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Schwelm

Mit Kultur und Curry für Respekt und Toleranz

07.07.2008 | 18:09 Uhr

Schwelm. Eine indische Oase mitten in Schwelm. Eine Quelle der Kreativität und des geistigen Austauschs. Die gebürtige Inderin Saraswati Albano-Müller öffnet ihre Villa für Fremde, Bekannte und vor allem: Neugierige. ...

Ein Sari steht jeder Frau. Saraswati Albano-Müller (links) lacht gern und ist ein lebensbejahender Mensch. (WR-Bild: Jana Kappe)

... Ihr Haus ist ein Hort zwischenmenschlicher Toleranz. Von Jana Kappe Die 74-Jährige hat ein bestimmtes Anliegen: Sie bemüht sich um ein besseres Verständnis zwischen den verschiedenen Kulturkreisen und Religionen und lebt nach der Maxime: "Toleranz ist nicht genug." Ihr geht es um Respekt und Zuneigung unter den Menschen. "Vor dem Fremdsein soll man nicht ängstlich sein." Sie will Denkanstöße für ein offeneres und liebevolleres Miteinander aller Menschen geben.

Ihr Haus in der Hauptstraße steckt voller Anregungen, vereint Symbole von den großen Weltreligionen und viele Details erinnern an Saraswati Albano-Müllers Heimat.

Im Eingangsbereich zum Beispiel hängen Bilder und Schriften von Mahatma Gandhi. Zu dem indischen Friedens- und Freiheitskämpfer hat Saraswati Albano-Müller sogar eine persönliche Beziehung. "Mein Vater war einer seiner Schüler und ich habe ihm als Kind oft Tee gebracht." Überall sind Botschaften zu entdecken, sogar auf der Toilette. Auf einer Karte zwischen Spiegel und Waschbecken steht: "Zweifle nicht an der Sonne, nur weil über deinem Haus Wolken hängen." Ein Poster im Vortragszimmer enthält die "goldenen Regeln der Weltreligionen". Als Christine Bräker das liest, ruft sie aus: "Ah, damit bin ich aufgewachsen: Was Du nicht willst, das man Dir tu', das füg' auch keinem andern zu. Ich hör' es meine Mutter noch sagen."

Die Grundschullehrerin aus Witten ist mit dem ganzen Kollegium gekommen. Das Privathaus am Rande der Schwelmer Altstadt ist eigentlich ein ungewöhnliches Ziel für einen Lehrerausflug. Die meisten der 15 Lehrerinnen und Lehrer wissen nicht, was sie erwartet. Die Skepsis steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Aber nicht lange: "Lächeln Sie. Ich kann sonst nicht erzählen. Sie müssen lächeln, sonst verliere ich meine Kraft", sagt die Gastgeberin. Und dann erzählt sie. Über Indiens Kultur, Rituale, Buddhisten, Hinduisten, Christen, das Kastensystem und das Menschenbild.

"Ein Sari steht jeder Frau"

Saraswati Albano-Müller beschreibt nicht nur, sie lässt ihre Besucher Teil haben. Die Inderin hat Bohnen in roter Soße, Reis, Brot, selbst gemachten indischen Joghurt, Salat, gebackenes und gedünstetes Gemüse, Tofu und Curry vorbereitet. "Wir essen viele Hülsenfrüchte und etwas scharf, das ist gut wegen der Hitze." Zum Dessert gibt es süß eingelegte Pflaumen.

Nach dem Essen testen die Grundschullehrer indische Kopfbedeckungen. "Ohne Turban kannst Du niemals aus dem Haus gehen", sagt die Expertin zu den Männern, "das gibt einen Sonnenstich."

Für die Frauen liegen Saris in allen Farben des Regenbogens bereit. Das sechs Meter lange Baumwoll- oder Seidentuch ist das traditionelle Kleidungsstück der Inderinnen. "Ein Sari steht jeder Frau. Dieser hier ist mein schönster", sagt Albano-Müller und zeigt ein mit Gold verziertes, rotes Tuch aus feiner Seide. "Es ist ein Sari für die Hochzeit."

Ihre eigene Hochzeit hat die gebürtige Inderin nach Deutschland verschlagen. Als 19-jährige Studentin ging sie nach England, wo sie im Studium ihren zukünftigen Ehemann, den Schwelmer Juristen Dr. Armin Albano-Müller, kennen lernte. Von Anfang an hat sie in Deutschland den Menschen ihre fremde, indische Kultur näher gebracht und wollte ihrerseits ihr Fremdes verstehen. Fremd sind Marlies Mühling die Ansichten Albano-Müllers nicht. "Ich habe viele eigene Einstellungen wieder gefunden in ihren Erzählungen über Glück, das Leben und Verständigung", sagt die Grundschullehrerin.

Ihre Kollegin, Irmgard Flügel, hat als 21-jährige drei Monate lang in den "Mutter Theresa Sterbehäusern" in Bombay und Kalkutta gearbeitet. "Das war die Zeit, die sich am besten in mein Gedächtnis eingebrannt hat", erzählt sie. "Für heute hatte ich einen sachlichen Vortrag über Indien erwartet. Dass es so persönlich, freundlich und philosophisch zugeht, damit habe ich nicht gerechnet." "Die ganze Atmosphäre hier, Frau Albano-Müller selbst, ihre Art auf die Menschen zuzugehen, die Art, wie sie erzählt", das ist es, was Daniela Meister begeistert hat an diesem Nachmittag. Das "philosophische Gespräch" in großer Runde habe für mehr Nähe im Kollegium gesorgt. "Wir sind uns unserer Rolle wieder bewusster geworden."

"Der direkte Bezug zu ihrem Beruf ist mir wichtig", sagt die Gastgeberin. Sie passt das Programm immer der jeweiligen Besuchergruppe an. "Es kommen alle. Mit den Kleinsten singe ich Lieder. Wir spielen und sie lernen dabei viel. Mit Älteren rede ich über Geschichte und Religion, über Kultur und Philosophie. Jugendlichen erzähle ich von Liebe in Indien und vom Heiraten. Manchmal kochen alle zusammen. Jeder findet es toll." Sie legt ein Engagement an den Tag, welches schon mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt wurde. Eines darf bei Saraswati Albano-Müller niemals fehlen: ihre Botschaft für ein friedliches Miteinander aller Menschen. "Es ist immer so spannend, das Fremde zu entdecken. Auf einander zugehen und sich für einander interessieren. Das ist doch gar nicht schwer." Das ist ihr Wunsch, den sie lebt.

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