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Ein dicker Fisch namens Charly

12.02.2010 | 16:37 Uhr

Schwerte. 31 Jahre gehörte er zu den führenden Köpfen im Sportanglerverein Schwerte und Umgegend, war in der letzten Dekade sogar ihr Chef. Oder besser: der Hecht im Karpfenteich. Am Sonntag nun hat Karl-Lorenz Conradi den Vorsitz an Lothar Brieke abgetreten.

„Charly war ein guter Vorsitzender”, urteilt der Sportangler Udo Stellpflug. Er muss es wissen, immerhin gehört der Ergster schon seit 40 Jahren dem Verein an. „Charly” wird Karl-Lorenz Conradi von seinen Freunden gerufen. In Belgien gar geht man noch würdevoller mit seinem Spitznamen um. „Monsieur Charly´” wird er dort im befreundeten Anglerverein von Aalst genannt.

Seine Tochter hat dem neuen Ehrenmitglied des Vereins damals, vor gut 31 Jahren, den Weg in den Vorstand geebnet. „Sie wollte unbedingt Mitglied im Verein werden”, erinnert sich der städtische Verwaltungsangestellte. Nach Rücksprache stimmte der Vorstand zu – mit der Maßgabe, dass Monsieur Charly´ das Amt des Jugendwarts übernimmt. Und ehe sich der gebürtige Schwerter versah, hatte der Verein einen dicken Fisch an der Angel.

Bereut hat das niemand, weder der Verein noch Karl-Lorenz Conradi. Im Gegenteil, das Angeln hat dem 64-Jährigen über einen Schicksalsschlag hinweggeholfen. 1971 nämlich war er in einen schweren Autounfall verwickelt und muss seitdem mit einer Behinderung seiner rechten Hand leben. Viele Spaziergänge führten ihn seinerzeit über den Ruhrwanderweg, den auch heute noch immer mal wieder Angler säumen. Und da kam ihm der Gedanke, dass „ich doch mal mit dem Angeln anfangen könnte” – das Ende der Geschichte ist bekannt.

Wann immer „Charly” Conradi seine Köder ausgeworfen hat, hatte er auch wenig später etwas am Haken. „Vereinsmeister oder gar Angelkönig bin ich aber nie geworden”. Da hatte er Pech, der gute „Charly”, einmal „fehlten nur 25 Gramm” zum großen Glück. Einen dicken Fisch hat er trotzdem an Land gezogen oder besser ins Boot gehoben. „Das war beim Hochseefischen auf der Ostsee”, erinnert sich Conradi an den kapitalen Burschen namens Dorsch, der immerhin 1,20m lang und 22 Pfund schwer war.

Info
Jeden Sonntag Frühschoppen

Der Schwerter Sportanglerverein gründete sich 1935. Knapp 300 meist Schwerter Bürger sind in ihm organisiert.

Umwelt- und Naturschutz sind schon seit der Gründung Bestandteil der Vereinssatzung. Im Vereinsleben steht das Wissen vom Zusammenwirken von Mensch, Natur und Kreatur oben an.

Seinen Sitz hat der Sportanglerverein Schwerte und Umgegend an der Hagener Straße. In der Nähe von Haus Ruhr steht das Vereinsheim. Sonntags zwischen 10.30 und 12.30 Uhr treffen sich Mitglieder dort zum Frühschoppen.

Info: www.sav.schwerte.de

So dick sind die Fische nicht, die Conradi und Co. aus der Ruhr holen. Dass Sportangler auch für Besatz sorgen, hat nichts mit der Leidenschaft zu tun, möglichst viele Schuppentiere an die Angel zu bekommen. „Damit sorgen wir für das Gleichgewicht des Ökosystems”, berichtet der Experte und unterstreicht damit den Gedanken an den Naturschutz. Unter diesem Aspekt nämlich betreiben die Angler ihre Passion. „Wir waren die Ersten, die den Umweltpreis der Stadt Schwerte erhalten haben”, sagt „Charly” Conradi nicht ohne Stolz. „Werner Steinem war damals noch unser Bürgermeister”.

Und so angelt auch Herr Conradi streng nach den Auflagen des Gesetzes, nach dem „maßige Fische nicht zurückgesetzt werden dürfen, sondern einer sinnvollen Verwertung zuzuführen sind”, zitiert der Mann vom Bauordnungsamt aus den entsprechenden Paragraphen. Auf gut deutsch heißt das: angeln, braten, essen. „Oder an die Katze verfüttern”, sagt „Charly” Conradi und lacht verschmitzt im kargen Raucherraum des Rathauses II.

Das wird der in Holzen („das gehörte damals zum Amt Westhofen”) aufgewachsene Karl-Lorenz Conradi bald nur noch von außen sehen. 51 Arbeitsjahre liegen hinter dem gelernten Bautechniker, der verdiente Ruhestand ist in Sichtweite. „17 Arbeitstage und der Rest von heute”, schmunzelte er am Mittwoch im immer noch kargen Raucherraum. Dann hat der ledige, aber liierte Mann Zeit, seine Hobbys intensiver zu betreiben. Wie eben das Angeln. Oder Charterboot fahren in Holland. Nach Belgien wird er sicher auch noch reisen. Dort wird er dann allerdings nur noch der Charly sein. Monsieur ist ab sofort der Lothar. Aber das dürfte Karl-Lorenz Conradi so ziemlich schuppe, äh schnuppe sein.

Ingo Rous

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