40 Tage Verzicht
16.02.2010 | 16:11 Uhr 2010-02-16T16:11:00+0100Schwerte. An der Garderobe hängt das Clownskostüm, in der Küche stehen angetrocknet die Berliner. Schön war sie, die Faschingszeit. Schön und ausgelassen. Doch der Aschermittwoch klopft erbarmungslos an die Tür. Auf Kamelle und Rumtata folgt die Fastenzeit – zumindest theoretisch.
Denn längst nicht jeder, der sich zu Fasching dem kollektiven Massengeschunkel hingegeben hat, sieht hinter Perückenpracht und Kostümball die Vorbereitung auf den Fastenbeginn. 40 Tage Verzicht. 40 Tage, in denen selbstauferlegte Einschränkungen zur täglichen Herausforderung werden. Auch der katholische Pfarrer Hans-Peter Iwan hat sich ein Ziel gesetzt. „Alkoholverzicht – außer wenn es beruflich notwendig ist.”
Kleine Ziele setzen
Fasten, das bedeutet für ihn, sich auf das Wesentliche zu beschränken. „Wir leben im Überfluss. Die tägliche Übersättigung, das macht kirre.” Er hat in den letzten Jahren eines beobachtet: „Die Fastenzeit bekommt neue Aufmerksamkeit. Teilweise aus der Gesundheits-, teilweise aus der ökologischen Bewegung.” Die einen plädieren für Entschlackung, die anderen dafür, das Auto stehen zu lassen. Für Pfarrer Iwan zählt allein der Grundgedanke. Durch den Verzicht sollen neue Freiräume gewonnen werden. Nur wer gelernt hat loszulassen, der kann auch neu beginnen.
Die Angst vorm Scheitern, die kennt auch der Pastor. Dagegen hat er ein einfaches Rezept: Die Latte nicht zu hoch legen. Denn, so Iwan, „schwach zu werden, ist nicht die Tragik. Wenn der Mensch aufhört anzufangen, das ist die wahre Tragödie.”
Fastenzeit bedeutet Hungerzeit. Dieses Bild hält sich hartnäckig. Und auch die Ernährungsberaterin Michaela Wendel bekommt in den Fastenwochen vermehrt Beratungsanfragen. Meist stehe jedoch einzig und allein die Gewichtsreduktion im Vordergrund. Ganz ohne Nährstoffe, erklärt die Ökotrophologin, geht es nicht. Besonders Patienten mit Diabetes und Herz- Kreislauf Erkrankungen rät sie von Experimenten wie dem Heilfasten ab. Verträglicher sei das Basisfasten. Kein Zucker, kein Weißmehl, kein Fleisch. Kurzum: Alles, was schmeckt, kommt vom Tisch. „Wer länger auf Zucker verzichtet, entwickelt eine neue Geschmackssensibilität.”
Verzicht – in den Augen des evangelischen Pastors Stephan Ebmeier nicht nur ein Thema für Erwachsene. „Die Karnevalszeit haben die Jugendlichen für sich entdeckt. Dass man den Konsum bewusst einschränkt – das ist für sie schräg.” Dabei kann Verzicht auch Gewinn sein, so Ebmeier. Er rät beispielsweise, statt der Handy-Dauernutzung doch lieber das persönliche Gespräch zu suchen. „In der Überflussgesellschaft muss man den Verzicht erst hervorkramen. Auch er hat sich etwas vorgenommen: Kein Fernsehen. Außer sonntags. „Da kommt Tatort – da werde ich zum Fastenbrecher.”
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