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Feinfühlige Gespräche

06.02.2012 | 18:53 Uhr
Feinfühlige Gespräche
ZIn der Form eines Herzens hatten sich gestern die Friedrich-Kayser-Schüler aufgestellt, um auf den Tag der Kinderhospizarbeit hinzuweisen.

Schwerte.   Mit Kindern über den Tod von Kindern sprechen, stellt eine Herausforderung dar, die sehr viel Feingefühl erfordert, weiß Roswitha Limbrock.

Sie gehört zum Vorstand des Deutschen Kinderhospizvereins und war gestern Morgen in den vierten Klassen der Friedrich-Kayser-Schule. Im Vorfeld des Tages der Kinderhospizarbeit am 10. Februar, wollte sie mit den Mädchen und Jungen ins Gespräch darüber kommen, welche Aufgaben sich der Verein gestellt hat.

Schon der Name Kinderhospiz, das hat Roswitha Limbrock in ihren Schulbesuchen häufig erfahren, ist erläuterungsbedürftig. Die frühere Leiterin eines Schulkindergartens erzählt von Eltern, die wegen der schweren Krankheit ihrer Kinder Trost suchten und 1990 gemeinsam das erste Kinderhospiz im sauerländischen Olpe gegründet haben.

Ein solches Haus sei für Mädchen und Jungen gedacht, die an einer „lebensverkürzenden Krankheit leiden“, erklärt Limbrock. Wie alt denn die Kinder werden, fragen die Schüler. „Das ist von Kind zu Kind zu unterschiedlich“.

Aus ihrer Tasche zieht Roswitha Limbrock eine Mappe mit Bildern von einem kleinen Mädchen. „Das ist Angeline“, sagt sie. „Die ist aber niedlich“, ruft die Klasse wie mit einer Stimme. Das erste Foto zeigt Angeline im Taufkleid, wie die Schüler herausfinden, auf dem nächsten trägt sie ihre ersten Zöpfe. Kurze Zeit, nachdem das Foto entstanden war, merkten die Eltern, dass etwas nicht stimmen konnte, erzählt Limbrock. Angeline sei häufig hingefallen. Ärzte hätten bei ihr eine Stoffwechselerkrankung festgestellt. Was eine Familie angesichts einer solchen Diagnose wohl benötige, stellt Roswitha Limbrock als Frage in den Raum. „Die Eltern waren doch bestimmt ganz traurig“, meint ein Schüler. „Oder ganz unglücklich“, sagt ein anderer.

Grüne Bänder

Grüne Bänder, die auf den Tag der Kinderhospizarbeit am 10. Februar hinweisen, verteilte Roswitha Limbrock an die Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen der Friedrich-Kayser-Schule.

Sie dankte damit den Kindern für deren Zuhören und den herzlichen Empfang, den die Mädchen und Jungen ihr bereitet hatten.

In Momenten wie diesen sei der Kinderhospizverein gefragt, erläutert Limbrock. Freiwillige Helfer sind auf Wunsch für die Familien da. Das Wort „kümmern“ mag das Vorstandsmitglied nicht so gerne hören. „Wir sprechen von begleiten, weil wir der Familie als Ganzes und dem erkrankten Kind im Besonderen zur Seite stehen“, sagt Limbrock.

Sie zeigt der Klasse ein weiteres Bild von Angeline, als sie eingeschult wird. Staunen macht sich breit. „Eine Grundschule ist das nicht, sondern eine Schule für Kinder mit Behinderungen“.

Schmunzeln müssen viele Schüler, als sie ein Bild zu sehen bekommen, das Angeline mit einem Baby auf einer Krabbeldecke zeigt. „Da war sie dann die große Schwester, als Josefine auf die Welt kam“. Nein, die Josefine trägt die Krankheit nicht in sich, erklärt Limbrock. Die Frage hätte sich auch die Familie gestellt. Während Mediziner die Antwort gaben, brauchen die Eltern aber durchaus jemanden, der ihre Ängste versteht, sich ihren Fragen zuwendet. „Genau darum sorgt sich der deutsche Kinderhospizverein“.

Derweil die Runde darüber nachdenkt, wo man die grünen Bänder des Vereins (siehe Box) anbringen kann, fragt ein Junge: „Lebt die Angeline eigentlich noch“. Sie sei mit siebeneinhalb Jahren gestorben, berichtet Roswitha Limbrock und weiß, dass nach Josefine noch eine weitere Schwester geboren wurde. „Aber auch die hatte zum Glück diese Krankheit nicht“. Der Verein habe die Familie noch einige Zeit länger begleitet, um sie nicht allein zu lassen. In der Klasse kommt die Frage auf, wie die Schule Geld sammeln kann. „Vielleicht mit einem Sponsorenlauf?“ Am Freitag und Samstag sind auf jeden Fall sechs Viertklässler mit Spendendosen in der Fußgängerzone unterwegs.

Theo Körner

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