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„Tuff“ geht mit Propst in den Ruhestand

08.02.2013 | 17:14 Uhr
„Tuff“ geht mit Propst in den Ruhestand
Prälat Janousek mit Handpuppe Tuff, Schwelm,Foto: Steffen Gerber

Schwelm. Es klingt ein bisschen wehmütig. „Er gehört doch zu mir“, sagt Heinz-Ditmar Janousek und lächelt versonnen. Versunken in Erinnerungen. Wie das so ist, wenn etwas Schönes zu Ende geht. Wie das so ist, wenn man Abschied nimmt. Und Abschiede stehen Propst Janousek in diesem Jahr, das sein letztes als Propst von St. Marien sein wird, viele bevor. Ein erster Abschied ist am Sonntag ab 11 Uhr. Da kommt er zum letzten Mal in die Marienkirche mit Tuff, seinem Tuff, dem flauschigen Plüschhund, der sprechen kann. Wobei es nicht so wirklich traurig zugehen wird. Eher lustig, sehr lustig. Es ist schließlich Karneval. Da wird sogar in der Kirche gelacht.

Und wie. Voll wird es sein, wie sonst nur zu hohen Feiertagen. Und wie an diesen sind viele Menschen besonders gekleidet. Doch nicht im feinen Festtags-Zwirn laufen sie auf, sondern viele Kinder sind verkleidet als Piraten, Prinzessinnen, Cowboys und Indianer. Clowns mischen sich unter die Gottesdienst-Besucher ebenso wie Polizisten und Astronauten.

Sehen wollen sie Tuff. Der hält, geführt von des Pastors Hand, ein Zwiegespräch mit dem 68-Jährigen über Gott und die Welt. Tabus gibt es keine, sehr gerne hackt Tuff auf seinem Herrchen herum. Immer wieder geht es um dessen Gewicht, ums Zölibat, ums Aussehen des Kaplans, um Fußball – eigentlich alle bekommen ihr Fett weg.

Das Manuskript stammt aus Janouseks Feder. Ist Tuff also sein Anderes Ich, das sich Dinge zu sagen traut, die er sonst nicht aussprechen würde? Das denkt er nicht. „Das Ganze soll keine Karnevalsveranstaltung sein“, betont der Pastor. „Ich möchte immer auch Katechese machen. In diesem Jahr geht es um Karneval, die Fastenzeit und den Sonntagsgottesdienst. Es geht um Gottvertrauen“, stellt er die Themen vor, die er erklären möchte. Das alles verpackt mit reichlich Selbstironie und Witzen, die auch mal über die katholischen Stränge schlagen. Dabei findet er es nicht schwierig, Humor in die Kirche zu tragen – und dabei die Freude am Glauben zu vermitteln.

Spontan einen Witz parat hat er nicht? „Wir üben das am Samstag“, sagt er. Dann ist Tuffs Stimme angereist. Julius Hartje, ältester Sohn des ehemaligen Küsters, leiht sie ihm und kommt eigens dafür in die alte Heimat. Er übernimmt Tuffs Antworten, zu sehen ist er dabei nicht, so dass der Eindruck entstehen könnte, der Pastor beherrsche das Bauchreden. Was Tuff sicher zu einer vorlauten Bemerkung verleiten würde. Von wegen Bauch und so....

„Er ist wieder ganz schön frech“, verrät Janousek. Genau das wollen sie aber hören. Unruhig wird das erste Bellen des kleinen Freundes erwartet. Laut wird dann gelacht werden im Gotteshaus, Szenenapplaus wird es ebenso geben wie zum Abschluss begeistertes Klatschen. Von Jung und Alt. Was doch eher selten ist in diesem Rahmen und den Altgedienten natürlich freut. Schon zu Kaplan-Zeiten, in Mülheim-Dümpten in den 70er Jahren, ist er mit einem Hund aufgetreten. Damals musste er noch um Erlaubnis fragen, sein Pastor hatte arge Zweifel, so dass er sogar seinen Urlaub verschob, um dem Spektakel beizuwohnen.

Vor 17 Jahren hatte Tuff seinen ersten Auftritt in Schwelm. Wobei Auftritt nicht das richtige Wort ist, denn es soll „keine Büttenrede“ sein. Um Erlaubnis muss Janousek schon lange niemanden mehr fragen. Tatsächlich, Tuff gehört zu ihm. Und geht wohl mit ihm in den Ruhestand. Abschiedsvorstellung also für Tuff. Abschiedsvorstellung für den Pastor. Da laufen manchem nicht nur vor Lachen die Tränen.

Von Christine Lanwehr



Kommentare
10.02.2013
12:19
„Tuff“ geht mit Propst in den Ruhestand
von guita | #1

Wie schön, dass wenigstens "Tuff" von den Problemen der Kirche ablenken kann !
Tabus gibt es keine - ich glaubs nicht !!!

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