Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Interview mit Landrat

Kreis setzt auf Kooperation

10.01.2012 | 14:30 Uhr
Kreis setzt auf Kooperation

Ennepe-Ruhr.  Landrat Arnin Brux über die Zukunft des Öffentlichen Nahverkehrs, neue Gewerbegebiete, Veränderungen in der Verwaltung Herausforderungen in der Schulpolitik und neue Ideen vor der Haustür.

Wie wird das neue Jahr vor unserer Haustür? Mit Arnim Brux, Landrat des EN-Kreises, sprach Klaus Bröking über die Zukunft des Öffentlichen Nahverkehrs, neue Gewerbegebiete, Veränderungen in der Verwaltung, Herausforderungen in der Schulpolitik und neue Ideen vor der Haustür..

Herr Brux, wenn wir jetzt über das neue Jahr sprechen, reden wir dann nur über Geld und leere Kassen?

Brux: Nein, ich bin darauf nur mit aller Deutlichkeit in meiner Haushaltsrede eingegangen, um klar zu machen, dass sich die kommunale Finanzlage dramatisch entwickelt hat. Ich verstehe mich auch als Anwalt der Städte, die mit der Kreisumlage das Geld zur Verfügung stellen, damit wir unsere Aufgaben finanzieren können. Eine andere Art der Finanzierung wäre Ihnen lieber?

Der Kreis müsste eigene Steuerquellen haben sowie einen den Aufgaben angemessenen Anteil an den Mitteln, die das Land verteilt. Das wäre offener und ehrlicher, auch den Bürgern gegenüber.

Ist die Politik bei der von Ihnen beschriebenen Kassenlage eigentlich noch handlungsfähig?

Sicher, aber wir müssen Allianzen bilden.


Was meinen Sie damit?

Nehmen wir einmal die Energiewende. Wir haben einen Handlungsauftrag durch den Kreistag. Zur Umsetzung haben wir die AVU in Gevelsberg und die Wittener Stadtwerke, also zwei auf dem Markt konkurrierende Unternehmen, an einen gemeinsamen Tisch bekommen. Bei unserer Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft werden wir bald einen kompetenten Fachmann als Ansprechpartner haben, der sich ausschließlich um dieses Thema kümmert.

Können solche Allianzen eigentlich erfolgreich sein? Sie sind erfolgreich. Etwa bei der Hilfe zur Pflege. Städte, Kreis und Wohlfahrtsverbände haben sich als gemeinsames Ziel gesetzt, dass die älteren Bürger so lange wie möglich in ihrer Umgebung bleiben können und nicht in ein Heim müssen. Wir ziehen an einem Strang. Heute sind wir bei dem Prinzip ambulante vor stationärer Pflege führend in NRW.

Zusammenarbeit, und zwar zwischen den Städten, wird es wohl auch zwangsweise bei zurückgehenden Schülerzahlen in der Bildungspolitik geben müssen. Wir haben ein Gutachten zur Schulentwicklungsplanung in Auftrag gegeben, das sich genau mit dieser Frage beschäftigt. Auf dieser Grundlage werden wir mit den Städten tragfähige Konzepte für die Zukunft entwickeln.
Könnte eine dieser Lösungen sein, dass einzelne Schulen in Zukunft von zwei oder mehr Städten gemeinsam getragen werden?

Ich will dem Gutachten und den darauf aufbauen Diskussionen nicht vorgreifen. Aber möglich ist ein solches Modell. Gemeinsamkeit ist auch bei der Suche nach Gewerbegebieten im Kreis gefragt.

Der Ennepe-Ruhr-Kreis muss mit dem Widerspruch leben, dass er unter anderem durch seine zahlreichen Weltmarktführer stark industriell geprägt ist, gleichzeitig auf Grund seiner hügeligen Landschaft aber problematisch für die Ansiedlung von Unternehmen ist. Damit stehen wir vor einer Herkulesaufgabe, wenn wir heimischen Firmen, die expandieren wollen, halten möchten. Und das müssen wir, weil sie unsere Zukunft sichern. Deshalb haben wir als Kreis auch in diesem Punkt die Zusammenarbeit der einzelnen Städte angestoßen und den Regionalverband Ruhr mit ins Boot genommen. Bald wissen wir, , wo die geeignetesten Gebiete liegen.


In welche Richtung geht es mit dem Öffentlichen Nahverkehr? Da soll der Zuschuss um 1,5 Millionen Euro in diesem Jahr steigen.

Wir zahlen zwölf Millionen Euro im Jahr dafür, dass Busse und Bahnen im Kreis zuverlässig unterwegs sind. 6,1 Millionen Euro davon erhält die Verkehrsgesellschaft VER. Trotzdem bleibt ein strukturelles Minus von 2,8 Millionen Euro – Tendenz steigend. Daher wurde in den letzten Jahren von der Substanz gelebt. Wenn wir nicht gegensteuern, dann wäre das Eigenkapital der VER 2013 aufgebraucht.


Es wird die Debatte wieder aufkommen, den Nahverkehr zu privatisieren.

