Mit einer Miele hat es angefangen
28.07.2009 | 16:08 Uhr 2009-07-28T16:08:00+0200In seiner Garage am Kreisch 10 hängen einige großformatige Fotos von Vater Otto Höngen, damals mit seiner schweren Maschine auf dem Großen St. Bernhard.
„Das war 1933”, erzählt Sohn Heinz, mittlerweile 77 Jahre alt, „und mein Vater war damals mit einem italienischen Bekannten, einem Rennfahrer, unterwegs von Mailand nach Deutschland”. Der Motorrad-Bazillusträger bevorzugte schwere amerikanische Maschinen, Harley und Indian.
Heinz Höngen hat es ihm von frühester Jugend an nachgetan, auch wenn die Maschinen ein wenig kleiner ausfielen. „Angefangen hat es bei mir als 19-Jähriger mit einer 98-Kubikzentimeter Miele, die hatte noch eine Tretkurbel und ein Zweigang-Getriebe”, erzählt Höngen, den die Leidenschaft zu den Zweirädern nur kurzfristig 'mal verlassen hat.
Nach der Miele kam eine NSU Lux, Baujahr 1952 und dann eine 250er Adler mit stolzen 16 PS. „Das war 1957, und danach war erst einmal Schluss”, erinnert sich der Zweiradfan, der die Maschinen in den Anfangsjahren immer beruflich genutzt hat. Dann kam doch ein Gefährt mit Dach über dem Kopf, das für den Beruf gebraucht wurde. Und als Exportfachmann ist Höngen viel rumgekommen.
Die alte Liebe erwachte wieder, als Onkel Eugen Höngen, der in Halver einen Gärtnereibetrieb hatte, seine alte BMW R 25 mit Beiwagen ausmusterte. Die war in jahrelangem Einsatz mit einer Anhängerkupplung ausgerüstet worden, weil der Gärtner damit Obstbäume und anderes im weiten Umkreis transportierte: „Die BMW kennt jeden Bauernhof hier in der Gegend”, schmunzelt Höngen. Und noch eine Besonderheit zeichnet die schwarze Schönheit aus: Kniebretter schützen den Fahrer bei der Fahrt über schlammige Straßen oder Feldwege. Seit 1973 knattert Heinz mit dem Schätzchen Baujahr 1955 wieder genüsslich durch die Lande.
Zum passenden Motorrad-Outfit gehörten auch mal handgearbeitete Lederstiefel, ausgediente Offiziersstiefel, Jahrgang 1944, geerbt vom Vater. Wenn der Knieschutz an der BMW einmal nicht reichte. Dass es mit einer Maschine nicht getan war, hat Heinz Höngen im Laufe der Jahre gemerkt und seine Garage, ein Mittelding aus Museum und Werkstatt, gibt davon ein chromglänzendes Zeugnis ab.
Die BMW erhielt bald Gesellschaft von einer 250er NSU Konsul Baujahr 1952, eine Rarität unter den deutschen Oldtimern: „NSU hatte damals einen englischen Konstrukteur und Rennfahrer unter Vertrag, deshalb ist bei der Maschine alles anders herum – Bremse auf der anderen Seite, die Gänge werden verkehrt herum geschaltet”, beschreibt der Fan das gute Stück, das in dieser Form seit 1927 so in Deutschland gebaut wurde.
Eine Besonderheit hat auch die Triumph, Baujahr 1953, aufzuweisen: Einen Doppelkolben. Mit ganz anderen Werten glänzt die BMW R 50 aus dem Jahr 1957: 26 PS treiben die original Polizeimaschine der französischen Gendarmerie an, die ein Bekannter aus Frankreich mitbrachte. Glänzen kann auch der Lack – nach wie vor im Originalzustand.
Fast schon ein jünger Hüpfer im Stall von Heinz Höngen ist die BMW R 60 Baujahr 1973, auch wenn die mittlerweile 200 000 Kilometer auf dem Tacho hat. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind angemeldet und fahrbereit. Zu den Clubausfahrten hat Höngen da immer die freie Auswahl, mit welcher Maschine er gerne losdüsen möchte.
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