Investieren in schwierigen Zeiten
20.11.2009 | 18:01 Uhr 2009-11-20T18:01:00+0100
Es war die erste Veranstaltung dieser Art an einem Abend. Und sie erfuhr mit 70 Teilnehmern den größten Zuspruch seit Bestehen des sogenannten Schwelmer Business Lunch, der nun als Business Dinner bei Hüls stattfand.
Darüber – und auch über die Anwesenheit von Bürgermeister Jochen Stobbe – freute sich insbesondere Tilo Kramer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung Schwelm (GSWS), die zusammen mit der Städtischen Stadtsparkasse diese Reihe verantwortet.
Sicherung und Weiterentwicklung
Unternehmer, Führungskräfte, Freiberufler, Vertreter von Parteien, Verbänden und Behörden lauschten bei Häppchen und Getränken – teilweise gemütlich in Verkaufsmöbeln sitzend – den Ausführungen von Richard Hüls zum Thema „Investieren in schwierigen Zeiten - Sicherung und Weiterentwicklung des Schwelmer Einzelhandels”.
Der Inhaber der Einrichtungshäuser für Wohnung, Büro und Geschäft in der Bahnhofstraße 63 bis 67 ist mit der Stadt seit 1972 verbunden. Da trat er als Mitarbeiter in die Dienste des damaligen Möbelhauses Rogalski, das er ein Jahr später (zunächst als Mieter) übernahm. Er setzte damals wie heute auf Design, Funktion und Qualität.
Mit international bekannten Marken und fachkundiger Beratung „durch ein hervorragendes Team” (Hüls) sollen insbesondere individuelle Kundenwünsche im anspruchsvolleren Einrichtungsbereich erfüllt werden.
Während im Laufe der Zeit viele renommierte Einrichtungshäuser das Feld räumten, hat sich Hüls in Schwelm mit aktuell 40 Arbeitsplätzen behauptet. „Ohne Konzept und ein klares Profil ist kein Erfolg möglich”, analysierte der Unternehmer die Pleiten der Mitwettbewerber. Visionen müsse man haben, die es Schritt für Schritt und dabei stetig umzusetzen gelte.
So habe Hüls nach und nach viele Investitionen (auch in Marketingmaßnahmen) getätigt. Manche – wie die Lagerhaussanierung oder neue Parkplätze – seien nicht direkt erkennbar gewesen; andere dagegen schon – wie zum Beispiel die Sanierung des Nebenhauses oder der erst im Frühjahr dieses Jahres beendete, halbjährige Totalumbau des Erdgeschosses.
Parkplatzsituation Innenstadt schlecht
Die sechsstellige Investition habe aufgrund der allgemeinen Wirtschaftslage Verwunderung hervorgerufen, sei jedoch schon länger geplant und letztlich genau richtig gewesen.
Der Umsatzrückgang sei geringer ausgefallen als erwartet.
„Wollen wir Kundschaft binden, müssen wir ihren Ansprüchen gerecht werden”, so Hüls.
Der erste Eindruck sei ganz entscheidend, aber auch Höflichkeit, gute Umgangsformen und Sachverstand stünden für ihn immer im Vordergrund: „In Schwelm dagegen setzen wir nicht genügend auf Optik, Qualität und Anspruch, sondern zuviel auf Konsum der unteren Ebenen.”
Hinzu käme noch die Unsauberkeit und die leidige Parkplatzsituation in der Innenstadt – alles nicht attraktiv, wo doch 90 Prozent seiner Kundschaft (von der auch Händler in der City profitierten) aus einem Umkreis von 50 Kilometern in dieses „Kleinöd an der Peripherie der Großstädte” kämen.
Daraus könne man wirklich mehr machen und darin waren sich auch alle Redner der anschließenden Diskussion einig.
Bürgermeister Stobbe nutzte dabei die Gunst der Stunde und rief dazu auf, sich beim Initiativkreis Bürgerstiftung „Lebendiges Schwelm” mit Zeit, Ideen und/oder Geld einzubringen (Ansprechpartner Gerd Philipp: Telefonkontakt 02336/470820).
10:30
Kleinöd ist gut. Trifft den Zustand der Stadt ziemlich genau. Leider wird das Öd von Jahr zu Jahr noch öder.