Futtern wie bei Muttern
19.02.2010 | 16:50 Uhr 2010-02-19T16:50:00+0100Schwerte. Hobbyköchin Sabine Braun hat ein Geheimrezept fürs Leben: Eine Prise Gelassenheit, eine große Portion Humor und eine Messerspitze Selbstironie. Die 45-Jährige ist die gute Seele der neuen Cafeteria im Schulzentrum Nordwest.
Die Schürze hat sie fest um den Bauch gezurrt, die Ärmel hochgekrempelt. Sabine Braun ist ein Machertyp. Von akribisch aufgeschriebenen Rezepten hält sie nichts – Kochen ist für sie Leidenschaft und keine Maßarbeit. Würzen, abschmecken, fertig. Stress – dieses Wort hat Braun aus ihrem Wortschatz gestrichen. „Ob ich nun für 100 oder für drei Mann Kartoffeln koche – das ist egal”, erklärt sie.
Montags, mittwochs und donnerstags kocht Braun gemeinsam mit einer Kollegin zwei Mittagsgerichte für bis zu 100 Schüler. Eines hat sie dabei schnell gelernt: Die Kleinen sind Gourmets. Geschmacksverstärker und Fertigsaucen kommen nicht in den Kochtopf – dafür aber jede Menge Zwiebeln. „Klein gehackt und gut versteckt”, verrät Braun. Während sie die Kartoffeln schält, sind ihre Gedanken längst schon wieder beim Großeinkauf. Auch den managt die zweifache Mutter „mal eben nebenbei”.
Knapp 30 Stunden verbringt Braun wöchentlich in der Mensa – Geld will sie dafür trotzdem nicht. „Kochen ist für mich keine Arbeit, das ist ein Hobby.” Sie liebt den Kontakt zu den Schülern, liebt es, wenn die Teller leer, die Mägen voll sind. „Beim Thema Essen werden auch die Hau-Ruck-Burschen völlig handzahm.” Einer dieser Hau-Ruck Burschen ist dem Charme der Köchin schon vor langer Zeit erlegen.
Mensamotto:
Futtern wie bei Muttern
Es ist Ehemann Michael Braun, Hausmeister der Eintrachtschule. Er unterstützt den Einsatz seiner Frau – schließlich hängt auch sein Mittagessen davon ab.
Nur bei einem Vorurteil, da versteht Sabine Braun keinen Spaß. Kochen – das ist doch „typisch frau”. Darüber kann sie nur müde lächeln. Es ist das Lächeln einer Frau, die im Leben ihren Mann gestanden hat. Denn die Hände, die mit stoischer Ruhe den Eintopf rühren, die mit einem kräftigen Ruck kiloweise Nudeln abschütten, diese Hände haben auch schon tonnenschwere Fahrzeuge gesteuert. Vor der Berufung zur Küchenfee war Sabine Braun Brummi-Fahrerin. Sie hat sowohl einen LKW- als auch einen Busführerschein. Als Personenkraftfahrerin, so Braun, seien Nerven aus Stahl eine Grundvorraussetzung. Das bisschen Kochen in der Schule sei im Vergleich zum Straßenkampf fast schon Entspannung. Zwar hat sie das Motor- gegen Speiseöl getauscht – die flotten Sprüche aus der Brummi-Zeit sind jedoch geblieben.
Schlagfertig, humorvoll und mit einer kompromisslosen Fröhlichkeit hat sich Braun mitten in die Herzen der Schüler gekocht. Statt Großküchenatmosphäre geht es hier fast familiär zu. Der herzlich harte Umgangston, der Duft nach Selbstgekochtem – eben Futtern wie bei Muttern.
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