Vom Lehrer zum Millionär
17.02.2012 | 18:28 Uhr 2012-02-17T18:28:00+0100
Schwelm.Erfolgreicher Unternehmer, zwielichtiger Geschäftsmann, zurückgezogen lebender Finanzinvestor - über Rolf Lohbeck wurde schon viel geschrieben und noch mehr behauptet. Doch seit seinem Rückzug aus dem Altenheimgeschäft und seit der Insolvenz der Privatbrauerei Schwelm ist es um den gebürtigen Essener ruhiger geworden. Aber zur Ruhe gesetzt haben sich der umtriebige Selfmade-Millionär und seine Frau Heidrun nicht. Statt in Seniorenresidenzen, macht das erfolgreiche Unternehmerehepaar in den letzten Jahren in Immobilien und Hotels.
Als Unternehmer hat Rolf Lohbeck alles erreicht, was man nur erreichen kann: ein erfolgreiches Familienunternehmen und Reichtum. Als Familienmensch ist er stolz auf seine 4 Kinder und 11 Enkelkinder. Doch in seiner Wahl-Heimat Schwelm ist der Gründer der Unternehmensgruppe Dr. Lohbeck nicht unumstritten. In einem 454 Seiten starken Buch (Titel: Sterne fliegen höher – Chronik eines ungewöhnlichen Unternehmerlebens) hat er sein Leben niedergeschrieben.
Rolf Lohbeck spricht selbst von einem „autobiografischen Werk“. „Ich gehöre zu den Nichtangepassten – in jeder Beziehung“, sagt der heute in der sogenannten Bering'schen Villa, hoch über Schwelm thronende 71-Jährige von sich selbst. „Ich hatte nie die Absicht, Unternehmer zu werden. Wollte lieber ein abenteuerliches Leben, fern bürgerlicher Normen führen – im Dschungel in Südamerika. Doch wie das Leben so spielt.“
Dreiviertel des Buches hat der gelernte Volksschullehrer und Dr. phil. in einem Floridaurlaub innerhalb von sechs Wochen „handschriftlich“ zu Papier gebracht. Ehefrau Heidrun Lohbeck hat es dann in den Computer getippt. Für Rolf Lohbeck ist es das fünfte und wohl auch das bisher umfangreichstes Buchprojekt. Vom Immobilienspekulanten, über den Hotelier zum Seniorenheim- und Bier-König von Schwelm und wieder zurück zum Hotelier und Immobilien-Guru – das ist die Kurzform des Unternehmers Rolf Lohbeck. Seine Besitztümer verteilen sich auf verschiedene Länder, Zentrale der Unternehmensgruppe Dr. Lohbeck ist aber Schwelm.
Von den Büroräumen aus der ersten Etage des ehemaligen „Prinz von Preußen“ am Altmarkt haben Rolf und Heidrun Lohbeck einen wunderbaren Blick auf die Christuskirche. „Eine Religiosität, die nicht unbedingt mit Kirche zu tun hat, habe ich mir behalten“, sagt Rolf Lohbeck. Dazu gehöre auch das tägliche Gebet. Das Leben sei kurz und darauf folge die Ewigkeit.
Hollywoodstar Stewart Granger war Nachbar
In Schwelm hat Familie Lohbeck Wurzeln geschlagen. Dazu gehört natürlich auch der Besuch des Heimatfests, das Fischbrötchen und die Wurst auf der Kirmes. Und den Festzug am Sonntag kann das Unternehmerehepaar quasi aus der ersten Reihe heraus verfolgen – vom Balkon des „Prinz von Preußen“ am Altmarkt.
In der ersten Reihe sitzen auch die Leser des Druckwerks – aus Sicht des Buchautors. Für Kenner der Schwelmer Verhältnisse gibt es ein Wiedersehen mit stadtbekannten Größen und Gebäuden. Mit jedem Wort, mit jeder neuen Seite lernt der Leser Rolf Lohbeck und dessen Familie besser kennen, kann Anteil am Aufstieg des Familienunternehmens nehmen. Es ist die Geschichte vom kleinen Volksschullehrer zum Millionär.
Das Privatleben der Familie ist nach der Lektüre des Buches für die Leser kein Buch mit sieben Siegeln mehr. Lohbeck nimmt seine Leser mit auf seine Reisen durch die Welt, zeigt ihnen, wo urlauben seiner Meinung nach am Schönsten ist. Aufmerksame Leser entdecken aber auch bisher unbekannte Seiten an Familie Lohbeck. Dazu gehört sicherlich deren Bekanntschaft zur Hollywood-Legende Stewart Granger. Der 1993 verstorbene britische Schauspieler wohnte einst Tor an Tor mit der Schwelmer Familie Lohbeck, als sie „wegen des Asthmaleidens der Kinder“ ihre Zelte im spanischen Marbella aufgeschlagen hatte.
