Für das Allwetterbad wird es richtig eng
22.01.2009 | 20:00 Uhr 2009-01-22T20:00:00+0100Schwerte. (TK) Dem FAB droht der Untergang. Die Aussichten auf eine mögliche Rettung tendieren gegen Null. Nach der wiederholten Forderung von Bürgermeister Böckelühr, das Bad zu schließen, und den Gutachtern, die seine Position unterstreichen, hat nun der Bäder-Beirat das Aus empfohlen.
Der Grund für die klare Entscheidung des Beirates (sechs Ja-Stimmen, zwei Enthaltungen) lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Die bessere Zeiten sind nicht eingetreten. „Die erhofften Zuwächse bei den Besucherzahlen sind ausgeblieben, die Mehrerlöse, die man sich auch durch das Aquafitness erhofft hatte, waren nachher rückläufig und die Einsparungen im Bereich Personal und Gastronomie konnten nicht nennenswert umgesetzt werden”, formuliert Hubert Sieweke, Vorsitzender des Beirates.
In der Sitzung hatte FAB-Geschäftsführer Majewski die Zahlen für das vergangene Jahr vorgelegt. Zielperspektive für 2008 war es, das Minus um rund 200 000 Euro zu senken. Doch nach der aktuellen Bilanz wird diese Marke verfehlt. Die Bäder GmbH, zu der das FAB und das Stadtbad gehören, schrieb 2007 1,86 Millionen Euro an roten Zahlen, das Allwetterbad trug daran einen Anteil von 1,4 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr nun war das Minus für die GmbH zwar geringer, berichtete Majewski der WR. Es lag bei rund 1,67 Millionen Euro. Aber der Anteil des FAB betrug fast 1,3 Millionen Euro. Die Entscheidung des Beirates fusst zudem auf den Entwicklungen der Besucherzahlen. Auch wenn 2008 mit 232 000 Gästen rund 6000 Besucher mehr im FAB waren als noch 2007, hat es einen regelrechten Einbruch der Zahlen bei den Erwachsenen gegeben. Besonders hart trifft es nach Majewskis Worten den Saunabereich. „Wir verlieren pro Monat 300 Gäste”, sagt Majewski. Gegensteuern könne man dadurch, dass eine Sanierung der Saunalandschaft in Gang gesetzt wird. Schon direkt nach seiner Amtsübernahme hatte der Bad-Manager eine Instandsetzung in Aussicht gestellt und spricht heute von rund 340 000 Euro an Umbaukosten. Ein Investor, der vor Zeiten Interesse an dem Bad bekundet hat, ging indes von einer Millionensumme aus, entgegnet Sieweke. „Eine Sanierung käme folglich die Stadt teuer zu stehen”.
Angesichts des Zahlenwerks, das Majewski dem Beirat vorlegte, erklärt Sieweke, dass eine Trendwende der Kostenentwicklung beim FAB nicht in Sicht sei. Die Erlöse seien insbesondere in den vergangenen vier Monaten rückläufig gewesen.
Der Beirat folgte mit seiner Empfehlung den Gutachtern von PriceWaterhouseCoopers. Die Experten hatten - wie berichtet - drei Szenarien für die Zukunft des Bades durchgerechnet und waren am Ende zu der Überzeugung gelangt, dass langfristig das Bad finanziell nicht tragbar sei. Auf eine weitere Diskussion mit den Leuten von PWC will der Beirat verzichten, da sie bereits im Lenkungsausschuss am Montag eine vorläufige Expertise vorgelegt hätten, so Sieweke. Nochmal mit PWC zu diskutieren, würde nur Geld kosten.
In der leidenschaftlichen Diskussion im Beirat stand dann auch die Frage im Raum, zu welchem Zeitpunkt das FAB geschlossen werden solle. Wie es heißt, soll Majewski selbst den Vorschlag unterbreitet haben, das Bad so schnell wie möglich dicht zu machen. Die Erfahrung habe gezeigt, dass nach jeder Nachricht über eine mögliche Schließung die Besucherzahlen deutlich nach unten gegangen wären. Das sei auch jetzt wieder zu befürchten. Zudem seien die Mitarbeiter des Bades wohl kaum noch motiviert, für eine Einrichtung zu arbeiten, deren Ende absehbar sei. Die jetzigen Mitarbeiter haben Verträge, die Ende 2010 auslaufen. Bis dahin haben sie allerdings noch Anspruch auf Bezahlung.
Die Tatsache, dass der Stadt noch Personalkosten bleiben und sie auf die Pachtzahlungen des FAB verzichten muss, sei dem Beirat durchaus bewusst, so Sieweke. „Auch werden die Stadtwerke auf Gewinne aus Energielieferungen an einen Großabnehmer verzichten müssen.”
Heute will Majewski die Belegschaft über die neueste Entwicklung informieren. Betriebsratschef Jörg Wilhelm kündigte Widerstand gegen eine Schließung an. Das FAB sei eine der wenigen noch verbliebenen Freizeiteinrichtungen für Kinder und Familien. „Wir werden kämpfen”.
