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Lil' Dragon

Zwischen Kampf- und Lebenskunst

18.02.2010 | 18:38 Uhr
Zwischen Kampf- und Lebenskunst

Schalksmühle. Pünktlich um 15 Uhr setzt dienstags und donnerstags in der Sportschule Strackbein ein wildes Gewusel ein. Vor- und Grundschulkinder toben in ihren Kampfanzügen durch die Halle.

Vor ihnen liegt eine 45-minütige Trainingsstunde des Lil' Dragon Programms. Ziel dieser ganz besonderen Verbindung zwischen Sport- und Alltagstraining ist es, die Kinder auf das Leben – oder zumindest den Kindergartenbesuch – vorzubereiten.

Dann herrscht plötzlich Ruhe. Ralf Strackbein hat seine Lil' Dragons zusammengerufen und führt erst einmal eine lockere Unterhaltung mit ihnen, bei der auch auf den ersten Blick trainingsferne Themen besprochen werden, die aber immer mit dem Alltag der Kinder zu tun haben.

Danach geht das Training richtig los. Als erstes wird die obligatorische Begrüßungszeremonie durchgeführt, bei der sich der ganze Trupp vor dem Trainer verbeugt und damit symbolisch verspricht, sich für die kommenden 45 Minuten zu konzentrieren. Keine ganz leichte Aufgabe für die Kinder.

Dass sie aber schon einige der Lebensziele des Lil' Dragon-Programms verinnerlicht haben, beweisen sie gleich bei der Begrüßung, zu der eigentlich ein lauter Schrei gehört. Heute ist aber die zweieinhalbjährige Chiara dabei. Damit sie sich nicht erschreckt, wird der Begrüßungsruf einfach einmal ganz leise gemacht. Damit ist wieder nebenbei ein Trainingsziel erreicht: Rücksichtnahme auf den Mitmenschen.

Auch Lil' Dragons sind keine kleinen Engel

Dass sich in der Trainingshalle aber keine Gruppe kleiner Engel zusammengefunden hat, zeigen auch Situationen die man in jeder Kindergruppe findet. Beim Anstellen in der Reihe wird gedrängelt, bei Gesprächen wird dazwischengeredet und nicht jede Traineranweisung wird auch umgesetzt.

Genau diese Situationen nimmt der Trainer in der nächsten Gesprächsrunde wieder auf – und das ist gleich nach dem Warmmachen. „Wir wollen doch immer erst den Finger heben, wenn wir was sagen wollen”, erinnert er die kleinen Erzählkünstler freundlich und will auch gleich wissen: „Was unterscheidet kleine Drachen denn von anderen Kindern?” Klar wissen alle die Antwort: „Wir hören immer auf unsere Eltern. Wir sind immer lieb!” Zumindest der Wille ist also da.

Trainingseinheiten aus dem Kampfsport wechseln sich ab mit Gesprächsrunden. Die richtige Verteidigungsstellung zu lernen ist genauso wichtig wie die Frage, auf welcher Seite ein Kind denn auf dem Bürgersteig gehen muss.

Das richtige Verhalten in Alltagssituationen kindgerecht zu erklären und zu üben ist wichtiger Bestandteil des Lil' Dragon-Programms und macht einen großen Anteil an der Sportstunde aus. Dazu gehören Fragen wie: „Wie sprechen starke Kinder?” (Na klar, laut und deutlich und sie sehen dem Gesprächspartner dabei an) oder „Dürfen wir mit Fremden mitgehen?” Ebenso klar: „Nein”, gehören zur Trainingsroutine.

Kampftechniken nicht immer erlaubt

Dann geht es noch mal an den Sandsack, der nach Kampfsporttechniken bearbeitet wird. Tritte und Schläge werden auch von den Kleinsten schon ganz nach Lehrbuch praktiziert. Damit die Kinder aber auch wissen, dass sie diese Dinge nicht in Kindergarten oder Schule anwenden dürfen, wird auch darüber noch gesprochen.

Leichte Unsicherheit tauchte bei der Frage auf: „Wann dürft ihr denn schlagen und treten?” Strackbein vermittelte ihnen deutlich, dass ein Schimpfwort natürlich kein Grund ist, Kampfsporttechniken anzuwenden: „Wenn dich einer beleidigt, dann redet der doch nur. Also kannst du auch zurückreden.”

Zum Schluss gibt es noch eine Trainingsrunde zum Austoben, es folgt die rituelle Verabschiedung und alle sausen nach draußen zu ihren Eltern.

„Klar komm ich nächste Woche wieder”, ist der einhellige Tenor. Vincent, weil er nunmehr Kondition hat, Emily liebt die Dehnübungen und sagt: „Ich will hier Selbstverteidigung lernen.” Felix und Yannik wollen wiederkommen, weil alles Spaß macht. Ein größeres Lob an den Trainer kann es ja nicht geben.

Marion Gerdel

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