Knapper Obel-Sieg reichte für das große Finale
28.04.2008 | 15:20 Uhr 2008-04-28T15:20:00+0200Schwelm. (boe) Das war nicht nur knapp, das war auch noch klasse. In der letzten Staffel des Schwelmer Kleinkunstpreises vor dem großen Finale im Mai sorgten Lüder Wohlenberg und Obel Obering für einen absoluten Höhepunkt.
In der Endabrechnung rangierte schließlich Obel knappe neun Pünktchen vor seinem Konkurrenten. Immerhin hatte das rundherum begeisterte Publikum etwa 1000 Punkte zu vergeben. Da wurden dann auch beide Protagonisten des Abends zur Zugabe auf die Bühne gebeten.
Lüder Wohlenberg auf der richtigen Seite der Nadel
Lüder Wohlenberg, zwei Meter geballte Kabarettpower im Mediziner-Mantel. Der packte dann auch ganz tief ins Notfallköfferchen. Jetzt, auf der richtigen Seite der Nadel, bekennt er: "Ich bin zu ehrlich für den Job!" Andererseits will er mit seinen ehemaligen Berufskollegen auch nicht mehr viel zu tun haben. "Oder lassen sie sich von einem Chirurgen operieren, mit dem sie gemeinsam studiert haben - und sie gesehen haben, wie der in der Mensa mit Messer und Gabel umgegangen ist?"
Nix Halbgott in Weiß. Wohlenberg räumt wortgewandt auf mit diversen sozialstaatlichen Errungenschaften. Er entblößt Wahrheiten eines Systems mit marktwirtschaftlichen Aspekten und sich selbst - um mit dem Stoff des Bühnen-Paravents über den Schultern in die Rolle des alten Asklepios zu schlüpfen. Und der läßt, nachdem Dicke, Raucher und Ritalin-verschreibende überaktive Kollegen und Leben verlängernde Maßnahmen ihr Fett abbekommen haben, seinen brillanten Vortrag in die Definition des derzeitigen Gesundheitswesens münden: "Man kann ein totes Pferd nicht reiten! Und was machen wir, wir legen noch einen Sattel drauf!" Großer Applaus.
Der sollte aufbrausen, nachdem Obel (Andreas) Obering die letzten Töne seiner Maffay-Persiflage ins Mikrofon genäselt hatte. Zuvor hatte Obel schon mächtig Pluspunkte eingeheimst als er die Leiden eines fußballbegeisterten Radiofans 20 Minuten vor der WDR2-Konferenz eine "Ikea Odyssee" beginnen ließ. Die ganze Geschichte endet im Desaster - und nach der Sportschau im Zweiten. Reichlich Seitenhiebe auf das weibliche "ob ?" (ob wir mal eben ein kleines regal in der Küche anbringen können?) - welches dem männlichen "das" entspricht, so Obel. Der läßt uns wissen, dass er während der Fahrt einen privaten Verkehrshinweis bekommen hat ("Pass auf, hinter uns bremst einer!") Groß trumpft Obel mit seiner Maffay-Parodie auf, blödelt sich wortspielerisch um die Erde, um dann wieder eine Punktlandung mit einer Ozzy Osbourne - Parodie zu landen. Sein fußballerischer Exkurs gleich zu Beginn mit seiner Heribert Zimmermann-Reportage von 1954 (Obel spielte die Rolle im "Wunder von Bern") war excellent. Höchste Bühnenpräsenz, eine augezeichnete Gesnagsstimme und ein sicheres Gefühl für "sein Schwelmer Publikum"brachten ihm den Sieg. Ein Top-Programm hatte Jürgen H. Scheugenpflug seinem Publikum kurz vor dem Finale am 18. Mai geboten.
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