Schneeglöckchen haben Heizung
02.02.2012 | 15:11 Uhr 2012-02-02T15:11:00+0100Ennepe-Ruhr.Nichts wurde in diesem Winter so sehr benötigt, wie wasserdichte Stiefel. Denn, der bisherige Winterverlauf bis vor einigen Tagen zeigtr sich zwar mild aber feucht. Im nördlichen Ruhrgebiet wurde bereits die Heimkehr von Störchen beobachtet, dies ist für Januar sehr ungewöhnlich, da diese Tiere erst zum Ende des Winters zurückkehren.
Die anhaltenden Regenfälle im Januar sind übrigens auch äußerst wichtig für den Grundwasserspiegel. Dieser hat sich nun, ganz im Gegensatz zum Vorjahr, prächtig aufgefüllt. Im letzten Jahr gab es zwar sehr viel Schnee, dieser ist aber rasch abgetaut und als Oberflächenwasser verloren gegangen. Für 2012 sind wir nun für das gesamte Jahr wassertechnisch gut gerüstet. Dies zeigt uns auch eindrucksvoll der derzeitige Wasserhochstand an Ennepe und Ruhr.
Nicht die vorausgesagte Klimaveränderung
Als Experte wurde ich in den letzten Wochen häufig gefragt, ob wir diesen Winter nun die vorausgesagte Klimaveränderung spüren. Hier muss ich ganz deutlich sagen, dass dies nicht so ist. Von einer Klimaveränderung spricht man bei langfristigen Wetterveränderungen über viele Jahrzehnte. Wetterkapriolen, die über mehrere Wochen in einem Jahr ablaufen, nennen Fachleute Witterung. Das Wort Wetter beschreibt die Geschehnisse in der bodennahen Atmosphäre von einigen Tagen. Wie schnell sich das Wetter ändert, können wir gerade beobachten: Frost und angekündigter Schneefall vertreiben die letzten Erinnerungen an die milde, nassen Tage.
Die ersten Pflanzen, die sich nun bereits schon zaghaft zeigen und winterlichen Temperaturen standhalten, sind die Frühblüher. Hierzu gehören zum Beispiel Schneeglöckchen, Märzenbecher oder Tulpen. Mit Hilfe von unterirdischen Speicherorganen – Knollen, Zwiebeln oder Wurzelstöcken – können sie die trockene und kalte Zeiten überdauern. Nochmals einsetzender Frost, lässt das Wachstum dieser Pflanzen zunächst stocken. Die Pflanzen wachsen weiter, wenn die Temperaturen wieder ansteigen.
Das Schneeglöckchen hingegen hat noch einen erstaunlichen „Zusatzmechanismus“. Es produziert eigene Biowärme, sobald sein Stoffwechsel mit Hilfe der Nährstoffe in der Blumenzwiebel einmal in Gang gesetzt wurde. Somit bringt der Sprössling beim Austreiben den umliegenden Schnee zum Schmelzen und kann sogar durch die weiße Schicht an die Oberfläche gelangen. Alljährlich ein beeindruckender Anblick, der uns zeigt: das Frühjahr naht.
Wussten Sie eigentlich, dass es auch im Winter Schmetterlinge gibt? Der Zitronenfalter überwintert in einer sogenannten Winterstarre. Entweder hängt er sich an einer geschützten Stelle in einen Baum oder er kuschelt sich ins Laub. Damit dies gelingt, produziert der Falter ein körpereigenes Frostschutzmittel. Dies sorgt dafür, dass er sogar Temperaturen bis minus 20 Grad überleben kann, seine Körperflüssigkeit also nicht einfriert. Schon wenige wärmende Sonnenstrahlen erwecken ihn zu neuem Leben.
Daher kann es passieren, dass er gar mitten im Winter plötzlich in der Natur auftaucht. Wenn sie dem Zitronenfalter etwas Gutes tun wollen, dann pflanzen Sie jetzt noch einen „Faulbaum“. Dieser unscheinbare heimische Kleinstrauch ist die Hauptnahrungspflanze für die Raupen des Zitronenfalters. In der Biologischen Station können Sie einen „Faulbaum“ gegen eine kleine Geldspende als Containertopf erwerben.
Waldhauz geht ab Februar auf die Balz
Der aus mindestens jeder zweiten Kriminalserie bestens bekannte Waldkauz geht ab Februar in die Balz. Der durchdringende Ruf, der automatisch an eine unheimliche Filmszene erinnert, kommt vom Waldkauz-Männchen, der so seine Partnerin umwirbt. Auch die Kohl- und Blaumeisen machen sich jetzt auf Partnersuche. Sogar die ersten Spechte können wir in den Wäldern hören, hier grenzen die Männchen mit dem Geklopfe ihre Reviere ab.
Die Biostation im Ennepe-Ruhr-Kreis beschäftigt sich in den Wintermonaten unter anderem mit der Kontrolle der Winterquartiere der Fledermäuse. In Tunneln und alten Bergwerksstollen haben sich die kleinen Säugetiere in kleinen Ecken gut versteckt. Zu milde Winter sorgen bei dieser Tierart für ein zu frühes Erwachen, welches fatale Folgen haben kann. Gibt es noch keine Insekten, so finden die „Frühaufsteher“ nicht genügend Nahrung und können verhungern. Daher gilt bei Fledermäusen: Der Spätaufsteher fängt die Mücke.
Im eigenen Garten ist es nun an der Zeit, Nistkästen aufzuhängen oder zu reinigen. Interessenten finden in der Biologischen Station eine ganze Reihe von Anschauungsnistkästen.
Nun noch einen Ausflugstipp. Im Schutzgebiet des Ennepe-Tals hat am Donnerstag das Traditionslokal „Burgermühle“ erneut eröffnet. Nach einem gemütlichen Spaziergang entlang der Ennepe ist dies ein idealer Ort, sich am Kaminfeuer aufzuwärmen. Regionale Speisen wie die „Ennepetaler Forelle“ stehen auf der Speisekarte.
Ihr Dirk Janzen,
Leiter der Biologischen
Station des Ennepe-
Ruhr-Kreises
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