Das Buch ist aber nicht nur ein Rückblick auf längst vergangene Zeiten, sondern auch ein Rückblick auf Geschehnisse, die allen Schwelmern noch sehr deutlich in Erinnerung sind und die mit dem Ende der Bierbrautradition in Schwelm zusammenfallen. Für Rolf Lohbeck ist die Sache klar: Ein inkompetenter Betriebsrat und Sabotage ist für das „Aus“ der Brauerei Schwelm verantwortlich. „Die Brauerei war für mich kein Steuersparmodell, sondern eine Herzensangelegenheit“, gibt er seinen Kritikern mit auf den Weg.
Hätten die Mitglieder des Betriebsrats ein Einsehen gehabt, würde es die Brauerei noch geben, sagt Rolf Lohbeck. Sein Deal sei gewesen: „Ihr tretet aus dem Betriebsrat aus und könnt eine Mitarbeitervertretung wählen. Und ich verpflichte mich, die Brauerei noch mindestens zwei Jahre am Leben zu erhalten.“ Selbst mit dem Gedanken, eine neue Brauerei für zehn Millionen Euro auf einem Gelände am Ochsenkamp zu bauen, habe er zum Leidwesen seiner Frau gespielt. Doch wie die Geschichte letztendlich ausgegangen ist, weiß jeder Schwelmer nur zu genau: Die Unternehmensgruppe Dr. Lohbeck braut heute noch Bier in Görlitz, aber in Schwelm ist die Quelle für den Gerstensaft versiegt.
14:28
@Ngrieger: Kenn mich da nicht so aus wie Du. Schreibst da pauschal was von "zwielichtiger Geschäftsmann", machst aber den Eindruck, daß Du da über gutes Backgroundwissen vergfügst. Hast Du da was fundiertes, was deine These untermauert? Wäre spannend!
Habe das Buch angefangen zu lesen, übrigens von vorne und hab noch etliche Seiten vor mir : ) Bislang hab ich über die Familie von L., seine Jugendjahre (der war schon ein ganz schöner Flegel) und Schulzeit gelesen. Bislang ganz nett und interessant, wenn man vorbehaltlos sich vorstellt, daß jemand mit der Erfahrung der Nachkriegszeit und geringen wirtschaftlichen Mitteln es bis zum erfolgreichen Geschäftsmann geschafft hat. Wenn man Parallelen zu Gerhard Schröder zieht; der hat es auch über den zweiten Bildungsweg bis zum Bundeskanzler geschafft; dann finde ich das schon bemerkenswert. Deshalb hatte ich mir auch das Buch geholt. Bin gespannt wie´s weiter geht. Finde, man sollte hier über´s Buch schreiben und nicht seinen Frust abladen!
15:43
Es hätte vielleicht nicht geschadet, wenn sich die verantwortlichen Redakteure vor dem Artikel mal das Buch zur Brust genommen hätten. Bei manchen Aussagen hätte man dann vielleicht nachgedacht, ob man diesen Artikel überhaupt veröffentlicht. Die einzige treffende Beschreibung ist unter dem Strich "zwielichtiger Geschäftsmann".
Ein Buch zu veröffentlichen in dem man neben an Rassismus grenzende Aussagen veröffentlicht und Arbeitnehmer und deren Rechte mit Füßen tritt ist eine bodenlose Frechheit und zeugt vom absoluten Verlust der Bodenhaftung.
Warum haben wir denn Betriebsräte? Damit der Unternehmer diese auflösen kann (oder versuchen kann die Auflösung zu erpressen), wenn ihm die Nasen nicht passen?! Hier hat nicht der BR die Muskeln spielen lassen sondern hier wurde quasi Erpressung an eben diesem ausgeübt. Wie schön, dass er sich dann noch so freut, dass es diese Arbeitnehmerstrukturen in Ostdeutschland nicht gibt...
Man kann nur den Kopf schütteln....
12:26
Der ehemalige Betriebsrat der Brauerei Schwelm wird sich nach anwaltlicher Beratung in dieser Woche zum Sachverhalt äußern.