Das halte ich für völligen Unsinn. Auch ein Privatunternehmen würde von uns Geld verlangen, um die Strecken zu erhalten.



Wird es bald keine Förderschulen mehr geben?

Ich gehe davon aus, dass es auch weiterhin Förderschulen gibt. Es muss darum gehen, jedem Kind bestmögliche Entwicklungschancen zu geben. Natürlich entscheidet letztlich der Wille der ­Eltern.


Gibt es neue Ideen, die 2012 verwirklicht werden?

Wo soll ich anfangen? Bei der Biogasanlage, die in Witten eröffnet wird und die unseren Biomüll als Energie in unserer Häuser zurückbringt? Oder der Kulturbörse, die zum ersten Mal in der Hattinger Henrichshütte stattfindet und heimische Künstler und Interessenten zusammenbringt? Oder unseren zahlreichen Aktivitäten in Tourismus und Wirtschaftsförderung, Demografie und Energiewende, Übergang Schule und Beruf und Sicherheit der Bürger?

Facebook
 
Kommentare
11.01.2012
14:29
Kreis setzt auf Kooperation
von UnserGisela | #3

Kulturbörse? Sicher ein nettes Beispiel für die Zusammenarbeit.

Was mich interessiert: Wie viele Kommunen gibt es eigentlich im Kreis (mit wie vielen Planstellen)? Wie viele kommunale Sparkassen gibt es (mit wie vielen Planstellen)? Wie viele outgesourcte Beteiligungsgesellschaften gibt es (mit wie vielen Planstellen)? Diese Liste kann beliebig verlängert werden.

Klar, irgendwo muss irgendwie von irgendwem gespart werden. Also irgendwann und ausserhalb der eigenen Gemeinde, ist schon klar. Man will ja schliesslich das eigene Pöstchen und das vom Schwiegersohn nicht direkt gefährden. Nein, ich meine nicht den Landrat. Ich meine jeden, der in diesem Ballungsraum das Sagen hat. Eigentlich gehören wir doch alle zusammen, oder? Zumindest so lange, wie die eigenen Pfründe nicht gefährdet sind.

11.01.2012
07:14
Kreis setzt auf Kooperation
von ro-fisch | #2

Zusammenarbeit zwischen den Städten, ein richtiger Ansatz, es stellt sich nur die Frage, ob die umliegenden Stadtfürtinnen und Stadtfürsten endlich mal von ihrer Kirchtumpolitik abrücken. Regionale Bündnisse, Schaffung regionaler Einrichtungen, etc. könnten langfristig nicht nur die kooperierenden Städte finanziell entlasten (Personalgestellung, optimale Ausschöpfung von Fördergeldern), sondern auch "Leuchtturmprojekte" hervorbringen, die die Region zwingend benötigt!

10.01.2012
15:20
Nahverkehr privatisieren?
von leserschwert | #1

Die Debatte könnte wieder aufkommen? Ich wusste noch nicht einmal, dass überhaupt jemand je auf diese bescheuerte Idee gekommen wäre! Wer sollte diesen kaputtgesparten Resthaufen denn auch kaufen wollen? Und wie sollte er damit Gewinn machen? Die VRR-/VER-Tradition fortführen, also immer höhere Preise bei stetig schlechterem Angebot? Und wer soll dann noch damit fahren? Oder zahlen wir die gleichen Zuschüsse, nur eben an einen Privaten, der dann, weil er ja unter Gewinnzwang steht, irgendwas an der Wartung und Sicherheit, an Alter und Ausstattung der Fahrzeuge oder beim Personal drehen muss, oder gleich an allen dreien? Jaaaa, das hat ja schon in anderen Städten so toll geklappt. Also, die Diskussion fangen wir besser gar nicht erst an.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6232159/create

Aktuelle Fotos und Videos
Freibadsaison in Schwelm eröffnet
Bildgalerie
Schwelmebad
Sommerliche Athmosphäre beim Straßenfest in der Schwelmer Kirchstraße
Bildgalerie
Straßenfest Kirchstraße
Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt im Hülsenbecker Tal
Bildgalerie
Christi Himmelfahrt
Viele nutzten die Sonne für Treffen am Vatertag
Bildgalerie
Vatertag im Südkreis
Aus dem Ressort
Klassen-Engel sollen ein Vorbild sein
Schwelm
Melina und Maximilian strahlen. Beide sind in blaue T-Shirts gekleidet, die sie einerseits stolz tragen, andererseits auch für alle Schüler und Lehrer der Katholischen Grundschule Südstraße als Klassenengel erkennbar machen.
Polizeilicher Mähauftrag für Behörde
Schwelm
Der Landesbetrieb Straßen.nrw kommt seiner Aufgabe, der Pflege des Straßenbegleitgrüns längs der auf Schwelmer Stadtgebiet verlaufenden Bundes- und Landesstraßen, nur unzureichend nach. Jetzt hat es die Landesbehörde deshalb sogar mit der Kreispolizeibehörde zu tun bekommen. Auf Anordnung der