Soziales Lernen zielt gegen Mobbing
08.12.2008 | 18:01 Uhr 2008-12-08T18:01:00+0100Schalksmühle. Mobbing ist kein neues Problem. Das weiß Sozialarbeiterin Doris Schmitz vom Schalksmühler Jugendzentrum. Neu ist, dass Schulen gemeinsam mit ihren Schülern dem zunehmenden Trend offener und/oder subtiler Gewalt mit dem Ziel sozialer Ausgrenzung anderer inzwischen gezielt entgegentreten
Seit Beginn des Schuljahres 2008/09 trifft sich regelmäßig die Arbeitsgemeinschaft „Soziales Lernen” der Realschule im den Räumen am Wansbeckplatz. Sie besteht aus 13 Schülerinnen der Klasse 9, Gabi Bruns, Lehrerin für Deutsch, Geschichte und Politik an der Realschule, sowie Sozialarbeiterin Doris Schmitz vom Jugendzentrum.
„Früher gab es die Streitschlichter an der Realschule”, sagte Doris Schmitz im WR-Gespräch. Das Projekt „Soziales Lernen” zielt in die gleiche Richtung. Die 13 Teilnehmerinnen der Arbeitsgemeinschaft sollen zum Abschluss des Schuljahrs in der Lage sein, Mobbingfälle zu erkennen und gegebenenfalls einzuschreiten. Zudem sollen sie als Ansprechpartner für Mobbing-Opfer dienen.
Doris Schmitz ist zuversichtlich, dass das Projekt ein Erfolg wird. „Die Mädels sind sehr aufgeschlossen.” Einige hält sie für ausgesprochen selbstbewusst und schon jetzt mit einem gewissen Maß an Kompetenz ausgestattet. Außerdem habe sich im Laufe der AG, die zum Unterricht gehört und auch benotet wird, eine gute Gruppe gebildet. Zudem bringen die 13 Mädels die richtigen Voraussetzungen mit. „Die Schülerinnen haben sich freiwillig gemeldet, weil schon vorher bewusst war, dass Mobbing ein großes Problem ist.”
Szenen werden
nachgestellt
„Mobbing ist sooo normal”, sagt Doris Schmitz und will damit das Problem keinesfalls verharmlosen. Sie glaubt, dass viele Menschen Erfahrungen mit Mobbing (englisch für anpöbeln oder fertigmachen) haben, entweder als Opfer oder Täter.
Die 13 Schülerinnen können ab Klasse 10 zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Erwachsenen werden, die oftmals ratlos wegschauen, und den jugendlichen Mobbing-Opfern, die vielfach die Schuld bei sich selbst suchen und so zunehmend in eine soziale Isolation geraten.
Die AG-Teilnehmerinnen lernen, dass Jungen eher zu offener Aggression neigen und ihr Gegenüber körperlich oder verbal angreifen, während Mädchen eher subtilere Formen wie Manipulation, Gerüchte verbreiten und soziales Ausgrenzen verwenden.
Dabei ist Mobbing grundsätzlich kein individuelles Problem von Tätern und Opfern. Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik bezeichnet Mobbing als strukturelles Gruppenphänomen, das eskaliert, weil rechtzeitige und hinreichende Gegenmaßnahmen ausbleiben.
Die AG-Teilnehmerinnen lernen daher auch, wie solche Gegenmaßnahmen aussehen können. Das Jugendzentrum am Wansbeckplatz bietet ihnen dazu gute Möglichkeiten. „Wir verfügen über einen großen Raum, in dem wir sehr gut Szenen nachspielen oder stellen können”, sagt Doris Schmitz. Zudem betrachten Gabi Bruns, Doris Schmitz und die Schülerinnen das JZ als „geschützen Raum” außerhalb des Schulgeländes. „Nicht alles, was hier läuft, soll nach draußen dringen”, sagt Doris Schmitz. Deshalb haben sich alle Teilnehmer auch ein Verschwiegenheits-Versprechen gegeben. Vertraulichkeit ist das A und O.
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