Mit 13 km/h durch den Blitzertag
10.02.2012 | 19:11 Uhr 2012-02-10T19:11:00+0100
Ennepe-Ruhr. Deutlich umsichtiger waren die Autofahrer am „Blitzertag“ im Ennepe-Ruhr-Kreis unterwegs
Keiner der Temposünder, die gestern im Ennepe-Ruhr-Kreis erwischt wurden, redete sich damit heraus, er hätte es nicht gewusst. Alle hatten von dem „Blitzertag“ einmal rund um die Uhr gehört. Und doch gab Ausreden dafür, stärker auf das Gaspedal zu drücken, als die Polizei erlaubt.
„Ein Autofahrer gab an, die Sonne hätte ihn geblendet, eine Frau musste schnell mal zum Arzt“, erzählen Bodo Baumgarten und Harry Hirsch von der Wache in Ennepetal, die gestern ab 6 Uhr mit ihrer Laserpistole unterwegs waren. Eine Mutter wollte schnell zur Schule, weil ihre Tochter das Zeugnis bekommen hatte. „Die muss nun noch etwas länger auf sie warten“, haben die Beamten ihr gesagt. Ein Autofahrer war mit 57 km/h in einer Tempo-30-Zone unterwegs, ein anderer ging mit 13 km/h auf Nummer sicher.
Der Dienst am „Blitzertag“ begann für Baumgarten und Hirsch an der Brunnenstraße in Schwelm. Fast zwei Stunden kontrollierten die Polizisten die Geschwindigkeit. Dann war es zwar nicht ihnen, aber ihrer Laserpistole zu kalt geworden. „Die Innentemperatur des Geräts sang auf minus acht Grad“, sagen die beiden. Die Pistole musste sich auf der Heizung aufwärmen. Bis dahin waren zwei Temposünder erwischt worden.
Die Zwangspause wurde für einen Ortswechsel genutzt. In Breckerfeld gab es mehr Arbeit. Acht „Tiefflieger“ in etwas mehr als einer Stunde, obwohl der VW-Bulli der Polizei deutlich sichtbar am Straßenrand aufgestellt war. Nicht nur Temposünder wurden zur Kasse gebeten: „Es war auch eine Panzerfahrerin dabei, eine Frau die nur eine Schießscharte auf ihrer vereisten Windschutzscheibe freigemacht hatte.“ Sie redete sich damit heraus, keinen Eiskratzer zu besitzen. Von den Polizisten bekam sie dafür ein „Knöllchen“ über zehn Euro – und einen Eiskratzer als Geschenk.
Weiter ging es nach Ennepetal. Bei der Kontrolle an der Wilhelmshöhe glaubten neun eilige Autofahrer, auch am „Blitzertag“ könnte ihnen nichts passieren. Sozusagen bei den Abschlussmessungen der ersten Schicht in Schwelm war kein einziger Autofahrer zu schnell unterwegs.
Nicht nur die Ennepetaler Beamten, sondern auch ihr Einsatzleiter Ralf Schmidt sind mit den Ergebnissen des „Blitzertags“ zufrieden. „Von allen Einsatzkräften wird berichtet, dass die Autofahrer deutlich umsichtiger auf der Straße unterwegs sind. Bis 18 Uhr waren 3372 Fahrzeuge an 63 Kontrollpunkten im Kreis – mit Ausnahme von Witten – kontrolliert worden. 107 Verwarnungen und 18 Ordnungswidrigkeiten sind die erste Bilanz davon. Insgesamt 60 Beamte waren im Einsatz.
Einsatzleiter Ralf Schmidt hofft, dass die Einsicht am „Blitzertag“ noch länger andauern wird. Nicht nur die Geschwindigkeitskontrollen selbst, auch die Diskussion darüber hätte geholfen, die Menschen zum Nachdenken zu bringen.
20:50
Mit 13 km/h - na super. Ein voller Erfolg. Da schliesse ich mich dem frommen Wunsch des Einsatzleiters an! Am "Blitzertag" wird die Einsicht andauern, keine Frage. Morgen ist der ganze Aktionismus Schnee von gestern - genau so wie die Einsicht.