Gedenken auf nächste Generation übertragen
15.11.2009 | 18:38 Uhr 2009-11-15T18:38:00+0100
Der Sonntagvormittag stand auch in Schwelm, Ennepetal und Gevelsberg ganz im Zeichen des Volkstrauertags. Mit schlichten Gedenkfeiern erinnerten in allen drei Städten die Bürgermeister, Vereine, Institutionen und die Bürger selbst an die Opfer von Krieg, Staatsfolter, Terror und Gewalt.
Den Anfang machte um 10 Uhr der Vereinsring Linderhausen. Vom einem Vermächtnis, das die „glücklich Nachgeborenen” der Verfolgten und Toten wahrnehmen müssen, sprach Bürgermeister Jochen Stobbe. Es sei verhängnisvoll, „wenn Machthaber auf der ganzen Welt glauben könnten, ihr grausames Handeln sei uns gleichgültig.”
Neuland betrat die Stadt Schwelm bei der nur eineinhalb Stunden später stattfinden offiziellen Gedenkfeier des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge am Ehrenmal in der Drosselstraße. Statt eines Redners, gab es diesmal gleich zwei. In einem Wechselspiel von sehr persönlich gehaltenen Worten teilten sich Bürgermeister Stobbe und die erst 16 Jahre alte Jeannine Hartmann diese Rolle. Die Gäste erlebten eine nachdenkliche, junge Frau, die, wie sie selbst sagte, vergeblich versucht hatte, sich in die Rolle der Opfer von Krieg und Armut hineinzuversetzen. Stellvertretend für ihre Generation stellte sie viele nachdenklich stimmende Fragen, die ohne Antworten bleiben müssen.
„Die Sümpfe des Hasses trocken legen”
In Gevelsberg fanden sich etwa 100 Menschen am Ehrenmal im Stadtwald zum Gedenken an die Opfer von Krieg, Terror und Verfolgung ein. Es gelte, darüber nachzudenken, wie man solche Ereignisse verhindern und die „Sümpfe des Hasses trocken legen” könne, so Bürgermeister Claus Jacobi. Pfarrer Uwe Hasenberg betonte, dass die unmittelbare Trauer nicht von einer Generation auf die nächste zu übertragen sei, das Gedenken aber schon. Beide schlugen auch den Bogen in die Gegenwart und erinnerten daran, dass es jüngst auch wieder tote deutsche Soldaten gegeben habe. Den musikalischen Rahmen gab das Trompetenensemble der Städt. Musikschule unter Leitung von Ernst-Burkhard Schäfer.
In Silschede legten Vertreter des Vereinsrings einen Kranz am Ehrenmal nieder. Pfarrer Uwe Renfordt hielt die Ansprache, der MGV „Diamant” und der Posaunenchor der Ev. Gemeinden Silschede und Sprockhövel wirkten mit.
Am Ehrendenkmal „Auf der Hardt” in Ennepetal hatten sich neben den Feuerwehrangehörigen und Mitgliedern des MGV „Sangeslust” Königsfeld rund 50 Besucher versammelt, um trotz des Regens den Opfern und Toten von Gewalt zu gedenken. Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen erinnerte an die Millionen Todesopfer der beiden Weltkriege, aber auch an die 50 Menschen, die am 4. September dieses Jahres bei einem Luftangriff im Befehlsbereich der Bundeswehr getötet wurden. „Wir müssen lernen, alle Menschen gleichsam zu behandeln, niemanden zu unterdrücken und eine friedliche Welt ohne Hass und ohne Kriege zu schaffen”, predigte Pfarrer Achim Härtel.
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