Am Besten die ganze Wahrheit auch von Ihnen auf den Tisch - und bitte nicht die Wulff-Taktik, nämlich nur das sagen, was auch schon bewiesen ist. Allerdings erwarte ich das eigentlich nicht von ihnen, sondern eher die Geschichte vom bösen Lohbeck und den abgekaterten Spielchen....
12:12
@stylewars #10: Es ist unbestritten, dass es dieses Angebot gab. Ebenso unbestritten ist es aber auch, dass es juristisch wohl gar keine Möglichkeit gab, den Betriebsrat in der Form aufzulösen, wie Herr Lohbeck sich das vorstellte. Das ist zumindest mein Informationsstand.
12:07
Also mal ganz kritisch betrachtet, stellt sich mir die Frage, was wäre nach den 2 Jahren gewesen? Wahrscheinlich hätte es die Brauerei auch dann nicht mehr gegeben und sie wäre letztes Jahr geschlossen worden.
Die Mitarbeiter der Brauerei und der Betriebsrat, hätten doch nicht um die Brauerei und ihre Arbeitsplätze gekämpft, wenn sie das Bier absichtlich verdorben haben. Da ich ein paar Seiten des Buches gelesen habe, welche ausschließlich von der Brauerei handeln, bin ich erschüttert. Einmal das Namen genannt werden und somit auch ganz starke Rufschädigung betrieben wird, zum anderen, die ganze Schuld und die Unterstellung, dass ein, zwei Brauer das Bier absichtlich verdorben hätten bzw. die Qualität herabgesetzt haben, finde ich sehr empörend. Wie kann man so etwas OHNE Beweise von sich geben?! Es ist ungeheuerlich. Dieses Buch wäre für mich keinen Euro Wert.
11:31
Wenn ich nicht ein ehemaliges Betriebsratsmitglied kennen würde, dann würde ich die Sache wohl auch kritischer sehen. Das Angebot von Herrn Lohbeck gab es tatsächlich, doch der Betriebsrat wollte nicht darauf eingehen und lieber die Muskeln spielen lassen - das Ergebnis ist bekannt. Die damaligen Betriebsrats-Protagonisten, die es zum Showdown kommen gelassen haben, sind genauso viel oder genauso wenig Schuld am Niedergang der Brauerei, wie Herr Lohbeck. Herr Lohbeck saß halt am längeren Hebel. Komisch übrigends auch, daß es v.a. ehemalige Betriebsratsmitglieder sind, die gebetsmühlenartig immer wieder ihre subjektive Geschichte erzählen...
09:57
Die Art und Weise, wie in diesem Artikel und in den entsprechenden Absätzen des vorgestellten Buches die Gründe für das Ende der Brauerei beschrieben werden, sind nachweislich nicht richtig und ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die bis zum bitteren Ende alles gegeben haben, die Schwelmer Brauerei zu retten.
Ich weiss, dass die genannten Personen und der ehemalige Betriebsrat sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen wehren werden. Ich hoffe, dass auch das in dieser Zeitung die Beachtung findet, wie die Vorstellung dieses zweifelhaften Buches.
08:01
Zitat: "... Hätten die Mitglieder des Betriebsrats ein Einsehen gehabt, würde es die Brauerei noch geben, sagt Rolf Lohbeck. Sein Deal sei gewesen: „Ihr tretet aus dem Betriebsrat aus und könnt eine Mitarbeitervertretung wählen. Und ich verpflichte mich, die Brauerei noch mindestens zwei Jahre am Leben zu erhalten.“ ..."
Und was wäre nach den zwei Jahren gewesen?
Wie .... muß man sein, so etwas öffentlich zu publizieren? Wer sich öffentlich so dazu bekennt die Mitbestimmungsrechte seiner Mitarbeiter mit Füßen zu terten, darf sich nicht wundern, wenn sein Ansehn sinkt.
Vielleicht können die entsprechenden Gewerkschaften diesen Passus mal aufgreifen und etwas unternehmen.
Und was können die Schwelmer/innen unternehmen? Zum einen, dass "Machwerk" im Regal stehen lassen und zum anderen den Antrag auf Verlegung des Heimatfestzuges stellen PRINZ VON PREUSSEN großräumig umfahren!!!.
19:04
Unglaublich das über den Mann in Schwelm noch berichtet wird!!!
18:52
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Was in #5 stand, kann ich nicht sagen. In Kommentar #2 hatte ich lediglich aus dem Buch zitiert, warum der Verfasser den Erlös des Brauerei-Verkaufs nicht wieder in einen Braubetrieb investiert hat. Dieses Zitat steht auch in Kommentar #4, weshalb ich nicht verstehe, dass meiner gelöscht wurde.