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Energiearmut

Vielen Hartz-IV-Beziehern gehen die Lichter aus

15.06.2014 | 21:00 Uhr
Vielen Hartz-IV-Beziehern gehen die Lichter aus
Wenn das Geld nicht mehr reicht, droht die Stromsperre.Foto: Kai Remmers

Ennepe-Ruhr. Für immer mehr Hartz-IV-Bezieher gehen die Lichter aus. Weil die Regelsätze nicht mehr reichen würden, die steigenden Energiepreise zu begleichen, komme es im Ennepe-Ruhr zu vielen Stromsperrungen. Darauf weist die Diakonie Mark-Ruhr hin und fordert nun: Stromsperren verhindern.

Drastisch gestiegene Energiekosten

„Es handelt sich hierbei um ein Problem, das bei uns immer häufiger aufschlägt“, erklärte Fabian Tigges, Pressereferent der Diakonie Mark-Ruhr. Die teils drastisch gestiegenen Kosten für Energie würden dazu führen, dass gerade Menschen mit niedrigem Einkommen nicht mehr in der Lage sind, ihre Strom- und Gasrechnungen zu bezahlen. „Besonders hart treffen die Preissteigerungen Menschen, die Sozialleistungen beziehen sowie Geringverdiener, die gerade soviel Einkommen erwirtschaften, dass sie keinen Anspruch auf Sozialleistungen haben“, berichtet Brigitte Müller-Schwietering von der Schuldnerberatung der Diakonie in Schwelm.

Ihre Einrichtung führte im vergangenen Jahr 531 Schuldnerberatungen für Menschen aus den Städten Ennepetal, Gevelsberg und Schwelm durch. Kreisweit waren es 1591. Und in immer mehr Fällen würden sich die Sorgen darum drehen, wie die nächste Strom- und Gasrechnung bezahlt werden kann, so Diakonie-Sprecher Tigges.

Die Ursache sieht die Diakonie in der immer weiter klaffenden Lücke zwischen Leistungshöhen und Preisentwicklung. „Beim Thema Energie wird der unzureichende Regelsatz bei ALG II-Beziehern besonders deutlich. Für ein Ehepaar mit zwei Kindern im Alter von zwölf und 14 Jahren sind monatlich 80,23 Euro für Strom vorgesehen. Tatsächlich aufgebracht werden müssen jedoch monatlich durchschnittlich 95 Euro.“

Um die monatlichen Pauschalen zahlen zu können, müsse also Monat für Monat an anderer Stelle eingespart werden, so die Diakonie. Wenn die Betroffenen dazu nicht mehr in der Lage seien, einen überdurchschnittlich hohen Anteil ihres Einkommens für Strom und Wärme aufzubringen und ihnen somit die Energieversorgung abgestellt wird, stehen sie vor existenziellen Problemen. „Ein Leben ohne warmes Wasser, ohne Licht, ohne Heizung und ohne die Möglichkeit eine Mahlzeit zu kochen – eigentlich kaum vorstellbar“, teilte die Diakonie mit.

Die AVU erteilte im vergangenen Jahr 8003 Mal den Auftrag, den Strom zu sperren. In insgesamt 1698 Fällen kam es auch dazu. Fachleute gehen davon aus, dass es sich überwiegend um Haushalte von Hartz-IV-Beziehern handelt. Nur weil die meisten Kunden im letzten Moment doch ihre Rechnung begleichen konnten, lag die Zahl der Stromsperrungen nicht noch höher, meint die Diakonie.

Aus Erfahrung wissen die Mitarbeitenden in den Schuldnerberatungen, dass Stromsperren meist nur dann im letzten Moment verhindert werden, wenn Sozialbehörden, Familien oder Freunde finanziell unterstützen. Aber, so die Diakonie: „Im Falle eines Darlehens durch Jobcenter oder Sozialamt bedeutet die Rückzahlung des Darlehens eine Reduzierung des Regelsatzes, die neue Engpässe zur Folge hat.“ Die Diakonie spricht bereits von einer zunehmenden Energiearmut. Es bedürfe nachhaltiger Lösungsansätze. „Deshalb fordern wir, dass bei den Sozialleistungen die tatsächlichen Energiebedarfe berücksichtigt werden müssen“, erklärte der theologische Geschäftsführer der Diakonie Mark-Ruhr, Pfarrer Martin Wehn.

Im Einzelfall per Zuschuss begleichen

Weitere Forderungen unter anderem: Die Jobcenter sollen Energieschulden von Leistungsempfängern nach SGB II nicht darlehensweise, sondern im Einzelfall auch wieder durch einen Zuschuss begleichen können. Ebenso sollen für Menschen, die in prekären Einkommensverhältnissen jenseits der Grundsicherungsleistungen leben, Stromschulden darlehensweise übernommen werden. Haushalten mit niedrigem Einkommen sollten Zuschüsse und einmalige Leistungen zur Anschaffung von energieeffizienten Haushaltsgeräten gewährt werden.

Andreas Gruber

Kommentare
17.06.2014
07:58
Vielen Hartz-IV-Beziehern gehen die Lichter aus
von Schwarz-Gelb | #7

Und so etwas in einem Land des flächendeckenden Fachkräftemangels. Unglaublich !

1 Antwort
Vielen Hartz-IV-Beziehern gehen die Lichter aus
von Wildschutz | #7-1

Gäbe es einen echten Fachkräftemangel, gäbe es keine Leiharbeitsfirmen (Sklavenhalter). Was unser Staat mit Hartz IV und Sozialsystem macht verstößt gegen die Menschenrechte der EU. Nur leider können Betroffene nicht klagen weil ihnen dazu die Mittel vorenthalten werden.
Es gibt heute keine RAF mehr weil diese mit der Arbeit nicht mehr nachkämen.

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2014-06-15 21:00
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