Knüstern mit ganz viel Phantasie
18.03.2011 | 18:04 Uhr 2011-03-18T18:04:00+0100
Schwelm.„Er knüstert halt gerne“, sagt Marlies Werth über ihren Mann Klaus. Der meint über sich selbst: „Ich verstehe mich nicht als Künstler, ich kann gar nicht zeichnen. Aber ich habe Phantasie.“ Und die setzte er ein. Als Werth vom Projekt „Demokratische Kunst“ der WR gelesen hatte, da hatte es ihn gepackt. Seine Frau zog er mit. Gemeinsam sind die beiden 71-Jährigen mit mehreren Werken bei der Ausstellung vertreten.
„Das hat mich einfach gereizt“, sagt der gebürtige Schwelmer. Und dann hat er sich ausgebreitet, daheim ebenso wie in seinem kleinen Atelier. Das ist eine gut vier Quadratmeter große einstige Meisterbude mit Blick auf die Produktion. Da, wo einst eine Schreinerei beheimatet war, werden jetzt vom ebenso agilen Wilfried Bock Pulte und mehr in XXXL-Größe hergestellt.
Bei Wilfried Bock hat Werth schon geholfen, auch bei den mittlerweile bekannten Pulten. Bock stellte ihm Platz zur Verfügung. Klaus Werth war seinerzeit auf der Suche nach einer Nebenbeschäftigung. Denn auch als Rentner musste er immer etwas zu tun haben. Neben dem Tischtennis wohlweislich. Denn seinem Sport geht Werth beim TTC Berghausen immer noch regelmäßig nach, spielt auch in der Meisterschaft. „Das ist die einzige Sportart, in der du gegen die 20-Jährigen noch eine Chance hast“, erklärt er seine Vorliebe.
Zelluloid verwendet er nicht in Form von Bällen, wohl aber in Form von Fotografien für seine Arbeiten. Es sind großformatige Bilder, mit allen möglichen Dingen belegt. Werth benutzt Spanplatten, Holz und Presspappe ebenso wie Metall und Glas, bedient sich an der ganzen Werkstoffvielfalt. Er fotografiert dabei nicht nur, sondern sprüht auch, Und seit fünf Jahren malt er auch. Eine Maltherapie, die er in einem Wuppertaler Krankenhaus begonnen hatte, brachte ihm auch diese Form der Gestaltung nahe.
„Er hat Geduld“, zeigt seine Frau einen der Vorzüge ihres Gatten auf. Der war den Umgang mit den anderen Materialien neben der Malfarbe gewohnt, hat er doch bis zum Ende der Firma bei Draeger & Bastian gearbeitet.
Und so machten sich denn Marlies und Klaus Werth noch vor weihnachten gemeinsam an die Arbeit. „Wir haben bestimmt 20 Werke gemacht,“ sagen sie. Sechs davon haben sie eingereicht. Und drei davon waren zuletzt im Dortmunder RWE-Tower, der ersten Station der Ausstellung, zu sehen.
Ein gewisser Stolz ist beiden anzumerken, oder eher eine Befriedigung. Die viele Zeit, die sie investiert haben, hat sich gelohnt. Dabei stellt Klaus Werth klar: „Es war verbunden mit viel Arbeit, aber auch mit viel Freude. Es war überhaupt keine Belastung.“ Und so werden er und Frau Marlies weiter knüstern, mit Phantasie den Lebensabend genießen.
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