Exkursion zu den Säulen der Erde
21.02.2011 | 16:50 Uhr 2011-02-21T16:50:00+0100
Schwelm/Köln.Zu den Säulen der Erde führte die Exkursion, die das Schwelmer Steinbildhauerehepaar Dagmar und Hans-Walter Kessler mit einer kleinen Gruppe aus der Kreisstadt unternahm. Genau wie bei der vierteiligen SAT-1-Verfilmung nach dem Bestseller von Ken Follett, ging es um das Handwerk des Steinbildhauers. Das Ziel lag aber nicht in England, sondern am Rhein: in Köln.
Der Kölner Dom hat Generationen von Handwerkern über die Jahrhunderte Lohn und Brot beschert – und tut das immer noch, wie die Schwelmer von Anton Meid erfuhren. Über 100 Menschen arbeiten noch täglich am Dom, sorgen mit ihrem Können dafür, dass er auch noch in Zukunft als steinernes Wahrzeichen von weithin sichtbar bleibt. Zehn Millionen Euro fließen jährlich in den Substanzerhalt des Bauwerks – zum Wohl der Allgemeinheit, wie Anton Meid sagt. Denn: „Der Dom gehört sich selbst, nicht der Kirche“, so Anton Meid. Genau gesagt, steht als Eigentümer die „Hohe Domkirche zu Köln“ im Grundbuch, eine juristische Person des öffentlichen Rechts.
Der 72-Jährige war Leiter der Bauhütte, hat fast sein ganzes Berufsleben, 1964 bis 2002, nahezu täglich im Dom verbracht, war am und für den Dom tätig. Den Schwelmern öffnete der Fachmann im Unruhestand nicht nur Türen, die den normalen Besuchern sonst verschlossen bleiben, sondern erzählte er neben den historischen Fakten auch so mancherlei Anekdote auf bester Kölscher Mundart, so dass man kaum glauben konnte, dass die Wiege des einstigen Bauhütten-Leiters in Berlin gestanden hat.
Wer bisher glaubte, dass die steinernen Figuren am Kölner Dom ausschließlich einen kirchlichen Hintergrund haben, der musste sich von Anton Meid eines Besseren belehren lassen. Statt des Abbilds eines Heiligen, findet sich in den steinernen Kunstwerken auch schon einmal das Antlitz der Ehefrau eines Künstlers wieder, oder es haben die eigenen Kinder als Modell herhalten müssen. Doch auch Anton Meid umgibt ein Geheimnis. Der Leiter der Bauhütte i.R. lüftete es für die Schwelmer Reisegruppe: Als Steinfigur mit Handy eingelassen findet sich Anton Meid selbst in der Außenfassade des Doms wieder.
Ein großer Teil der Treppen bliebt der Schwelmer Gruppe übrigens erspart – dank des laut ratternden Zahnstangen-Lastenaufzugs, der bis auf die 45 Meter hoch gelegene Ebene 5 reicht. Interessant auch die Ebene 1, die in 20 Meter Höhe eine Galerie erreicht, die auf 600 Meter Länge einen Rundgang innerhalb des Doms und ungewohnte Ausblicke in das Kirchenschiff ermöglicht.
Wieder am sicheren Boden auf der Dom-Platte angekommen, wartete aus heutiger Sicht noch ein schauriger Anblick auf die Kreisstädter, und zwar nicht im Dom selbst, sondern in der benachbarten „St. Ursula Kirche“: Die „Goldene Kammer“ war geöffnet. Dabei handelt es sich um eine begehbare Reliquienkammer aus dem Jahr 1643, deren hervorstechendes Merkmal die mit menschlichen Gebeinen dekorierten Wände sind. Mit der Gewissheit, dass Köln mehr als den Dom und ein Kölsch zu bieten hat, traten die Schwelmer wieder die Heimreise an.
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