Sprachprobleme in Luft aufgelöst
20.06.2007 | 09:14 Uhr 2007-06-20T09:14:22+0200Südkreis. Während bei der ersten Runde der "Sprachstandserhebung" noch bei jedem dritten Kind ein Förderbedarf festgestellt wurde, ist beim zweiten Durchgang so gut wie kein Kind mehr "durchgefallen", stellt die AWO fest. Allerdings sind die Jungen und Mä
"Wahrscheinlich hat die Landesregierung nach der ersten Runde durchgerechnet, dass die Sprachförderung zu teuer wird, und deshalb die Kriterien deutlich abgesenkt", ärgert sich Ulla Wacker, die für die 23 Kindertageseinrichtungen der AWO im Ennepe-Ruhr-Kreis zuständig ist.
Bestärkt wird sie dabei von den Erzieherinnen, die täglich die sprachlichen Schwierigkeiten ihrer Schützlinge mitbekommen. "Irgendwie fühlen wir uns ein wenig veräppelt, und da sind wir uns mit dem verantwortlichen Lehrer der Grundschule einig", stellt zum Beispiel Julia Witzel von der Kindertageseinrichtung Silschede fest.
340 Euro will die Landesregierung pro förderungswürdigem Kind zahlen. "Offensichtlich hat der Finanzminister gemerkt, dass die geplante Gesamtsumme nicht reicht", glaubt Ulla Wacker. "Deshalb durften nicht mehr so viele Kinder durchfallen", lautet ihre Einschätzung der Situation.
Sprachförderung unbedingt nötig
Dabei hatten die Erzieherinnen den Sprachtest trotz der erheblichen Mehrarbeit und trotz der kurzen Vorbereitung zunächst sehr positiv gesehen: "Aufgrund des ersten Tests war es uns möglich, effektive Elterngespräche zu führen", erläutert Julia Witzel. "Das ist jetzt nach dem Absenken der Kriterien vorbei, sogar Kinder mit deutlichen Sprachauffälligkeiten bekommen jetzt keine Förderung mehr."
Lehrer und Erzieherinnen seien sich einig: Sprachförderung sei bei einigen der getesteten Kinder unbedingt notwendig, aber ohne Nachweis im Test nicht finanzierbar. Zudem fühlten sich manche Eltern nun bestätigt, dass ihr Kind doch keine Sprachauffälligkeiten hat. Darunter würden gerade die Kinder besonders leiden, die eine Förderung am dringendsten nötig hätten, befürchtet Ulla Wacker: "Schade, das Verfahren hätte wirklich ein Anstoß für Eltern sein können, es hätte die Basis für eine bessere Förderung darstellen können. Aber es scheitert wieder einmal an dem politischen Willen, für die Bildung unserer Kinder das nötige Geld bereit zu stellen."
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