Haferkasten am Haus...
Auch Hab und Gut waren vor Feuer sicher
05.01.2010 | 14:12 Uhr 2010-01-05T14:12:00+0100In unmittelbarer Nähe des Hauses Martfeld steht ein richtiges Juwel, ein volkskundliches Beispiel für die traditionelle Bauweise frühzeitlicher bäuerlicher Kornkästen: Der Haferkasten des Hofes Mennenöh.
In Schwelm war er seit jeher immer als Haferkasten bekannt. Doch unter Experten ist der Begriff umstritten. „Dabei ist der Begriff Haferkasten eigentlich falsch”, erklärte Cornelia Hackler, Leiterin des Museumsarchivs. „Denn Haferkästen sind eher mit großen Futterkrippen vergleichbar.” Die Leiterin des Archivs hatte am im Rahmen der Quartalsführung zu einer Informationsveranstaltung über den Haferkasten in das Museum geladen, bei der sie den heimatkundlich Interessierten allerlei wissenswertes über das alte Gebäude erzählte.
Anlass war die erst wenige Wochen zurückliegende Sanierung des alten Kornspeichers, denn der Orkan Kyrill, der im Januar 2007 über das Land fegte, hatte das Gebäude erheblich beschädigt. „Die ersten Sanierungsarbeiten deckten schließlich das volle Ausmaß der Schäden auf, die Schädlinge, Witterungseinflüsse und unsachgemäße Sanierungsarbeiten am Gebäude hinterlassen haben”, sagte Cornelia Hackler. Der Haferkasten ist das älteste erhaltene Holzgebäude in Schwelm. Es wurde 1583 errichtet und gehörte zum ehemaligen Hof Mennenöh an der Oehde am westlichen Stadtrand. Hier stand er bis 1929 und wurde dann 1965 am Haus Martfeld, nachdem er vorher in zerlegtem Zustand zwischengelagert und an verschiedenen Stellen aufgestellt wurde, wieder errichtet.
„Während der Lagerphasen und den auf- und abbauen des Gebäudes muss sich allerdings ein Fehler ergeben haben”, erklärte die Museumschefin, „denn der Kornkasten ist etwa einen halben Meter niedriger, als er es ursprünglich einmal war.” Charakteristisch ist die Bauweise des Gebäudes: „Der Kornkasten steht heute auf einem vierseitigen Holzschwellenrahmen, der zwecks guter Belüftung sowie zur Abwehr von Schädlingen und Bodenfeuchtigkeit auf Steinen liegt”, erklärte Hackler. „Er ist in der für diese Art von Holzbauten typische Bohlenbauweise in Kombination mit traditioneller Stabtechnik gezimmert.” Als Material sei das harte Holz einer nahezu 200-jährigen Eiche verwendet worden, so die Archivleiterin. „Die gesamte Konstruktion war einst ausschließlich genutet, gezapft und gedübelt, also in der traditionellen Holztechnik gezimmert”, konnte Cornelia Hackler berichten. „Und wie bei allen zweistöckigen Kornkästen, führte früher eine hölzerne Außentreppe mit balkonartigem Treppenabsatz zu einer giebelseitig eingelassenen Bohlentür im Dachgeschoss.” Diese Bauweise sei von vielen Kulturen in der ganzen Welt eingesetzt worden. „Die Kornspeicher standen meist abseits vom Hof, um nicht nur das Getreide, sondern auch Hab und Gut von häufig ausbrechenden Feuern zu schützen”, erklärte Hackler. „Ab und an dienten diese Speicher sogar zum Schutz und als Unterkunft für die Bewohner des Hofes.” Von einer Besichtigung des Haferkastens sahen die Teilnehmer der Quartalsführung allerdings ab. Zum einen wollte Cornelia Hackler nicht, dass bei dem kalten Wetter unnötig Temperaturschwankungen im Gebäude auftreten und Feuchtigkeit eindringt, zum andern umschloss eine Zentimeter hohe Schneedecke das Gebäude.
Mehrere zehntausend Euro hat die Erfurt-Stiftung für die Restauration des Haferkastens bereitgestellt. Im März soll das Werk auch offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
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