Ein Frauchen für 170 arme Hunde
14.02.2012 | 18:35 Uhr 2012-02-14T18:35:00+0100
Gevelsberg.Ihren Urlaub in Spanien hatte sich Michaela Schulte mit ihrer Tochter anders vorgestellt. Sie wollte aus gesundheitlichen Gründen ein paar Wochen Abstand vom Alltag halten, ihre Tochter Christina eine Sprachschule besuchen. Als die Gevelsbergerin kurz vor Weihnachten aus Hondon de las Frailes nach Hause zurückkehrte, war sie das Frauchen für 170 im wahrsten Sinne des Wortes arme Hunde.
„Man liest davon in der Zeitung, sieht es auch im Fernsehen, dass Hunde in Spanien brutal misshandelt werden, aber ich habe es mir nicht so schlimm vorgestellt“, sagt die 48-Jährige. In ihrer zweiten Urlaubswoche geht Michaela Schulte an einem Abfalleimer vorbei. Sie hört ein leises Winseln, findet eine schwarze Plastiktüte. Darin sind zehn neugeborene Welpen. Nur noch vier der kleinen Pointer leben, die anderen sind tot. Die Touristin nimmt die Tiere mit in Ferienhaus. Sie versucht die Hunde mit dem Fläschchen aufzupäppeln, ruft eine Tierärztin. Trotzdem sterben zwei im Laufe des Tages. Die anderen beiden überleben.
„Was sollte ich tun? Die Tiere einfach im Abfalleimer lassen?“, fragt Michaela Schulte. Das konnte sie nicht. Sie nahm auch den Hund mit, den Lucky – ein Dalmatiner-Mix, der sie und ihre Tochter nach Spanien begleitet hat – in der Kanalisation aufspürte. Ausgesetzte Hunde mit verkrüppelten Beinen, Tiere, denen die Ohren und der Schwanz abgeschnitten wurden, kamen hinzu. „Es war einfach erschreckend“, sagt die Gevelsbergerin. Violette, eine englische Seniorin, die in Spanien lebt, und Sylvie, eine Tierärztin aus Luxemburg, die dort praktiziert, halfen, die Tiere zu versorgen. Bald kannten die Frauen die Stellen, an denen die unerwünschten Lebewesen ausgesetzt – oder besser gesagt von Menschen weggeworfen – wurden. „Am Ende meines Urlaubs waren es schon 50 Hunde. Das Futter und die medizinische Versorgung habe ich aus meiner eigenen Tasche bezahlt“, erzählt sie.
Da man in einem Auto nur fünf Hunde transportieren kann, brachte ihr Mann den Transporter eines Freundes nach Spanien. Michaela Schulte und ihre Tochter Christina starteten mit zwei Fahrzeugen Richtung Deutschland. „Eigentlich darf man junge Welpen ohne ihre Eltern nicht ausführen. Aber meine Tiere haben keine Eltern, sie kommen aus der Mülltonne“, sagt Schulte bitter.
28 Stunden waren die Frauen von ihrem Feriendomizil, 55 Kilometer von Alicante entfernt, bis nach Gevelsberg fast pausenlos unterwegs, um die Tiere nicht übermäßig zu belasten. Drei Hunde haben die Schultens selbst behalten, sieben konnten inzwischen vermittelt werden: „Ich habe dafür nur 80 Euro genommen, das Geld für den Chip und die Impfungen.“
Inzwischen kamen bei den beiden Mitstreiterinnen in Spanien weitere Hunde hinzu. „Inzwischen sind es 170 Tiere, die dort warten“, sagt Schulte. Zu viele für die Frau, um im Alleingang eine Lösung zu finden. Deshalb sucht die 48-Jährige Hilfe: „Wir wollen keine großen Geldspenden. Wir suchen Menschen, die einen Hund aufnehmen oder mit uns nach Spanien kommen, um die Tiere dort abzuholen.“ Natürlich benötigt die Gevelsbergerin auch dringend Futter oder Medikamente und Impfstoff für die Vierbeiner.
Auch wenn sich Michaela Schulte ihren Urlaub in Spanien anders vorgestellt hat, so hat ihr der Einsatz für die Hunde doch viel gebracht: „Mir ging es jeden Tag besser. Ich habe einen neuen Sinn in meinem Leben gesehen.“
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