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Ein Pfarrer für traurige Momente

08.02.2012 | 19:40 Uhr
Ein Pfarrer für traurige Momente
Gedenkfeier an Unfall mit drei Toten Sprockhövel Haßlinghauser Straße, Straßenkreuz.

Ennepe-Ruhr/Schwelm.Roland Krämer ist nicht der Mann für die guten Nachrichten im Leben. Der evangelische Theologe ist Polizeiseelsorger und muss damit auch die Nachricht überbringen, wenn ein geliebter Mensch bei einem Unfall gestorben ist oder Opfer eines Verbrechens wurde. „Wenn ich mit Kindern spreche, dann ist es besonders schwer“, sagt der Schwelmer.

Sami, David und Lydia sind auf dem Weg von der Disko nach Hause. Auf der Haßlinghauser Straße in Sprockhövel kommt ihr Auto von der Fahrbahn ab. Das Fahrzeug rast gegen einen Baum. Zwei Jugendliche sind sofort tot, einer stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus. Es war der frühe Morgen des 15. Juni 2006. Roland Krämer wird diesen Tag nicht vergessen. Er hat die Familien der Opfer unterstützt. „Heute noch halte ich an der Unfallstelle für einen Augenblick der Stille, für ein Gebet“, sagt der Pfarrer.

Für ihn als Theologen, so Krämer, sei es in einem so schlimmen Augenblick im Leben leichter, die Menschen zu erreichen. „Bei einem Todesfall ist es irgendwie normal, wenn ein Pfarrer vor Ort ist. Einem Psychologen gegenüber kommt eher Skepsis auf“, sagt der 49-Jährige. Die Menschen würden sehr unterschiedlich auf eine Schreckensnachricht reagieren: „Einige sind still, andere brechen in Tränen aus, andere sind verzweifelt.“ Es sei nicht einfach, einen Menschen zu erreichen, der kein Wort sage oder sich in Weinkrämpfen winde. Dass eine Todesnachricht nüchtern aufgenommen wird, habe er allerdings noch nie erlebt.

Polizeiseelsorger Roland Krämer ist Seelsorger der Polizei und Feuerwehr im EN Kreis, betreut Polizisten und Feuerwehrleute Foto: Volker Speckenwirth, 08.02.2012

Wenn es eine traurige Nachricht zu übermitteln gibt, dann beeilen sich der Seelsorger und die Beamten der Polizei damit. „Nichts ist schlimmer, als den Verlust eines Menschen von Bekannten über das Handy zu erfahren“, sagt Krämer. Man müsse schnell auf den Punkt kommen, damit die Hinterbliebenen verstehen könnten, was überhaupt geschehen ist. Drumherum zu reden sei nicht der richtige Weg. Ein bis zwei Stunden dauern meistens die Gespräche, aber: „Jedes ist anders.“ Die Polizei müsse schnell wieder zum Einsatz, er als Geistlicher bringe die Zeit mit, um zum Beispiel dabei zu helfen, noch anderen Freunden und Verwandten die Nachricht zu überbringen.

Ein Polizeiseelsorger bereitet aber auch die Beamten auf ihre Einsätze vor. Krämer, der daneben für die Feuerwehr in Ennepetal und Gevelsberg im Einsatz ist, erklärt in Seminaren, wie Trauerbotschaften übermittelt werden können oder wie Polizisten mit Menschen sprechen müssen, die ihrem Leben ein Ende setzen wollen: „In einer solchen Situation muss schnell gehandelt werden, da kann man nicht warten, bis der Seelsorger kommt.“ Krämer schult zum Beispiel auch die Einsatzkräfte wie sie mit aufgeregten Menschen umgehen müssen. Er zeigt ihnen, wie sie Senioren, die vielleicht an Demenz oder Schwerhörigkeit erkrankt sind, erreichen können: „Das wird in einer Zeit, in der wir immer älter werden, bald noch eine größere Bedeutung haben.“

Roland Krämer ist aber nicht ausschließlich der Geistliche für die traurigen Momente im Leben. „Ich traue auch Polizistinnen und Polizisten und taufe ihre Kinder“, erzählt er. Er organisiert sogar Kochkurse und als eingefleischter Fan von Schalke 04 Fußballturniere. Da stehen zum Beispiel Vertreter der Moscheevereine aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis mit auf dem Platz. Krämer freut sich, wenn er mit dem Imam über die beiden Religionen philosophieren kann, er vielleicht einen Koran geschenkt bekommt und sich mit einer Bibel revanchiert – die hat er sogar in türkischer Sprache bei sich.

Klaus Bröking

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Kommentare
10.02.2012
22:07
Ein Pfarrer für traurige Momente
von lischuh | #1

Ich bin erstaunt und zugleich traurig über diese Artikel. Als meine Schwester im vergangenen Jahr plötzlich mit 40 Jahren verstarb, freute sich ein Polizist offenbar, als er mich endlich am Handy hatte. Klar tut er das, er hatte es ja auch mehrfach versucht, aber muss er sich so offenkundig freuen und reden, als wären wir alte Kumpels? Nach dem Motto "ach, wie schön, dass Sie anrufen und übrigens, Ihre Schwester ist tot". Diesen Moment werde ich nie vergessen. Angemessenes Verhalten hätte nichts an der Situation geändert, aber nichts desto trotz geht man so nicht mit Hinterbliebenen um.

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