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Neue "Schuhe" für Kaltblüter Moritz

30.05.2008 | 22:16 Uhr

Ennepetal. Wer ein Hufeisen findet, so sagt der Volksmund, habe Glück. Glück zumindest, dass er eins fand.

Von Angelika Trapp Denn, so Friedrich Burgath, Mitarbeiter der Evangelischen Stiftung Loher Nocken und u.a. für die hauseigenen Kaltblüter der "Ansprechpartner", ein Hufeisen zu finden, sei eher selten. Ein Hufschmied würde die Eisen nach Neubeschlagung nicht einfach in der Gegend liegen lassen. Selbst wenn sie abgelaufen seien, könnten diese wieder aufgearbeitet werden.

Und schon sind wir beim Thema: Hufschmied. Heute ein seltener Beruf.

Die WR hat einen getroffen, der das Handwerk beherrscht. Ulrich Gerusel aus Dülmen ist gelernter Hufschmied, weiß, wie man mit Pferden umgeht, die "neue Schuhe" brauchen.

Über das Interesse an Kaltblütern kamen die beiden Männer, Burgath und Gerusel, zusammen. Alle paar Wochen besucht Ulrich Gerusel die Evangelische Stiftung Loher Nocken und sorgt durch "neue Füße" für einen besseren Gang der Vierbeiner. Denn das Hufeisen bedeute Hufschutz für die Pferde, eben so, wie wir Menschen Schuhe tragen, um unsere Füße zu schützen.

Auch bei orthopädischen Huferkrankungen kann Ulrich Gerusel helfen.

Dafür gebe des spezielle Beschläge, die individuell an den Pferdehuf angepasst werden. Verschiedene Materialien kommen zum Einsatz wie Kunststoff, Aluminium, Silicon oder Leder.

Durchschnittlich "schaffe" Ulrich Gerusel 7 Pferde pro Tag. Beim Besuch der WR war der 10 Monate alte Kaltblüter Moritz an der Reihe, der fürchterlich aufgeregt war. Friedrich Burgath sprach ihm gut zu, während Ulrich Gerusel ans Werk ging.

Bei Moritz wurde allerdings nur das Horn unter dem Huf gekürzt. Bei älteren Pferden, die Eisen am Huf tragen, werde das gesamte Hufeisen ausgeschnitten.

Nach Abnehmen des alten Eisens wird mit Hufmesser, Zange oder Hufraspel korrigiert. Dann folge die "Schuh-Anprobe" neuer Ausführungen.

Dafür werde das heiße, nicht mehr glühende Eisen an den Huf gehalten, um einen Abdruck zu gewinnen. Das Aufbrennen tue übrigens dem Pferd nicht weh, so Gerusel, da im Hufhorn keine Nerven liegen.

Neue "Schuhe" - neues Glück, das eben nicht immer nur auf dem Rücken der Pferde wohnen muss. Das Pferd könne nach dem Beschlagen wieder mühelos über Asphalt, Schotter und Beton laufen, habe es doch nun "gesunde Pferdebeine".

Zwei bis drei Stunden dauere die Prozedur, also fast noch länger als ein Schuhkauf bei Frauen.

Alle 6 bis 8 Wochen müsse ein Pferdehuf beschlagen werden. Für Sport- und Gangpferde hält Ulrich Gerusel Spezialbeschläge bereit. Entspannend sei es übrigens auch für einen Hufschmied, wenn das Pferd ohne Angst Arbeiten am Huf ruhig über sich ergehen lasse.

Der anerkannte Hufschmied habe in 5 1/2 Jahren das Handwerk erlernt. Über seine Eltern, die bei Freudenstadt im Schwarzwald zeitweise urig im Tipi leben und schon immer Pferde besaßen, bekam Gerusel schon in jungen Jahren Freude an jeglicher Arbeit mit den imposanten Vierbeinern.

Ulrich Gerusel betreibt mit seiner Ehefrau einen Pferdehof in Dülmen. Der 37-Jährige hat neben Pferden jede Menge "kleinere" Tiere wie Hunde, Schweine, Frettchen und Kaninchen.

Von seinen Hühnern hat er sich zwangsweise trennen müssen - der Fuchs fand diese zum Anbeißen schön.

Ulrich Gerusel "lotse" seine Eltern übrigens zum Tipi-Bau aus dem Schwarzwald zur Evangelischen Stiftung Loher Nocken. Diese reisten jedoch mit technischer Pferdestärke an.

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