150 Bilder mit Raum für Interpretationen
03.02.2012 | 17:30 Uhr 2012-02-03T17:30:00+0100
Schwerte.Jedes Jahr umrundet er – rein rechnerisch – den Globus mindestens zwei Mal, sein Arbeitstag dauert rund die Uhr. Seine Gedanken mal in Ruhe kreisen zu lassen, dafür bleibt ihm im Job keine Zeit, aber die nimmt sich Reinhard Stöcker, wenn er sein Atelier betritt. „Bei der Malerei kann ich wunderbar entspannen“, sagt der 57-Jährige, der als Verkaufsleiter von Blumen Risse ständig auf Achse ist.
Seine Liebe zu den Farben hat er schon früh gespürt. Noch sehr genau kann er sich daran erinnern, als er als 14-Jähriger im Haus seiner Großeltern Spaß daran fand, Holzscheite zu färben. Seine ersten Arbeiten hütet er bis heute, sind sie doch Erinnerung an die Jugendzeit und die Anfangsetappe seines künstlerischen Schaffens. Mit Beginn der Lehre – die Arbeit forderte ihren Tribut – ließ er Staffellei Staffelei sein. Wahrscheinlich hätte er sie auch nicht mehr hervorgeholt, wenn nicht eines Tages seine Frau Margarete ihm einen Gutschein geschenkt hätte.
Einen Malkurs in einem Künstlerdorf hatte sie für ihn gebucht. Zwei, drei Mal war er auch dort, bekam sicherlich den entscheidenden Impuls, mit dem Hobby aus früheren Zeiten wieder zu beginnen. Doch lange hielt die Treue zu dem Lehrgang nicht. Reinhard Stöcker vermisste das Stück künstlerischer Freiheit, ohne das er nicht arbeiten kann. Wie er den Malpinsel ansetzt, ob er viel Farbe oder wenig nehmen soll, ob der Spachtel gebraucht wird, alles das möchte er selbst entscheiden. „Dadurch kann ich am besten lernen“, weiß der Familienvater, der im Laufe der Jahre 150 Bilder geschaffen hat.
In ihnen bringt er seine eigenen Gefühle zum Ausdruck, manchmal mögen es auch gesellschaftliche Stimmungen sein, die er einfängt und abbildet. Spannend findet es Reinhard Stöcker vor allem, wenn andere Menschen seine Arbeiten betrachten und mit ihm darüber ins Gespräch kommen. Da kann die Malerei der Einstieg in eine intensive Unterhaltung werden.
Für den Eigenbedarf
Das Gros seiner Bilder hat er bei sich selbst aufbewahrt, Verwandten geschenkt oder für einen guten Zweck abgegeben. Auf Auktionsterminen ließ er die Arbeiten ersteigern und das Geld der Kleinen Oase, Kurzzeitwohnheim in der Vestischen Kinder- und Jugendklinik von Datteln zugute kommen.
„Während manche Leute nach Feierabend sich ein Buch zur Hand nehmen oder den Fernseher einschalten, freue ich mich auf die Ruhe in meinem Alter“, erzählt der Verkaufsleiter.
In seiner Funktion als Verkaufsleiter ist ihm sehr daran gelegen, engen Kontakt zu den Mitarbeitern zu pflegen. Insgesamt hat das Unternehmen rund 1800 Beschäftigte an 166 Standorten. Seit einem Vierteljahrhundert für Risse im Einsatz, hat Stöcker das Wachstum des Betriebes miterlebt. Seine Entscheidung, die Lebensmittelkette co op zu verlassen, lange bevor der Niedergang begann, habe sich im Nachhinein als goldrichtig erwiesen, sagt er.
Malen bis in die Nacht
Mit Pinsel und Farbe zu Werke zu gehen, kann heutzutage schon mal bis in die späten Abendstunden dauern, doch das ficht den gebürtigen Schwerter nicht an. Für ihn sind die Stunden die reinste Erholung, wenngleich er schon ein Bestreben spürt, seine Techniken immer weiter zu verbessern. „Das ergibt sich von ganz allein“, sagt er und hat ein Ziel vor Augen: Er möchte Acrylfarben einmal auf einer zwei mal drei Meter großen Leinwand aufbringen.
Eines wird man auf dem Bild ebensowenig finden wie in allen anderen Arbeiten: Blumenmotive. Die Erklärung ist simpel: „Ich male nicht gegenständlich, meine Bilder sollen Raum für Interpretationen lassen“.
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