Von der Hochschule in den Stall
17.08.2011 | 07:00 Uhr 2011-08-17T07:00:00+0200
Schalksmühle.Cola freut sich. Die Chefin kommt. Die Begrüßung ist herzlich. Cola ist ein Hochzeitsgeschenk. Sie ist die Glückskuh und genießt einen Sonderstatus auf dem Hof Hohage in Winkeln.
Ihr Name steht für Corinna Hohage-Jentsch und Lars Jentsch. Die junge Frau mit dem Kuhtick führt den Betrieb in Schalksmühle mit Herz und Verstand. Für den Bachelor der Agrarwirtschaft stehen modernes Management und wirtschaftliche Unternehmensführung ebenso im Blickpunkt wie der liebevolle Umgang mit den Tieren im Stall und auf der Weide.
„Ich hatte schon immer ein Faible für Kühe“, erzählt Corinna Hohage-Jentsch (29). Berufsziel Bäuerin, daran gab es keinen Zweifel. Der Weg: Abitur, Ausbildung zur Tierpflegerin, 2005 Beginn des Studiums der Agrarwirtschaft an der Fachhochschule Soest, 2008 der Abschluss.
Corinna Hohage-Jentsch glänzte mit ihrer Bachelorarbeit zum Thema „Ultraschalldiagnostik im Milchviehbetrieb“. Von wegen akademisch und praxisfern. Herdenmanagement und Tiergesundheit sind das A und O für den wirtschaftlichen Erfolg.
Die junge Bäuerin kennt sich damit aus. Alle vier bis sechs Wochen kommt Michael Göke von der Rinder-Union-West (RUW) aus Münster zur Ultraschalluntersuchung. Bestandsbetreuung und Bestandsüberwachung lauten die Stichworte. Göke untersucht die Trächtigkeit und die Verfassung der Tiere. Gemeinsam mit der Chefin zieht er das Anpaarungsprogramm durch, d.h. Partnervermittlung für Rinder im Zeichen der Milchwirtschaft.
Herdenmanagement, das beinhaltet auch eine genaue Kuhkartei: „Es müssen alle Daten festgehalten werden, sonst kann man nicht reagieren.“ Ohne Internet läuft nichts. HIT, das ist das Herkunfts- und Informationssystem für Tiere. Jedes Tier hat einen Rinderpass – es lebe die gläserne Kuh. Die Schalksmühlerin schätzt das Zusammenspiel der Kontrollorgane, die die Landwirtschaft eingerichtet hat, die die Arbeit bestimmen und gleichzeitig unterstützen. Das dient der Gesundheit der Tiere und der Qualität der Produkte.
Alles in allem 85 Milchkühe und 90 Tiere in der Nachzucht versorgt und umsorgt Corinna Hohage-Jentsch gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem Mann Lars auf dem Hof in Winkeln. Sie weiß: „Allein kann ich das nicht stemmen.“ Lohnunternehmer Spalleck aus Radevormwald fährt die Ernte ein. Das schafft Kapazitäten. „Im Stall wird das Geld verdient“ – die Landwirtin kann rechnen. Investieren und modernisieren, auf dem Wunschzettel steht mehr Komfort. Ein neuer Stall wäre schon schön. Ein neuer Milchtank steht bereits.
Eltern sollen ohne Sorge in den Ruhestand gehen
Investitionen allein garantieren nicht das Glück auf dem Hof. Für Corinna Hohage-Jentsch muss auch die Lebensqualität stimmen. Ihre Eltern sollen unbeschwert in Rente gehen können, wenn sie Ende des Jahres den Betrieb übernimmt.
Ein leidenschaftliches Ja zur Landwirtschaft, aber das Leben muss lebenswert sein. Mal ein freies Wochenende und auch mal Urlaub. Die Kühe haben ihren Rhythmus, den muss man bewahren, also vertraut Corinna Hohage-Jentsch auch auf den Betriebshilfsdienst.
Generell gilt aber: „Man kann privat nicht immer frei planen. Aber das weiß man vorher.“ Der Freundeskreis aus der Landwirtschaft hat damit keine Probleme, genauso wenig wie Ehemann Lars, Land- und Forstwirt aus Kierspe.
Lars und Corinna haben sich beim Scheunenfest kennen gelernt. 2010 haben die beiden geheiratet. Nicht ohne meine Kühe – die Braut in Weiß teilte am Hochzeitstag ihr Glück mit den Rindern. Ein kurzer Abstecher auf die Weide musste sein. Spontan und ohne jede Aufforderung standen die Kühe Spalier und gratulierten ihrer Chefin.
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