Zahlenspiel mit Unbekannten
12.01.2012 | 16:48 Uhr 2012-01-12T16:48:00+0100
Rees.Streitpunkt zwischen Stadt und Bahn AG bleiben die Zugprognosen.
Und daraus ergibt sich die Frage: Reicht das dritte Gleis überhaupt aus, um die prognostizierte Zahl für 2025 – 121 Güterzüge am Tag und 62 in der Nacht – aufzunehmen? Das bezweifelt die Stadt in ihrer Stellungnahme. Und legt eine schlüssige Rechnung vor.
Steigerung um 220 Prozent
Und die geht so: Für den Streckenabschnitt Wesel-Emmerich hat die Bahn für 2008 53 Güterzüge am Tag und 30 in der Nacht angegeben, also 83 Züge insgesamt. Das kann stimmen, deckt es sich doch in etwa mit den Zählungen der BI Dinslaken im September 2009. Deren Mitglieder hatten bei einer 24-Stunden-Zählung 74 Güterzüge gezählt. Die Bahn sagt, die zweigleisige Strecke sei zum heutigen Zeitpunkt ausgelastet. Wohlbemerkt mit 83 Güterzügen in 24 Stunden.
Was wenn nun künftig, also 2025, 121 Züge tagsüber und 62 in der Nacht, in 24 Stunden also 183 Güterzüge über drei Trassen rollen? Das entspricht einer Steigerung von 220 Prozent und exakt 100 Güterzügen. Dann müsste rein rechnerisch dies allein über die dritte Trasse abgewickelt werden. „Wie soll das gehen?“, fragt sich die Stadt Rees. Und dabei ist die bevorstehende Blockverdichtung, bei der die Züge in kürzeren Abständen aufeinander folgen sollen, noch nicht berücksichtigt.
Mehr noch: Die Stadt Rees fürchtet, dass die Prognosezahlen für 2025 schon viel früher erreicht werden. Weil nämlich Gütermengen schon 2011 gegenüber 2010 drastisch angestiegen sind. Das ergibt sich aus dem Halbjahresbericht des niederländischen Streckenbetreibers Keyrail. Demnach sind im ersten Halbjahr des Jahres 2011 die niederländischen Gütermengen um 50 Prozent gegenüber 2010 angestiegen. Das entspricht 70 Güterzügen täglich allein von dort. Die Wachstumszahlen für den niederländischen Hafen gehen zudem so stark nach oben, so dass in 2015 sicher bereits mit 100 Güterzügen pro Tag gerechnet werden muss. „Unter Berücksichtigung heutiger Zugzahlen wäre damit die Strecke schon in naher Zukunft ausgelastet“, schreibt die Reeser Bauamtsleiterin Elke Strede in ihrer Stellungnahme.
Stadt fordert eine Kapazitätsobergrenze
Die Stadt fordert daher eine Kapazitätsobergrenze für die dreigleisige Strecke festzuschreiben. Und will die Bahn an ihren eigenen Vorgaben messen. 183 Güterzüge sind prognostiziert. Sind die erreicht, soll Schluss sein. Sollte deren Zahl überschritten werden sollen, fordert die Stadt ein neues Planverfahren – mit Neuberechnungen zum Lärm- und Erschütterungsschutz.
Aber vergessen darf man dabei nicht, die Zahl der Züge ist das eine, deren Länge das andere. Auch die Zahl der Waggons ist in den letzten Jahren angestiegen. Zählt die BI Dinslaken 1994 an den 16 Güterzüge mit durchschnittlich 14 Waggons, hingen 2003 an den 42 Güterzügen schon 26 Waggons und 2009 schnaufte jeder Güterzug schon mit (durchschnittlich) 33 Waggons über die Strecke.
0mitdiskutieren