Weihnachtsmarkt für Weibchen tabu
06.12.2007 | 18:19 Uhr 2007-12-06T18:19:07+0100FALKNEREI. Frank Hermsen informiert über sein Hobby. Bussard, Uhu, Falke und Habicht werden am Wochenende in der Reeser Innenstadt gezeigt.
REES. "Adonis" macht seinem Namen alle Ehre. In majestätischer Haltung sitzt er auf dem ausgestreckten Arm von Frank Hermsen. Dann breitet der Wüstenbussard seine Schwingen aus und fliegt in die Krone des nahe gelegenen Baumes. Dort hält er sich in der Nähe des Stammes auf. Als Hermsen einen lauten Pfiff durch die Zähne ausstößt, fliegt der Greifvogel sofort zurück zu seinem Falkner und wird mit einem Stück Eintagsküken belohnt. Hermsen wird Wüstenbussard "Adonis" am Sonntag beim Reeser Weihnachtsmarkt vorstellen. Die Besucher seines Standes werden auch miterleben, wie Frank Hermsen das Tier über dem Markt kreisen lässt.
Der Arm ist mit einem Lederhandschuh geschützt
"Den Flug zu beobachten, das ist überhaupt das Schönste", sagt Frank Hermsen. Immer wieder ist der Reeser fasziniert, wenn das Tier seine Schwingen ausbreitet und auf seinen mit einem Lederhandschuh geschützten Arm zurückfliegt. "Das zu beobachten, dass ist schon ein Stück Lebensqualität", kommt der Mann ins Schwärmen.
Eine Gefahr geht von dem Tier nicht aus. "Der Vogel ist bombensicher", sagt Hermsen. Das heißt: Auch Besucher des Marktes, die mit kleinen Hunden unterwegs sind, müssen sich nicht fürchten, dass "Adonis" diese als Beute ansieht. "Dies kommt schon mal bei den weiblichen Tieren vor", weiß Hermsen. "Adonis" ist aber ein Mann und damit etwa zehn Prozent kleiner als sein weibliches Pendant.
Nicht nur der Wüstenbussard wird beim Weihnachtsmarkt zu bewundern sein, Hermsens Freundin Doro Janitzek wird einen Uhu namens "Lilly" mitbringen, Tochter Luca den Falken "Johnny" und Hermsens Falkner-Kollege Jürgen Glatzel aus Wesel hat zugesagt, mit einem Habicht anzureisen. Weiterhin werden die Greifvogelfreunde über ihr Hobby informieren und Zubehör vorstellen - vom Geschüh, so nennt der Fachmann die Liederriemchen an den Füßen der Vögel, bis hin zur Falkner-Tasche, in denen der Greifvogel zu den Jagdrevieren gebracht wird. Die liegen für Hermsen in Esserden und Speldrop, er hat noch Interesse an weiteren. Dort geht der 38-Jährige mit "Adonis" auf Krähenjagd.
Ein gutes Ende nahm die Geschichte um seinen ausgebüxten Habicht (die NRZ berichtete). Frank Hermsen hatte seinen Vogel schon aufgegeben, als sich zehn Wochen nach dem Verschwinden seines Greifvogels bei ihm ein Bürger aus Grietherbusch meldete. Er hatte einen Greifvogel entdeckt, der sich offenbar mit seinen Geschüh in einem Apfelbaum verfangen hatte. Hermsen fuhr sofort los. Tatsächlich handelte es sich um seine "Tacita". Nach der Befreiungsaktion hatte der Habicht erst einmal auf die Waage gemusst. "100 Gramm hatte er abgenommen", stellte Hermsen damals fest. Es ist übrigens ein Weibchen. Daher darf es auch nicht mit zur Greifvogelschau auf dem Weihnachtsmarkt. "Zu gefährlich", kommentiert Hermsen. DER HARRIS HAWK Der Harris Hawk oder Wüstenbussard ist im Südwesten der USA sowie in Mittel- und Südamerika beheimatet. In den USA lebt der Greifvogel in der kargen Landschaft der Wüste und weiter südlich in Mexiko bis hin nach Chile und Argentinien ist er an den großen Flüssen der Urwälder zu Hause. Der Raubvogel liebt es warm und mag offenes Gelände.
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