sich Krawczyk wenig angetan. Wie berichtet hat der in Schwerte lebende Pächter über 1500 Kilo Salz aus seiner rumänischen Heimat geordert und bunkert sie derzeit in Holzen.

Unter anderem sieht Krawcyzk preisliche Probleme, sollen doch ein 25-Kilo-Sack 10 bzw. 14 Euro kosten. Zudem seien noch mehrere Bestellungen in der Warteschleife, erklärt der Bauhofchef.

Dirk Husemann

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