Hintergrund:
Der Entscheidung des Bäder-Beirates hat eine besondere Tragweite, weil in dem Gremium Vertreter aller Ratsfraktionen sitzen.
Der Schwerter Rat wird sich mit dem Thema FAB in seiner Sitzung am 18. Februar befassen.
Im Oktober hatte der Rat den Vorschlag der Verwaltung zum Aus für das Bad auf Eis gelegt und gefordert, neue Zahlen zu analysieren.
Das Allwetterbad hat insgesamt 37 Stellen. Fünf Beschäftigte haben ein Rückkehrrecht zur Stadtverwaltung.
Das Stadtbad, das wie das FAB auch zur Bäder GmbH gehört, ist von der Schließung nicht betroffen.
In der Winterzeit wird das Stadtbad im Falle einer FAB-Schließung das einzige Bad in Schwerte sein, das die Bevölkerung nutzen kann. Im Sommer können die Schwerter auch das Elsebad besuchen.
Allerdings haben Schulen und Vereine dort im Stadtbad ihre festen Zeiten, sodass für die Allgemeinheit kaum noch freie Kapazitäten bleiben.
Skeptiker geben zu Bedenken, dass sich ohne das FAB die Kosten für das Stadtbad deutlich erhöhen werden, da beispielsweise dann Personalkosten aufschlagen, die jetzt noch über das FAB abgedeckt werden.
18:33
Na endlich...das war ja längst überfällig...hoffen wir mal das dieses Kapitel von sinnloser Geldvernichtung nun endgültig geschlossen wird
15:57
Die Ratsmitglieder, die seinerzeit einer solchen Investition auf Pump ihre Zustimmung gegeben haben ( SPD und fünf CDUler), können zwar nicht belangt werden, aber man sollte sie schon noch mal inquisitorisch befragen.
Ohne Überheblich zu sein, glaube ich allerdings, dass der größte Teil der damaligen Entscheider, die betriebswirtschaftlichen Hintergründe nicht hatte.
Wie so oft in Kommunen, haben sich einige führende Politiker mit einem solchen Bad profilieren wollen, auch zu ihrem eigenen Nutzen, wenn man an die Buffet-Affäre und ihre Auswüchse denkt.
Die Bürger der Stadt Schwerte müssten viel, viel mehr Anteil an den politischen Entscheidungen nehmen, dann wären solche Schildbürgerstreiche von Politiker nicht mehr möglich.
Wenn ich an das Gewürge um den Bahnhofsvorplatz denke, welches bereits 25 Jahre andauert, kommen mir die Tränen.
Es ist wie so oft im Rat, die großen Entscheidungen über Finanzen werden im Handumdrehen gelöst, weil sie nicht verstanden werden; die kleinen Dinge über Üffnungszeiten der Bücherei etc. oder Resolutionen gegen Gigaliner oder Papierkorbleerungen im Bereiche des Wassers nehmen dafür jeweils stundenlange Diskussionen ein.
Die Quantität überragt bei weitem die Qualität, nur wollen das wenige wahrhaben.
09:35
Das Stadtbad hat früher für Vereine, Schulen und private Schwimmer gereicht. Warum soll es das in Zukunft nicht mehr?
Schon vor dem Bau des Spaßbades wurde heftig darüber diskutiert. Gebaut werden konnte es nur durch Inanspruchnahme von Subventionen. Jetzt ist die Katastrophe da - es ist für Schwerte finanziell wirklich eine Katastrophe! Diese Entwicklung wurde schon 1992 prognostiziert!
Kann man da die damaligen Entscheidungsträger nicht belangen?
Schon allein deswegen, weil sie das Freibad Schützenhof zerstört haben.
Haftung für unfähige Ratsmitglieder!
00:08
Yes, finally we can close it! Vielleicht ein historischer Moment, vielleicht aber auch nicht...
23:47
Lang lebe das Freibad Schützenhof!
Geopfert für das Asi Bad, gestorben für Leute von außerhalb, doch nie vergessen, da das Bad meiner pubertären Träume.
Lang lebe die Gerechtigkeit und die kleine griechische Pommesbude neben vormals VW/AUDI Gering.
20:31
Die abgeführten Gewinne aus anderen Gesellschaften reichen nicht aus, um die Verluste zu bezahlen. Deshalb entnimmt die Stadt das Geld aus Rücklagen, die bald aufgebraucht sind.
Welcher Bürger wird denn befürworten wollen, dass die Stadt Schwerte dann jeweils ihren Überziehungskredit bei der Sparkasse erhöht, um die Verluste zu bezahlen????
Es macht weder betriebswirtschaftlich, finanziell oder steuerlich SInn, weiter die Strangulierung der städtischen Finanzen zu betreiben.
Im Umkreis von Schwerte gibt es ausreichend viele Sauna- und Badlandschaften, so dass kein Mangel entstehen kann.
Nach fast fünfjährigen, meist hilfslosen Diskussionen, in denen jeweils der Strohhalm am Horizont herbeigequasselt wurde, müssen wir nun endlich die Tatsachen akzeptieren und eine für die Schwerter Finanzen äußerst wichtige Entscheidung für die Zukunft treffen, auch wenn es an einigen Stellen sehr weh tut.