Die Box-Legende aus dem Bilderbuch
25.09.2009 | 11:33 Uhr 2009-09-25T11:33:00+0200
Schwerte. Es ist eine Ehre für den 26-jährigen Schwerter, aber es könnte auch eine schmerzhafte Lektion werden: Box-Legende Rene´ Weller, der am Freitag bei der Box-Benefizgala gegen den Lokalmatador Konstantin Specht zum Showkampf in den Ring steigt, hat immer noch mächtig Dampf in den Fäusten.
Auftritt Weller. Der ehemalige Welt- und Europameister bedient alle Klischees, vom Scheitel bis zur Sohle: Nietenbesetzte Cowboystiefel, mächtige Gürtelschnalle, Harley; Goldkette mit einer Gliedergröße, die andere als Fahrradschloss benutzen, Steinchen auf dem goldenen Boxhandschuh; ob Brilli, man weiß es nicht. Im Gefolge Lebensgefährtin Maria Dörk, hohe Hacken, blond. Dann ist da noch Ray Martin, Kleidung ähnlich, die Kette aber, anders als der Chef, nur in Silber. Martin ist Freund, Sekundant, Cutman, Elvis-Imitator und Chauffeur in einer Person. Mit Ami-Schlitten, sieben Meter lang, fast zu groß für den Carport neben dem Hotel Reichshof.
Wer eine der schillerndsten Figuren im deutschen Boxsport der 80er Jahre war, der ist auch immer gut für einen Spruch: „Es gibt Leute, die sehen angezogen besser aus als ausgezogen.” Zu denen zählt er nicht, und deshalb kann er im Ring auch noch seine sagenhaften engen Boxhosen ausführen. „Rot, schwarz und gold habe ich dabei.” Eine davon gibt's Freitagabend zu sehen.
Aber auch noch viel mehr: Und zwar einen 55-Jährigen, bei dem auf einer Länge von etwas mehr als 1,70 Meter bei 64 Kilogramm Gewicht kein Gramm Fett zu finden ist. Fitness ist keine Frage des Alters: Daheim, so zwischen Aufstehen, Duschen, Frühstück und Zähneputzen pumpt er 15-mal 70 Kilogramm. Das ganze viermal. Deshalb hält er sich beim kleinen Aufwärmen im Studio Kämmerling nicht lange mit der Vorrede auf: „Wo habt ihr denn die richtigen Geräte? Wo ist die Hantelbank?” Michael Kämmerling ist gern zu Diensten, da fliegt die Hantel auch schon im Sekundentakt auf und nieder. Dreimal 15 Stöße. PS: Ich habe das Ding gerade zweimal mit Mühe hochbekommen.
Obwohl: „Beim Rene´ war's nie eine Frage der Kraft”, schwärmt das Schwerter Box-Urgestein Hermann Kühne, Vater von Veranstalterin Meike, „der war ein Super-Techniker.” Was ihm zwar Titel am Fließband eingebracht hat, aber auch eine Schlaghand, die 17-mal gebrochen war. Gerichtet, geflickt, verdrahtet: „An den feinen Narben war ein Schönheitschirurg dran.”
Ach ja, was waren das für Zeiten: Nein, mit den Boxern von heute möchte er nicht tauschen. „Es geht zwar um Unsummen, aber der Sport ist schlechter geworden.” Und überhaupt: „Wir haben früher auch gutes Geld verdient.”
Mit seinem Gegner Konstantin Specht hat er den ersten Ausbildungsberuf gemeinsam. Beide sind gelernte Heizungsmonteure. Aber im Gegensatz zu Specht, der bis Donnerstagabend noch auf Montage in Krefeld war, „habe ich eigentlich gar nicht mehr gearbeitet, nachdem ich mit dem Boxen angefangen habe”. So ist das, wenn man seinen Sport zum Beruf machen kann.
»Mit einem Schlag kann alles vorbei sein«
Dem Kampf sieht der Stargast gelassen entgegen: „Ich mache mir keine Gedanken über meine Gegner. Egal, wer kommt.” Aber wer wüsste besser als Weller, dass beim Boxen „mit einem Schlag alles vorbei sein kann: Deshalb muss ich den Mann im Ring abchecken.”
Denn ganz unverwundbar ist auch der „schöne Rene´” nicht. Davon zeugt eine kleine Schramme an der linken Augenbraue. Bestimmt eine Sportverletzung. Von wegen: „Ich wollte mir bei einem Kumpel die Schuhe zubinden, da habe ich mir am Glastisch die Birne gestoßen.”
Vielleicht der ultimative Tipp für Specht: Einfach 'nen Glastisch mitbringen.
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