Scherf: „Alter ist ein Glücksfall”
09.10.2009 | 18:44 Uhr 2009-10-09T18:44:00+0200
„Das Alter ist eine Chance, ein Glücksfall, eine Aufgabe, in der wir lernen müssen, unsere Generationen zu vereinen”, sagt Henning Scherf.
Der ehemalige Bürgermeister der Hansestadt Bremen ist heute selbst 71 Jahre alt und lebt den Traum, den sich die Volkshochschule Ennepe-Ruhr-Süd seit geraumer Zeit als Ziel gesetzt hat: Generationsübergreifende Wohngemeinschaften. Aus diesem Grund haben ihn die VHS und die Schwelmer und Soziale Wohnungsgenossenschaft zu einer Lesung in das Haus Friedrichsbad geladen, in der er darüber referierte, „was im Alter möglich ist”.
Generationen vereinen
Frank Schirrmacher ist 50 Jahre alt, Herausgeber der „FAZ” und Autor des Buches „Das Methusalem-Komplott”. In seinem Buch schreibt der Journalist über die immer älter werdende Gesellschaft und den bevorstehenden „Krieg der Generationen”. Ein Schreckensbild, in dem sich Jung und Alt an zwei Fronten gegenüberstehen. „So muss es nicht sein, das sage ich aus eigener Erfahrung”, so Henning Scherf. Seit mittlerweile 23 Jahren führt er gemeinsam mit seiner Frau und acht Freunden eine „Wohngemeinschaft für Alte”, wie der ehemalige SPD-Politiker seine WG liebevoll bezeichnet. Der 2,04 Meter große Bremer schrieb zu Schirrmachers „Methusalem-Komplott” eine Gegendarstellung. „Grau ist bunt.” Der „etwas zu lang Geratene” machte sich seit seinen Mittvierzigern Gedanken über seinen Lebensabend und wollte den Menschen „einfach mal zeigen, wie das Älterwerden funktioniert”.
„Ich wollte dem Volk immer nah sein. Dabei hat mich die Religion, Hautfarbe, Herkunft oder das Alter nie interessiert”, erzählt Scherf im Vorfeld während einer Pressekonferenz. Die kommunalen Politiker und Journalisten haben sich um ihn geschart. Henning Scherf genießt und klönt, hält dabei stets Blickkontakt mit seinen Gesprächspartnern. „Meine Frau und ich sind in eine WG gezogen, weil es langweilig ist, den Alleinunterhalter zu spielen.” Dennoch ist Henning Scherf an diesem Abend der Alleinunterhalter. Seine Sprache ist einfach, doch an Intellektualität fehlt es ihr nicht. Der „Polit-Riese” versteht es, seine Hörerschaft noch vor dem Vortrag zu begeistern. Jeden der 210 Zuhörer begrüßt Henning Scherf einzeln. Manche werden einfach umarmt, anderen klopft der Bremer nach einem festen Handschlag auf die Schulter und plaudert ein wenig mit ihnen.
„Für die Menschen da sein”, das ist Henning Scherf wichtig. „Darum lebe ich in einer WG. Ich wünsche mir, dass sich auch jemand um mich kümmert”, gesteht der frühere Jurist und erzählt von den ersten Jahren nach seinem Umzug: „Nachdem wir zwei Jahre in unserer Gemeinschaft lebten, erkrankte eine Mitbewohnerin an Krebs.” Die Pflege der Freundin erfolgte zu Hause, denn „keiner von uns möchte in einem Krankenhaus sterben. Lieber im Kreise der Freunde und unserer Familien”. Gleich nach ihrem Tod, erzählt Henning Scherf, erkrankte auch der Sohn der Freundin an Krebs. „Wir machten es wie bei seiner Mutter: Wir pflegten ihn zu Hause, nahmen uns Zeit für ihn und ließen unsere Kinder und Enkelkinder teilhaben. Die Kleinen spielten Fangen um sein Krankenbett und er genoss das Leben um sich herum”, erinnert sich Henning Scherf.
Solche Erfahrungen gehören zum Leben, „sie prägen und belehren uns”. Das möchte der Altbürgermeister Bremens den Menschen mitgeben: „Wir brauchen Familien, Ersatzfamilien, Menschen, die sich gegenseitig ihre Haustürschlüssel anvertrauen und aufeinander Acht geben.” Henning Scherf weiß, dass es nur für wenige Menschen einfach ist, eine solche Lebensgemeinschaft aufzubauen. „Nicht jeder hat gutbürgerliche Mitbewohner, die eben drei Häuser verkaufen und die neue WG altersgerecht umbauen können.” Deshalb sei es wichtig, so Scherf, Ansprechpartner wie die VHS und die „Schwelmer und Soziale” zu haben. „Mit generationsübergreifenden Projekten kann genau das erreicht werden, was noch für viele Menschen unvorstellbar ist: Die Aufgabe zu bewältigen, unsere Generationen zu einem Miteinander zu vereinen.”
10:36
Das Buch von Frank Schirrmacher Das Methusalem-Komplott ist veraltet und nicht mehr altuell. In meinem Buch Diagnose Sauerstoffmangel - Vorbeugen ist leichter als Heilen habe ich schon vor Jahren vorausgesagt und auch erklärt, warum die Lebenserwartung zurückgehen wird. Eine bedeutende US-Universität hat jetzt veröffentlicht, dass im Jahr 2050 die Lebenserwartung der Amerikaner 5 Jahre niedriger ist. In Deutschland wird weiterhin behauptet das sie dramatisch ansteigen wird, und dass die Rentenabsprüche der heutigen Kinder gefärhdet sind weil das Rentensystem zusammenbrechen wird. Ich behaupte dagegen, die Mehrzahl der heutigen Kinder wird das Rentenalter gar nicht mehr erreichen.
Dafür wird aber schon in wenigen Jahren unser Gesundheitssystem zusammenbrechen, und die Gesundheitskrise wird alle anderen Krisen in den Schatten stellen. Präsident Obama hat das übrigens auch schon erkannt, und betrachtet die Bewältigung Gesundheitskrise als die größte Herausforderung in seiner Amtszeit.
Ich behaupte, für die heutigen Kinder ist die Rentenzahlung sicher, doch sehr viele werden die explodierenden Kosten der Krankenversicherung nicht mehr bezahlen können, was sich jeden Tag deutlicher abzeichnet, genau wie in den USA.
Dagegen helfen weder Gesundheitstopf noch Bürgerversicherung oder Zuzahlungen, dagegen hilft allein wirksame Gesundheitsvorsorge, weil auch moderne Medizin diese Entwicklung nicht aufhalten kann. Aber wer immer auch die Nachfolge von Ulla Schmidt antreten wird, er oder sie werden weiterhin nur über Geld reden, und die preiswerte Vorsorge vollkommen außer Acht lassen.