„Der offene Ganztag ist ein Selbstläufer“
23.09.2011 | 15:22 Uhr 2011-09-23T15:22:06+0200
Schwerte.Die Offene Ganztagsschule hat sich als feste Größe im Alltag der Grundschulen entwickelt. Die WR sprach mit Dirk Wever, Vorsitzender der Ergster Familien-Aktion, die seit über sieben Jahren Personal für die Betreuung an fünf Grundschulen und der Schule an der Ruhr zur Verfügung stellt.
Schwerte war eine der ersten Kommunen, die flächendeckend den offenen Ganztag eingeführt hat. Wie bewerten sie die damalige Entscheidung aus heutiger Sicht?
Schwerte hat sich mit der „flächendeckenden Einführung“ der offenen Ganztagsschule sicherlich einen Gefallen getan, da mögliche Konkurrenzsituationen zwischen den Grundschulen erst gar nicht aufkamen. Die Anmeldezahlen für die OGS in Schwerte sind in den ersten Zeit nach der Einführung im Jahr 2003 stetig angestiegen und liegen in den letzten drei Jahren bei rund 800.
Können auch immer alle Wünsche von Eltern, die einen Platz für ihr Kind haben möchten, erfüllt werden?
Grundsätzlich konnten alle Anmeldungen auch berücksichtigt werden. Für alle von uns betreuten offenen Ganztagsschulen wurde mit den jeweiligen Schulleitungen auf Grund der räumlichen Rahmenbedingungen abgestimmt, wie viele OGS-Plätze zur Verfügung stehen.
Besteht eine Pflicht, wonach Kinder eine bestimmte Stundenzahl in der OGS bleiben müssen?
Die von Ihnen angesprochenen Mindestbetreuungszeiten sind die im Erlass vorgegeben Mindestzeiten. Das bedeutet, dass eine Betreuung im offenen Ganztag grundsätzlich bis 15 Uhr vorgesehen ist, in der ein Kind auch anwesend sein muss. Es wird aber darüber hinaus eine Betreuung bis 16 Uhr gewährleistet.
Wie sieht es mit der Personalsituation aus?
Das Land hat die Zuschüsse angehoben, die pro Kind an die Stadt gezahlt werden. Daher hatten nicht nur die Ergster Familien-Aktion, sondern auch der Verein Kinderland, die Arbeiterwohlfahrt und der Verein für soziale Integrationshilfen, die ebenfalls Betreuungen organisieren, beantragt, zusätzliche Betreuungskräfte einzustellen.
Der neue Personalschlüssel berücksichtigt die steigenden Anforderungen an das Personal. Das wiederum muss sich mit wachsenden Erwartungen der Eltern auseinandersetzen, die beispielsweise wünschen, dass ihre Kinder im offenen Ganztag den überwiegenden Teil der Hausaufgaben erledigen.
Hat durch die OGS ein Wettbewerb mit den Vereinen begonnen, die bei ihren Nachmittagsangeboten weniger Kinder haben?
Eine Konkurrenzsituation entsteht meines Erachtens nicht, da grundsätzlich alle Schwerter Vereine und sonstigen Institutionen wie Malschulen, Musikschulen, EDV-Schulungen und andere die Möglichkeit haben, über eine Kooperation im Bereich der OGS tätig zu sein.
Wie beurteilen sie die Zukunftsperspektiven des offenen Ganztags?
Dieses Angebot ist sozusagen ein Selbstläufer. Das heißt, bei steigendem Erfordernis der Eltern, für ihre Kinder eine pädagogische Begleitung im nachschulischen Bereich sicherzustellen, werden die zur Verfügung stehenden Plätze sicherlich genutzt werden. Mittelfristig muss auf Grund der demografischen Entwicklung allerdings auch mit einer Reduzierung der Anmeldezahlen gerechnet werden.
Ob die OGS offen, also freiwillig bleibt oder aber nicht, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantwortet werden. Hier spielen neben gesellschaftlichen Fragen auch die Anforderungen der Eltern und/oder die Erfordernisse der Eltern, wenn beide Elternteile berufstätig sind oder sein müssen, eine große Rolle.
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