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Auch „Mäxchen“ ist wieder zurück

09.02.2012 | 17:52 Uhr
Auch „Mäxchen“ ist wieder zurück
Zu Besuch beim Geschichts- und Heimatverein Schalksmühle. Das Team des Vereins vor dem Modell einer alten Schmiede. Foto: Guido Raith

Schalksmühle.Die Archivgruppe des Vereins für Heimat- und Geschichtspflege arbeitet die Vergangenheit auf. Im Frühjahr 2010 wurde das Team um Bernadine Holthaus von der Gegenwart überrascht. Gesteinsbrocken aus der Felswand hinter dem Gerätehaus polterten gegen das Gebäude. Das Archiv kam ohne Schaden davon. Allen war allerdings klar: „Es kann immer wieder etwas passieren.“ Schließlich zogen die wertwollen Bücher, Urkunden und andere Dinge mit der Sperrung der Räumlichkeiten um. Bis zum Herbst 2011 lagerten sie in Räumen der ehemaligen Hausmeisterwohnung. „Jetzt wissen wir auch, wie schwer Wissen wiegt“, sagt Bernadine Holthaus. Sie und ihre fünf Mitstreiter haben geschleppt, was das Zeug hielt. Einmal hin und wieder zurück. Bernadine Holthaus lacht: „Das gibt Muskeln.“ Inzwischen hat die Archivgruppe die beengten Verhältnisse verlassen und arbeitet wieder in der angestammten Umgebung.

Marlies Scholz sitzt an ihrem Schreibtisch und tippt mit einer alten Adler-Schreibmaschine sorgfältig Angaben auf Archivkarten. Das Gerät versieht seit gut 60 Jahren zuverlässig seinen Dienst. „Man hat mir auch schon eine elek­trische Schreibmaschine angeboten“, sagt Marlies Scholz. Es half nichts. Sie bleibt ihrer Adler treu.

Auf dem Schreibtisch von Gerd Gebhardt liegen einige Zeitungsseiten. Der ehemalige Gemeindedirektor beackert die heimische Presse auf Beiträge, die über den Tag hinaus eine Bedeutung haben könnten. Im Zweitjob beim Heimat- und Geschichtsverein kümmert er sich mit Hans Spenner um die Ausstellungen.

Reiner Rutenbeck ist Herr über mindestens 4000 Fotos und digitale Bilddateien. Gerade hält er ein stark vergilbtes Foto in der Hand. Es wurde Ende des 19. Jahrhunderts aufgenommen. Aber wo? Im Hintergrund ist schemenhaft die Bahnlinie zu erkennen.

Lexikon zum ThemaAberglauben

Bei den Menschen handelt es sich zweifellos um Schüler. Rutenbeck findet ein ähnliches Bild aus den 1920er Jahren. Wieder die Bahnlinie. Der gleiche Lehrer. Ganz offensichtlich handelt es sich auf dem älteren Bild um eine Schulklasse aus Dahlerbrück. Die Recherche geht weiter. Nicht immer liegen die Hinweise so klar auf der Hand. Oft müssen Rutenbeck und Hartmut Niggemann dicke Alben wälzen, um historische Fotos eindeutig zuordnen zu können.

Bernadine Holthaus leitet die Archivgruppe. Zusammen mit Marlies Scholz kümmert sie sich um die Archivierung. Ihr ganzer Stolz ist die cirka 1400 Bände umfassende Bibliothek. Ihre neueste Errungenschaft ist das Wörterbuch der Deutschen Sprache der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Es ist das größte und umfassendste Werk der deutschen Sprache seit dem 16. Jahrhundert – mehr als das Lebenswerk zweier Männer. Jacob und Wilhelm Grimm haben es 1838 begonnen. Erst 1961 – nach 123 Jahren – wurde es abgeschlossen. „Hier findet man Wörter und ihre Erklärungen, die heute in keinem Lexikon mehr stehen.“ Das Wörterbuch ist für die Archivarin wichtig. Wie sonst sollte sie Texte alter Urkunden und anderer Schriftstücke entziffern können. Das Lexikon des Aberglaubens umfasst immerhin zehn Bände. Es liefert einen Einblick in Ängste und Sorgen in alter Zeit.

Kein Stück aus der wertvollen Sammlung darf den Raum verlassen. „Auch nicht gegen Pfand und Unterschrift“, schmunzelt Bernadine Holthaus. Zu groß ist ihre Sorge, dass das wertvolle Archiv einen Verlust erleiden könnte.

Wolfgang Teipel

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