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Schwelm

89-Jähriger um wertvollen Schmuck gebracht

24.01.2015 | 00:11 Uhr

Ennepetal. Langsam aber sicher werde es Zeit, seinen Hausrat zu verringern, beschloss ein 89-jähriger Ennepetaler im Frühjahr vergangenen Jahres. Da kam dem Witwer die Anzeige in einem Werbeblättchen am 22. Februar gerade recht. Dort hieß es: „Achtung, Achtung! Kaufe Schmuck, Pelze, Teppiche und alles aus Omis Zeiten. Absolut seriöser Ankauf! Firma Strauss.“ Es folgte eine Handy-Nummer, die der Rentner schließlich anrief und einen Besichtigungstermin seiner Schätze für den Vormittag des 24. Februar gegen 11 Uhr ausmachte. Diese Entscheidung kostete ihn am Ende den unwiederbringlichen Verlust des gesamten Familienschmucks im Werte von ungefähr 150 000 Euro. Er war Kriminellen aufgesessen.

Ein 23-jähriger Täter aus Dortmund, der erst nach umfangreichen Ermittlungen der Polizei dingfest gemacht werden konnte, musste sich nun wegen gemeinschaftlichen räuberischen Diebstahls verantworten. Erst wollte er keine Aussage machen, nach Beratung mit seinem Anwalt teilte Verteidiger Axel von Irmer dann allerdings mit, es werde eine Einlassung geben, die weitestgehend ein Geständnis darstelle. Die rechtliche Einordnung stelle allerdings ein Problem dar.

Doch zunächst zur Tat zurück: Nachdem der 89-Jährige dem jungen Angeklagten zum vereinbarten Termin Einlass in sein Haus am Büttenberg gewährt hatte, präsentierte der Witwer ihm den gesamten Schmuck, den er verkaufen wollte und breitete diesen auf einem Tisch aus. Der 23-Jährige taxierte für sich den Wert, sagte, so viel Geld habe er nicht dabei, er müsse seinen Bruder anrufen, so dass dieser mit der gewünschten Summe hinzukomme.

Gesagt getan! Sehr kurz danach war der „Bruder“ bereits vor Ort. Mittlerweile verhandelte der Rentner mit dem Angeklagten bereits über einen Gesamtverkauf des gesamten Hauses. Der neu hinzugekommene Bruder allerdings fragte zunächst nach Tafelsilber. Ja, das habe er auch zur Genüge, meinte der Ennepetaler. Beide gingen ein Zimmer weiter. Inzwischen verstaute der Angeklagte den gesamten Schmuck und war dabei, damit das Haus zu verlassen, als der Klutert­städter ins Zimmer kam und ihn flüchten sah. Der rüstige Rentner wollte den 23-Jährigen stellen und lief ihm hinterher. Doch der Mittäter schubste den Witwer zu Boden. So entkamen beide mit der Beute, die nie mehr auftauchte.

Gewaltanwendung nicht geplant

Daher die Anklage wegen „räuberischen“ Diebstahls. Die ließ Anwalt von Irmer nicht gelten. „Die Gewaltanwendung war nicht abgesprochen und von meinem Mandanten nicht gebilligt.“ Es sei eine nicht geplante „Eskalation“ gewesen. „Eigentlich sollte es nur ein Betrug werden.“

Die drei Richter und auch die Staatsanwaltschaft gaben der Verteidigung Recht. Ein geplanter „Raub“ sei nicht nachzuweisen. Allerdings handele es sich aufgrund des Alters des Opfers und der Beutehöhe um einen „Diebstahl in besonders schwerem Fall“.

Letztlich verurteilte das Schwelmer Schöffengericht den jungen Dortmunder aufgrund des Geständnisses und der Tatsache, dass er keine Vorstrafen vorzuweisen hatte, zu einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung. Die Richter stellten ihm einen Bewährungshelfer zur Seite, zudem muss der 23-jährige Arbeitslose, der noch nicht einmal eine echte Entschuldigung über die Lippen brachte, 200 Stunden sozialen Dienst ableisten.

Dem Ennepetaler Witwer bringt es nichts. Der Erbschmuck von 150 000 Euro ist unwiderruflich weg. Verkauft vom Angeklagten. Wo der Erlös der Beute blieb, konnte nie festgestellt werden. Der Verurteilte selbst lebt nach eigenen Angaben vom Geld seiner Eltern.

André Eggert

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2015-01-24 00:11
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