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Gepanzerter Schwarzfahrer zwischen Elodea-Algen

11.11.2009 | 19:12 Uhr

Westhofen. Ein blinder Passagier hat sich in einen Abfallcontainer der Firma Biotrans geschmuggelt. Gut 30 Zentimeter lang, schwarzer Panzer mit gelb-orangefarbener Maserung – so kam der ungebetene Gast daher.

„Eine Gelbwangenschmuckschildkröte”, erkannte Biotrans-Chef Michael Müller mit Kennerblick. Denn seit sein Unternehmen die Elodea-Algen aus dem Hengsteysee entsorgt, hatte er bereits zwei Vertreter dieser Spezies auf seinem Hof. „Aber noch keine war so groß wie er.”

Eduard – so hat Michael Müller seinen gepanzerten Gast vorerst genannt. Voresrt, denn so ganz geklärt ist die Geschlechterfrage noch nicht. Die Länge des Schwanzes und der Krallen sprechen zwar für ein Männchen, die stattliche Größe eher für ein weibliches Exemplar. Wie das Tier in den Hengsteysee geriet, kann Müller nur vermuten. „Vielleicht ist sie zu groß geworden oder der Besitzer hatte kein Interesse mehr.”

Ursprünglich kommt Trachemys scripta scripta, so der wissenschaftliche Name, aus Florida. Aber auch in heimischen Süßwasserseen kommt die Schildkröte gut zurecht. Das kältere Klima macht den robusten Reptilien dabei wenig aus, wenn sie tief genug abtauchen können. Auch kulinarisch gibt es hier nichts zu meckern. Schließlich gehören Krebse und Elodea-Algen auf ihren Speiseplan. Beides gibt es auch im Ruhrgebiet zuhauf, weswegen Biotrans ja den Entsorgungsauftrag für die Algen bekam. „Sie fressen also das, was eh weg muss.” Für Wassersportler sind die scheuen Tiere übrigens ungefährlich.

Zurzeit lebt Eduard bei Michael Müller im Aquarium. Was mit ihm, oder ihr, passiert – der Unternehmer weiß es noch nicht. Ob der Satz „Was rauskommt, darf auch wieder rein” auch auf das Reptil zutrifft, muss noch geklärt werden. Schließlich gehört die Art ja nicht ursprünglich in den See. „Ich stehe in Kontakt mit dem Ruhrverband und werde auch AGON ansprechen.”

Eduard selbst scheint sich indes wenig Sorgen um seine Zukunft zu machen. Neugierig reckt er seinen Kopf nach oben, erkundet beim Fototermin Müllers Büro. Zwar wirkt das Tier auf Parkett ungelenk, man kann aber erahnen, wie viel Kraft in seinen Beinen steckt. „Er scheint bei bester Gesundheit zu sein. Bei kranken Tieren ist die Unterseite oft weich.” Nicht so bei diesem Exemplar, das gut zwei Kilo auf die Wage bringt. 50 Jahre alt werden Gelbwangenschmuckschildkröten, Eduard müsste so um die 20 sein, schätzt Michael Müller.

Dass die Algen im Hengsteysee heimisch wurden, ist übrigens ein gutes Zeichen. Nur weil das Wasser sauberer geworden ist und Lichtstrahlen durchlässt, finden sie beste Bedingungen vor.

Wolfgang Maas

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