Enthüllung der Historie in „humaner Prosa“
16.03.2011 | 18:34 Uhr 2011-03-16T18:34:00+0100
Beyenburg.Die Freude stand ihm ins Gesicht geschrieben. Freude über die druckfrische Erscheinung, die Wilhelm Erfurt in den Händen hielt: „Beyenburg“, Band II. Bei der Vorstellung im Papiermuseum Erfurt (natürlich in Beyenburg) endete zu Wochenbeginn die rund zehnjährige Arbeit von Gerd Helbeck. Der ehemalige Leiter des Stadtarchivs und des Museums Martfeld in Schwelm erforschte die Geschichte Beyenburgs und des Umlandes vom 16. Jahrhundert bis 1929 – dem Jahr der kommunalen Neuordnung des rheinisch-westfälischen Industriegebietes durch den preußischen Landtag. Hier endet die Arbeit Helbecks.
Im anschaulich gestalteten Einband hat Gerd Helbeck historische Details und Zusammenhänge niedergeschrieben, wie sie in dieser Form noch nicht bekannt waren. Grund genug für Wilhelm Erfurt also, sich aufrichtig zu freuen. Denn das von der Familie Erfurt geführte und weltweit agierende Unternehmen ist genau auf dieser Grenze angesiedelt. Und die Wupper, Grenzfluss zwischen Rheinland und Westfalen, durchzieht das Areal der Papierhersteller.
Einmal mehr möchte Gerd Helbeck seine Arbeit als intensive Beleuchtung eines Details – in diesem Fall eben der Ortschaft Beyenburg – verstanden wissen, die in das große Mosaik einer historischen Großwetterlage eingebettet ist. Wie er dies sozusagen mit europäischem Hintergrund an der Biografie der Anna von Kleve in seinem Buch verdeutlicht. Der Widerstreit der Konfessionen, der Kulturkampf („...der hier besonders hässliche Formen angenommen hatte“, so Helbeck bei der Buchpräsentation) oder die Auflehnung der bergischen Bauern - alles hat Helbeck akribisch zusammengetragen.
Dass er die Ergebnisse seiner Forschung und Recherchen dann in einer „humanen Prosa“ zu Papier gebracht habe, bescheinigte Hans Joachim de Bruyn-Outboter, Freund Helbecks und Vorstand im Bergischen Geschichtsverein. Helbecks Arbeit sei auch für den Nicht-Historiker gut zu lesen und zu verstehen, ohne dabei den Boden des wissenschaftlichen Fundamentes zu verlassen.
Erstaunlich am „Enthüller“ Gerd Helbeck sei, so stellte Anne Peter, Vorsitzende des Vereins für Heimatkunde, zur Buchpräsentation fest, dass er immer wisse, an welcher Stelle und in welchem Archiv er die fehlenden Mosaiksteinchen finde.
„Machen Sie weiter!“ – forderte de Bruyn in Richtung Helbeck. Der hatte zuvor einen eindringlichen Appell an seine Zeitgenossen gerichtet, die Geschichte als den Fundus zu verstehen, mit dem Gegenwart und Zukunft verantwortlich gestaltet werden können. Eine klare Absage bereitete er allen, die sich allein an und in der Gegenwart orientieren: „Wer die Geschichte abschafft, schafft sich am Ende selbst ab!“
Der zweite Teil der Ortsgeschichte Beyenburgs liefert im Spektrum von Religion, Politik und Wirtschaft einen vielgestaltigen Lesestoff, fernab vom staubtrockenen Duktus eines rein wissenschaftlichen Werkes. „Es war spannend zu lesen“, bescheinigte Lothar Feldmann als Sprecher der Wilhelm-Erfurt-Stiftung (sie förderte die Herausgabe des stattlichen Bandes) der Arbeit Helbecks im ersten Band. Auch der zweite Teil, so Feldmann zuversichtlich, werde dazu beitragen, dass die Leserinnen und Leser sich mit ihrer Geschichte identifizierten.
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