Eisfreie Autobahn bringt Schwerte ins Schlingern
15.02.2010 | 18:15 Uhr 2010-02-15T18:15:00+0100Schwerte. „Es gibt kein Salz mehr”, lautete gestern die offizielle Meldung aus dem Rathaus. Die bestellten und zur Lieferung bereiten Tonnen leite der Landesbetrieb NRW für das Streuen der Autobahnen um, erklärte Stadtsprecher Carsten Morgenthal.
Das Salz im Schwerter Depot reiche nur mehr für zwei Tage. Deshalb würden ab sofort ausschließlich die ganz steilen Straßenstücke gestreut. „Wir gucken jetzt mal, ob wir bei einem privaten Anbieten bestellen können.” Wenn das klappe, könnte heute eine Lieferung von 50 Tonnen eintreffen. Wie teuer das Salz auf dem freien Markt ist, konnte Morgenthal nicht sagen.
Mit dem Landesbetrieb NRW haben die Städte im Kreis quasi eine Einkaufsgemeinschaft. So kommen sie preiswerter an das Salz, das sie bei der Hannoveraner Firma esco (European Salt Company) beziehen. Die Bestellungen aus den Kommunen laufen somit über den Landesbetrieb, der deshalb auch das Salz von den Stadtstraßen auf die Autobahnen umleiten kann.
Überstunden der Bauhof-Crew
Nicht nur die großen Salzmengen und die womöglich höheren Preise eines anderen Lieferanten steigern die Ausgaben für die Stadt in diesem Winter, es sind auch die Überstunden, die bei den Mitarbeitern des Bauhofs fürs Räumen und Streuen anfallen. Alle Überstundenzettel der Kollegen hat Gerhard Krawczyk, der Bauhof-Leiter, noch nicht ausgewertet, aber er weiß gewiss: Die Zahl der Einsatztage für den Winterdienst lag für den Monat Januar mit 19 erheblich höher als in den Vorjahren, wo die Männer an sechs oder sieben Tagen gegen den Schnee arbeiteten. Einen finanziellen Vorteil habe der lange Winter aber doch noch, so Krawczyk. Die Straßenreinigung blieb an den meisten Tagen im Depot. Nicht erbrachte Leistung, für die müsse der Bürger auch nicht aufkommen.
Das wird die Menschen freuen, müssen sie doch schon genug Geld für eine warme Wohnung ausgeben. Im Januar lieferte das heimische Energieversorgungs-Unternehmen, die Stadtwerke, 650 000 Kilowattstunden mehr Gas als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Mit insgesamt 72,4 Millionen kW/h sei ein Spitzenwert erzielt worden, berichtet Geschäftsführer Michael Grüll. Für den Februar rechnet er durchaus mit einer erneuten Rekordmarke, da die Kälte das Land weiterhin im Griff halte. Der durchschnittliche Verbrauch im zweiten Monat des Jahres liege bei rund 50 Millionen Kilowattstunden. Einen absoluten Ausreißer nach oben habe es 1996 gegeben. Damals, im Februar, setzten die Stadtwerke 68 Millionen kW/h ab. Möglicherweise werde dieser Februar die Menge von damals noch toppen.
Keine Rabatte für großen Gaseinkauf
Hoffnung, wonach die höheren Verbräuche einen Rabatt bewirken könnten, sind nach Worten des Geschäftsführers unbegründet. „Wir erhalten beim Einkauf keinen Preisnachlass, auch wenn die Volumen deutlich größer sind als sonst”, betont Grüll. Deshalb gebe es auch finanziellen Spielräume bei der Preisgestaltung für den Kunden.
Teuer wird es auch nach dem Frost. Eine endgültige Schadensbilanz für das Schwerter Straßennetz sei derzeit noch unmöglich aufzustellen, sagt Markus Borchert, technischer Prokurist der Stadtentwässerungs-Gesellschaft. Er habe aber den Eindruck, dass die Straßen viel stärker als im letzten Winter in Mitleidenschaft gezogen worden seien – und schon 2009 seien die Schäden immens gewesen. Mitarbeiter der SEG sind derzeit im Dauereinsatz und kommen trotzdem kaum hinterher, alle Schlaglöcher zu beseitigen, die der Frost in den Asphalt gefressen hat.
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