In Springerstiefeln und im Nadelstreifenanzug
07.11.2011 | 21:25 Uhr 2011-11-07T21:25:00+0100
Gevelsberg.„Wir möchten unsere antifaschistische Einstellung zeigen“, machte Bürgermeister Claus Jacobi gestern Abend klar. Eine Woche lang steht Gevelsberg bereits zum vierten Mal im Zeichen von Aktionen gegen Rechts.
Der Titel „Aktionswoche für Zivilcourage und gegen rechte Gewalt“ ist etwas sperrig, aber das Thema ist es halt auch. Es wendet sich vornehmlich an Jugendliche. Beispielsweise mit der gestern Abend eröffneten Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“.
Ganz bewusst hat Veranstalter VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) diesen Begriff gewählt. Beim Begriff Rechtsextremismus werde unterstellt, dass es sich um eine politische Randererscheinung unter vielen handelt. Es solle aber deutlich gemacht werden, dass die aktuelle politische Bewegung sich wenig von ihrem historischen Vorbild unterscheide.
Auch wenn das Titelbild der Ausstellung mit Reichskriegsflagge und Glatzkopf Stereotype der rechten Szene zeigt, so wird in den verschiedenen Tafeln doch auch deutlich gemacht, dass Neofaschisten keinesfalls nur Springerstiefel tragen, sondern auch im Nadelstreifenanzug zu finden sind.
In Schaubildern verdeutlicht der Ausstellung die faschistische Ideologie, zeigt die Struktur der rechten Szene auf, stellt Zusammenhänge dar und gibt Anregungen zu Gegenstrategien.
VVN-Landesgeschäftsführer Jürgen Schuh machte deutlich, warum er die Ausstellung für erforderlich hält: „Rassismus und Neofaschismus in Nadelstreifen haben längst in der Mitte unserer Gesellschaft Platz genommen.“ Die früheren Feindbilder „Juden und Bolschewisten“ seien abgelöst worden durch „Ausländer und Islamisten“. Zum Abschluss seiner emotionalen Rede stellte er klar: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!“
Clarissa Bader, Bevollmächtigte der IG Metall, findet die Ausstellung „günstig platziert“. Diese ist bis einschließlich Sonntag im Filmriss-Kino in der Rosendahler Straße 18 zu sehen. Der Eintritt ist frei. Verbunden werden kann der Besuch – wie berichtet – auch mit einigen Filmen zum Thema, die in dieser Woche im Filmriss gezeigt werden.
Davon, dass nur wenige zur Eröffnung kamen, wolle man sich nicht entmutigen lassen, meinte Bürgermeister Jacobi. Auch Jürgen Schuh hängt die Ziele bewusst tief: „Wenn wir mit dieser Ausstellung auch nur ein wenig dazu beitragen können, dass Rassismus, Ausländerhass und Neofaschismus abgebaut werden, hat sich die Arbeit gelohnt.“
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