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Frust: Rolf Schmerbeck kehrt SPD den Rücken

29.05.2008 | 18:39 Uhr

Schwerte. Zwei, drei Jahre hat er mit sich gekämpft. Die Hessenwahl und die Vorgänge um Ypsilanti und Beck haben ihm dann "den Rest gegeben". ...

Rolf Schmerbeck hat die SPD verlassen. (Bild: Schwerte)

... Jetzt hat Rolf Schmerbeck, einst einer der Hauptrepräsentanten sozialdemokratischer Kommunalpolitik in Schwerte, seiner SPD den Rücken gekehrt. Rolf Schmerbeck gehört zu einer aussterbenden Gattung. Er war als langjähriger Betriebsratsvorsitzender von VDN einer jener Gewerkschaftsbosse, die seit dem Kriege als Säulen der SPD galten. In Schwerte zählten zum Beispiel Siggi Konrad dazu oder Günter Bels. Der eine führte die Belegschaft im EAW, der andere bei Hoesch. Und beide lagen später mit ihrer Partei überkreuz.

Doch der Weg zum Parteiaustritt, den Rolf Schmerbeck jetzt mit Ehefrau Marlies vollzog, führt über das "überkreuz" weit hinaus. "So sozialdemokratische Tugenden wie Loyalität, Ehrlichkeit oder Verlässligkeit", schimpft der 67-Jährige, "das ist doch alles den Bach runter gegangen. Da geht es doch nur noch um Machtgewinn und Machterhalt. Von ,dem Bürger dienen' redet keiner mehr."

"Es geht doch nur noch um Macht"

26 Jahre hat Schmerbeck der SPD angehört, bei seiner Frau waren es wohl etwas über 20. Der Mann war stellvertretender Bürgermeister in Schwerte und hat die wichtigsten Ausschüsse des Schwerter Rates geführt, manchmal sogar zwei in einer Ratsperiode, obwohl er damals kaum wusste, wo ihm vor Arbeit der Kopf stand. Ein Parteisoldat sozusagen.

Doch jetzt hat sich Monat für Monat der Frust aufgestaut. So stinkt ihm das "Gewürge um die Bundespräsidentenwahl" gewaltig. "Da erklärt man laut, man wolle nicht mit der Linken und man weiß, die lassen sich immer irgendwo ein Küchenfenster offen." Aber Schwerte sei doch auch "irgendwie runtergekommen". Auch hier "Machtspielchen ohne Ende und keine Kompromissbereitschaft" im Dienste der Stadt und der Leute mehr. Dabei meint der Ex-SPDler nicht etwa, dass die andere große Partei irgendwie besser wäre in Stadt, Land oder Bund. "Auch so' Klüngel", knurrt er. "Mein Sparvorschlag: beide großen auf einen Haufen wär billiger für den Bürger."

Und bei allen alten Bekannten und auf der Straße trifft er auf den gleichen Frust. Rolf Schmerbeck: "Früher hab ich die Leute animiert, zur Wahl zu gehen. Heute muss ich mich selbst zwingen. Und wenn dann die Wahlbeteiligung unter 50 Prozent sinkt, dann wundert sich doch niemand mehr."

Von Bernd Kirchbrücher

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