Auch nachts gibt's was zu tun
16.02.2010 | 16:27 Uhr 2010-02-16T16:27:00+0100Schwerte. Der Aufruf von Brigitte Ossa ist kurz: Tagesmütter gesucht. Die Mitarbeiterin des Schwerter Jugendamtes ist zuständig für die Tagespflege, vermittelt erwerbstätigen Frauen den passenden Aufenthalt für Baby, Klein- und Schulkind.
Die Nachfrage nach Tagesplätzen übersteigt das Angebot bei weitem. „Klassisch ist, dass die Frauen nach dem Elternjahr wieder arbeiten gehen”, sagt Ossa. Die Familien sind häufig auf das Einkommen angewiesen. Die Plätze für Jungen und Mädchen von 0 bis drei Jahren in Kindertages-einrichtungen sind mehr als knapp, die Arbeitszeiten der Mütter passen häufig nicht zu den Öffnungszeiten. Da ist ein Platz bei einer Tagesmutter schneller gefunden, oder besser: war schneller gefunden.
43 Frauen arbeiten zurzeit in der Ruhrstadt als Tagesmutter, 86 Kinder werden von ihnen betreut. Um vier Jungen und Mädchen kümmert sich Karin Bormann-Ludwig. Sie belegte die erforderlichen Qualifikationskurse, bevor 2007 das erste Kind zu ihr kam. Von 7.30 bis 15 Uhr oder bis 17 Uhr ist sie mit den Kindern, die alle jünger als drei Jahre sind, zusammen. „Ich habe einen festen Zeitplan. Um 8.30 Uhr Frühstück, um 9.30 Uhr gehen wir nach draußen, um 11.30 Uhr gibt es Mittagessen.” Dann machen die jungen Menschen ihren Mittagsschlaf, damit sie fit sind beim Klingeln der Mutter. „Die Kinder müssen wach und angezogen sein, wenn sie abgeholt werden”, sagt Karin Bormann-Ludwig. Häufig hätten die Frauen noch ein festes Nachmittagsprogramm, und dann zähle jede Minute.
Karin Bormann-Ludwig bekommt wie alle Tagesmütter, die übers Jugendamt bezahlt werden, einen Stundenlohn von 4,50 Euro pro Kind. Ist sie krank, bekommt sie nichts, macht sie Urlaub, gibt es ebenfalls kein Geld. Sie ist selbstständig. Ihre monatlichen Einkünfte muss sie versteuern. Die Stadt zahlt unter bestimmten Voraussetzungen die Hälfte zum Krankenkassenbeitrag und zu den Abgaben für die Sozialversicherung. „Es ist immer noch eine unterbezahlte Arbeit”, sagt Bormann-Ludwig, die gelernte Finanz-Buchhalterin ist.
Monatsbeitrag wie
für den Kindergarten
Brigitte Ossa, bei der Stadt zuständig für die Kindertagespflege, ist zu den Rathaus-Öffnungszeiten zu erreichen, 104-374.
Sie vermittelt ausschließlich für berufstätige Eltern den Kontakt zu einer Tagesmutter. Das gilt für Kinder von zwei Monaten bis 14 Jahren.
Unter der genannten Telefonnummer melden sich auch Frauen und Männer, die an einer Ausbildung zur Tagesmutter und zum Tagesvater interessiert sind.
Maximal fünf Kinder darf eine Person betreuen.
Im nächsten Ausbildungskurs für Tagesmütter, den Schwerte gemeinsam mit Unna und dem Kreis bezahlt, lernen fünf Frauen aus Schwerte alles das, was sie wissen müssen.
Die Eltern überweisen für einen Platz bei der Tagesmutter an die Stadt einen ähnlichen Beitrag wie für einen Platz in einer Kindertageseinrichtung. Dabei wird das Familieneinkommen genauso berücksichtigt wie die bereits bestehende Betreuung von Geschwisterkindern. „Das wissen viele nicht und meinen, sie könnten eine Tagesmutter nicht bezahlen”, sagt Brigitte Ossa. Sie vermittelt Plätze bei Tagesmüttern nur, wenn die Eltern berufstätig sind oder Kurse bei der Arge machen müssen.
Immer mehr gewünscht sind Tagesmütter, die schon ab 5.30 Uhr Kinder aufnehmen und bis spät in die Nacht betreuen. „Es gibt viele Nachfragen, die ich zurzeit einfach nicht bedienen kann”, sagt Brigitte Ossa und nennt das Beispiel von Eltern, die beide im Schichtdienst arbeiten.
Voraussetzungen für den Einsatz als Tagesmutter und Tagesvater sind ein Schulabschluss, Erfahrung mit Kindererziehung (hier darf es auch ein Kindergarten-Praktikum sein), die erfolgreiche Teilnahme an der Qualifikation und Platz in der eigenen Wohnung fürs Spielen und den Mittagsschlaf der Kinder. „Die Tagesmutter hat nicht mehr das Image der netten Nachbarin, die so nebenbei auf die Kinder aufpasst. Die Tagespflege hat mittlerweile einen Bildungsauftrag”, erklärt Ossa.
08:04
Ich hab mal ein wenig rumgerechnet.
Wenn man drei Kinder für ca. 40 Stunden pro Woche betreut, bekommt man ca. 2.000,- EUR Brutto pro Monat; Urlaub und Krankheit noch nicht eingerechnet.
Rechnet man dies auch noch dabei, sind es so um 1.600,- EUR bis 1.700,- EUR Brutto.
Das ist echt ein schlecht bezahlter Job.