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Rückblick

2011 – Der Blick auf ein besonderes Jahr

26.12.2011 | 17:38 Uhr

Ennepe-Ruhr.Weihnachten ist vorbei – das alte Jahr bald auch. Zeit, Bilanz zu ziehen. War es ein gutes, war es ein schlechtes Jahr? Und wie fast immer kommen wir zu dem Schluss: Es war beides. Es war aber auch ein besonderes Jahr.

Die Brauerei war für Schwelm was Schalke 04 für Gelsenkirchen ist: Ein Grund stolz zu sein. Das Ende des Traditionsunternehmens kam mit Ankündigung und doch überraschend. Nun heißt es eine Lösung finden, schnell aber nicht überhastet. Wer es in der Hand hat, was auf dem Gelände des Braukomplexes in Zukunft geschieht, der wird ganz Schwelm verändern. Er kann das Bild der Stadt prägen. Hoffen wir, dass die Menschen, die das Geld und die Macht dazu haben, sich dessen auch bewusst sind. Nichts ist gewonnen, wenn jetzt ein paar Flaschen Bier mit dem Namen Schwelmer aus Detmold kommen. Hoffen wir, dass diese Aktion kein Politiker, kein Unternehmer als Alibi nimmt, um die Hände in den Schoß zu legen. Vielleicht könnte das Schicksal der Brauerei die gute Nachricht den nächsten Jahres werden.

Gevelsberg kann feiern. Und zum 125. Geburtstag hat die Stadt auch ihren Nachbarn etwas gegeben. Die offizielle Feier mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, der „Boulevard“ – das Straßenfest mit den Partnerstädten –, die Ausstellung der Werke von Nobelpreisträger Günter Grass und die „Alltagsmenschen“. Christel Lechners Ausstellung auf den Straßen von Gevelsberg war eine Sensation, die in dieser Dimension eigentlich niemand erwartet hatte. Die Betonfiguren haben Reaktionen ausgelöst. Was kann man Menschen Schöneres als ein Lächeln schenken? Ganz nebenbei haben die „Alltagsmenschen“ ihren Vorbildern aus Fleisch und Blut auch noch beigebracht, dass diese keine Berührungsängste mit der Kunst haben müssen. Die Gevelsberger sind deshalb ein wenig stolzer auf ihre Stadt.

Nicht, dass sich ein Wirt in Gevelsberg als angeblicher Auftraggeber eines Mafia-Killers herausstellte, regte die Menschen am meisten auf. Es war der Betrug im Jobcenter des Ennepe-Ruhr-Kreises. Eine 53 Jahre alte Frau aus Haßlinghausen hatte den Armen zwischen einer halben Million und 700 000 Euro – da schwanken noch die Angaben – genommen und sich selbst gegeben. Längst ist die einstige Mitarbeiterin wieder auf freiem Fuß und wartet auf ihren Prozess. Ihren aufwendigen Lebensstil habe sie beibehalten, versichern Nachbarn. Viele Anrufer bei unserer Redaktion sind deshalb wütend. Sie verstehen die Welt nicht mehr. Selbst Politiker werfen der Dame Justizia vor, in diesem Fall zu lasch vorzugehen. Hoffen wir, dass die Mühlen der Justiz zwar langsam, aber im nächsten Jahr auch wirklich mahlen werden.

Meine Mutmacherin des Jahres hat sich nicht vorgedrängt. Wir haben sie zufällig bei der Vorbereitung der Ausbildungsmesse für den Ennepe-Ruhr-Kreis entdeckt. Sie heißt Luisa Holzhauer und kommt aus Schwelm. Die 19-Jährige ist mit ihrem drei Jahre alten Sohn Enrico glücklich, obwohl sie den kleinen Mann in einem Alter zur Welt gebracht hat, in dem Mädchen eigentlich noch nicht an Mutterfreuden denken wollen. Und doch macht es sie glücklich. Die ganze Familie kümmert sich um den Jungen. Und wenn das nicht reicht, ist auch noch die Familie des Vaters da. Luisa hat eine Ausbildung bei der Spedition Schmidt-Gevelsberg begonnen. Nicht jeder Arbeitgeber beschäftigt eine junge Mutter. Von Luisa und allen Menschen die ihr helfen, sollten wir lernen: Das Leben ist schön, wenn wir es nicht als Problem ansehen. Und dann ist es fast wieder so, als ob Weihnachten wäre...

Traditionell zieht unsere Zeitung zwischen den Feiertagen eine Bilanz des alten Jahres.
 Wir beginnen heute mit einem Rückblick für Schwelm auf der Seite 2.
 Morgen folgt die Bilanz für Gevelsberg.
 In der Ausgabe vom Donnerstag blicken wir in Ennepetal zurück.
 Das Sportjahr halten wir uns am Freitag vor Augen.

Klaus Bröking

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