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Interview

Wehrführer zieht Bilanz

18.02.2010 | 23:02 Uhr

Rees. Heinz Walter, der Wehrführer der Stadt Rees, wird heute um 19 Uhr im Bürgerhaus Rees aus seinem Amt verabschiedet.

Rees. Heinz Walter, der Wehrführer der Stadt Rees, wird heute um 19 Uhr im Bürgerhaus Rees aus seinem Amt verabschiedet. 1971 trat der heute 62-Jährige der Feuerwehr der Stadt Hattingen bei, war seit 1975 in Essen-Kettwig und seit 1980 in Rees aktiv. Zum Wehrführer der Stadt Rees wurde er im Jahr 2000 ernannt. Seinen Abschied nimmt die NRZ zum Anlass, ihn Bilanz ziehen zu lassen.

Heute werden Sie in die Alters- und Ehrenabteilung verabschiedet. Tut das weh? Nein, ich kehre ja der Feuerwehr nicht gänzlich den Rücken. Weh tut, dass mein designierter Nachfolger kürzlich verstorben ist. Mit ihm habe ich einen wirklichen Freund verloren.

Sie sind nun seit fast 40 Jahren aktiv, seit wann als Wehrführer?

Seit 1990 bin ich stellvertretender, seit 2000 Wehrführer.

Wie viel Freizeit kostet so eine Funktion des Wehrführers?

Ich habe die Stunden nie gezählt, aber zwei Tage sind wohl pro Woche draufgegangen. Das ist allerdings kein Maßstab für meinen Nachfolger, ich befinde mich ja im Gegensatz zu ihm im Vorruhestand.

Was hat Sie 23-jährig bewogen, zur Freiwilligen Feuerwehr zu gehen?

Das waren ganz praktische Gründe. Ich wollte mein Studium der Elektrotechnik zu Ende führen, habe mich daher für zehn Jahre bei der Feuerwehr verpflichtet, um nicht zur Bundeswehr zu müssen.

Aber Sie sind geblieben!

Ja, denn nach einem Jahr schon war der Eintrittsgrund in den Hintergrund getreten. Die Technik hat mich fasziniert, die Gemeinschaft mit den Kollegen hat Freude gemacht, das erlernte Wissen weiterzugeben ebenfalls.

Sind Sie die Karriereleiter freiwillig nach oben gegangen?

Ja. Aber ich wurde gefördert von unserem damaligen Löschzugführer Hermann Michelbrink.

Was waren die wohl wichtigsten Schritte, die die Freiwillige Feuerwehr Rees in den vergangenen Jahren unter Ihrer Leitung getan hat?

Seit ich stellvertretender beziehungsweise Wehrführer der Stadt Rees bin, konnten wir für alle Löschzüge der Stadt neue Fahrzeuge beschaffen, für den Löschzug Rees ist die Order letzte Woche rausgegangen. Wir haben das Gerätehaus Millingen um- und das in Bienen neu gebaut. Für Haffen-Mehr ist jetzt gottlob ein guter Standort gefunden worden und die Pläne für das Gerätehaus Haldern sind angeschoben. Und das Wichtigste sind die Gründung der Jugendfeuerwehrabteilungen in Millingen und Haldern. Als Abschiedsgeschenk formiert sich ja jetzt auch eine Jugendfeuerwehr in Rees.

Waren Sie noch bei Einsätzen aktiv? Wann das letzte Mal?

Bis zu meinem Herzinfarkt im vergangenen Jahr habe ich jeden Einsatz in Millingen begleitet. Wenn es eine Ölspur abzustreuen gibt, muss ich nicht unbedingt auch in Rees oder Haldern dabei sei. Bei größeren Einsätzen war ich aber auch in den anderen Ortsteilen vor Ort.

Welche Einsätze sitzen Ihnen noch heute in den Knochen?

Da fällt mir einer in Kettwig ein, der schon lange zurück liegt. Damals gab es einen schweren Verkehrsunfall mit verbrannten Personen. Das hat mich sehr mitgenommen. Inzwischen ist die Erinnerung gottlob verblasst und das Geschehene verarbeitet.

Wie wichtig ist in solchen Fällen eine seelsorgerische Betreuung?

Damals kannten wir das ja noch nicht, aber Ereignisse dieser Art haben mir gezeigt, wie wichtig diese ist. Das wird mir aber auch immer wieder bewusst nach schweren Unfällen vor Ort mit Toten und Verletzten. Nach Einsätzen hier ist auch schon mal ein 'Kerl wie ein Baum', von dem man glaubt, dass den so schnell nichts umhaut, auf mich zugekommen, um mir zu sagen, dass er seit drei Tagen nicht mehr geschlafen hat.

Ist eine Freiwillige Feuerwehr auch das Modell für die Zukunft und warum?

Unumwunden: Ja! Meine Meinung ist, es gibt genügend junge Leute, die in die Wehr eintreten wollen. Als ich im Jahr 2000 mit der Wehrführung betraut wurde, habe ich 156 Feuerwehrleute übernommen, jetzt sind es 216. Das sind 60 neue Feuerwehrleute. Zudem sind viele in die Altersabteilung übernommen worden, so dass man von 85 zusätzlichen Feuerwehrleuten sprechen kann.

Wie begeistert man die Jugend zum Mitmachen?

Ich habe das schon mal gesagt: Wir haben das rote Auto mit dem blauen Licht. Das zieht. Und die Technik tut ein übriges. Letzte spricht auch die Mädchen an, zumindest diejenigen, die bei der Wehr mitmachen.

Und welche Anreize kann man Arbeitgebern bieten, Feuerwehrleute einzustellen?

Von den Schildern, die die Landesregierung mal gemacht hat und die sich die Arbeitgeber vor die Tür hängen können, halte ich nichts. In Rees sind sich noch viele Arbeitgeber ihrer Pflicht bewusst, etwas für das Gemeinwohl zu tun und die Mitarbeiter freizustellen. Die größeren Firmen haben hier bis zu fünf Feuerwehrleute in ihrer Crew. Die handhaben das so, dass sie drei wechselweise für den Einsatz freistellen, während die anderen für die Abwicklung des Tagesgeschäftes sorgen.

Was bleibt für Ihren Nachfolger zu tun?

Die Pläne für Haffen-Mehr und Haldern voranzutreiben. Das sind aber keine neuen Aufgaben. Wir haben immer schon im Team gearbeitet, das wird auch künftig so bleiben.

Was geben Sie ihm mit auf den Weg?

Ich erteile keine Ratschläge. Jeder muss seinen Weg finden. Da die Feuerwehr bislang in einem Team gearbeitet hat, kennt jeder seine Aufgaben.

Wofür bleibt jetzt mehr Zeit?

Meine Frau und ich haben uns ein 13 Meter langes Motorboot angeschafft, das nun nun endlich mal richtig überholt wird. Damit wollen wir über den Rhein und über die Kanäle schippern, um Deutschland besser kennen zu lernen. Darauf freuen wir uns.

Maria Raudszus

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