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Freies Internet für die Innenstadt

20.01.2016 | 07:00 Uhr
Freies Internet für die Innenstadt
Kostenlos Surfen mit dem Smartphone im Internet in der Fußgängerzone: Freies WLAN in der Stadt ist heute noch Zukunftsmusik, morgen vielleicht schon Wirklichkeit.Foto: Bernd Richter

Schwelm. In Gevelsberg gibt es kostenfreien Zugang ins Internet bereits seit gut zwei Jahren. In Ennepetal werden gerade die Weichen für einen Freifunk gestellt. Jetzt hat sich auch die Schwelmer Politik das Thema auf die Fahnen geschrieben.

Die Fraktionen von CDU, Bündnis90/Die Grünen, FDP und SWG/BfS beantragten, den Ausbau und die Stärkung freier WLAN-Netze in der Stadt zu prüfen, sowie darzustellen, welcher personelle und finanzielle Aufwand erforderlich ist. Der Antrag wird morgen im Hauptausschuss vorberaten und soll im Rat der Stadt am 26. Januar entschieden werden. Es bestehen prinzipiell drei Möglichkeiten, dem Bürger kostenfrei WLAN zur Verfügung zu stellen.

Kommerzieller Anbieter

Die Stadt oder die Werbegemeinschaft werden Vertragspartner eines kommerziellen Anbieters. Der stellt nach Vorgabe WLAN kostenlos zur Verfügung, stellt Hardware bereit und übernimmt die Haftung bei Missbrauch. Dabei entstehen Kosten im fünfstelligen Bereich für die Investition sowie Kosten für den Betrieb.

Accesspoints

Wer durch die Fußgängerzone in Schwelm geht, kann schon jetzt an einigen Stellen kostenlos ins Internet gelangen. Dies ist auf unterschiedliche Weise möglich: Geschäftsleute betreiben Zugänge ins Internet (Accesspoints) über kommerzielle Internetprovider wie Telekom, Unity Media oder ähnliche. Wer diesen Zugang nutzt, muss sich beim Provider anmelden. Der Nutzer kann WLAN kostenlos nutzen, allerdings in der Regel mit zeitlichen Einschränkungen.

Freifunk

Per Freifunk gelangt man ohne weitere Zwischenschritte unmittelbar ins Internet. Der Interessent eines Freifunk-Zugangs beschafft zu einmaligen Kosten zwischen 20 und 70 Euro einen Router und stellt einen Teil der Bandbreite seines eigenen DSL-Anschlusses dem Freifunk zur Verfügung. Dies ist im Router einstellbar. Damit wird dieser Zugang ein Teil des Freifunknetzes. Freifunk hat die Vision einer egalitären, freiheitlichen Kommunikationsstruktur als „Bürgerfunk“. Er unterliegt daher keinen Einschränkungen; d.h. es besteht freier Zugang für alle ohne Anmeldeprozedur, Freiheit von inhaltlichen Beschränkungen (Sperren von Seiten), sowie Gebührenfreiheit für den Nutzer.

Die technische Konfiguration des Freifunknetzes ist komplex. Soll mit Freifunk ein bestimmtes Gebiet abgedeckt werden, wie z.B. eine Fußgängerzone, sollten sich dort möglichst viele Anlieger beteiligen, damit mobile Nutzer es ohne Unterbrechung nutzen können.

Geschäfte interessiert

Die Werbegemeinschaft Schwelm steht in Kontakt mit dem Freifunk im Ennepe-Ruhr-Kreis und möchte ihn unter ihren Mitgliedern verbreiten. Viele Mitglieder der Werbegemeinschaft sind interessiert, Freifunk für ihre Kunden anzubieten. Die Freifunk-Gemeinschaft ist bereit, Hilfestellung zu leisten.

Sollen städtische Immobilien eingebunden werden, müssen dort allerdings Internetanschlüsse gelegt werden, da diese bisher über den Standort Hauptstraße 14 zentral versorgt werden. Darüber hinaus kann Freifunk an den Flüchtlingsheimen aufgebaut werden.

Störerhaftung

Folgende Punkte sind beim Betrieb eines Accesspoints zu beachten: Wer öffentliches WLAN anbietet, gilt grundsätzlich als Access-Provider und haftet für rechtswidriges Verhalten seiner Nutzer. Beim Betrieb eines kommerziellen Accesspoints haftet der Provider. Gleiches gilt aber auch für den Betrieb eines Freifunk-Accesspoints. Denn der Verein Freifunk Rheinland ist ebenfalls als Internet Service Provider anerkannt

Gruppensurfen

Von zwei befragten Städten wurde auf folgendes Phänomen hingewiesen: An bestimmten Punkten des Gebiets hätten sich in den Abendstunden Gruppen versammelt, die dort unter anderem gemeinsam surften und die Nachtruhe der Anwohner störten. Z. T. musste ordnungsbehördlich eingegriffen werden.

Fazit

Freifunk bietet für Einzelhandel und Gastronomie einen deutlichen Nutzen, wie auch das Interesse der Werbegemeinschaft zeigt. Er kann dazu beitragen, Attraktivität und Verweildauer in der Innenstadt zu erhöhen. Er kann einfach und ohne großen technischen Aufwand umgesetzt werden. Der einzelne Gewerbetreibende oder Privatmann muss nur geringe finanzielle Mittel einsetzen. Durch das freiwillige bürgerschaftliche Engagement vieler wird der Freifunk als „Bürgerdatennetz“ entwickelt und der Bürgersinn gestärkt.

Bernd Richter

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2016-01-20 07:00
Schwelm