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Gastronomie

Vom Vater zum Sohn

21.02.2012 | 16:51 Uhr
Vom Vater zum Sohn
Heinz Nass übergibt den Inselgasthof an seinen Sohn Christian. Heinz Nass im Service und Ulla Nass in der Küche werden aber weiterhin für das Wohl der Gäste sorgen. Foto: Dirk Schuster

Grietherort.   Am 1. März wird Heinz Nass den Inselgasthof seinem Sohn Christian übertragen. Am bewährten Konzept soll sich nichts ändern

Heute ist Großkampftag im Inselgasthof Nass. Aschermittwoch gehört Fisch auf den Tisch und den haben Vater Heinz und Sohn Christian Nass fangfrisch eingekauft. Sogar eine eigene Heringskarte wird es heute geben. Heringsstipp und Matjes, hausgemacht von grünen Heringen. Doch die Stammgäste, die von weit her an den Niederrhein fahren, kommen nur, weil ihrer Meinung nach keine Seezunge und kein Steinbutt an die Nass’sche Qualität her-anreicht. Christian Nass ist ein begnadeter Koch. Dass er am 1. März den Inselgasthof von seinem 70-jährigen Vater überschrieben bekommt, ist nicht nur eine Frage des Generationswechsels, sondern auch der Anerkennung. Denn täglich von 7 Uhr in der Früh bis um Mitternacht für den Betrieb im Einsatz zu sein, ist für einen 36-Jährigen nicht selbstverständlich.

Christian Nass hat 1995 seine Ausbildung im Waldhotel Tannenhäuschen in Wesel absolviert. Mit einer glatten Eins. Nach diversen Praktika, auch bei einem französischen Sternekoch, zog es ihn nicht in die weite Welt hinaus, sondern er perfektionierte seine Kochkunst im elterlichen Betrieb. Seitdem kocht er gemeinsam mit seiner Mutter Ulla, während sein Vater und seit vier Jahren Ehefrau Tina, den Service übernehmen.

Frisch vom Ijsselmeer

„Kabeljau mit Senfsoße, so genannte Loins, ist unsere Spezialität“, schwärmt Christian Nass. „Loins ist das beste Stück vom Kabeljau“, erklärt sein Vater. 15 Fischsorten stehen auf der Speisekarte, aber natürlich auch Fleisch und Wild. 30 Prozent der Stammkunden kommen aus den Niederlanden. Viele Gäste, weiß Heinz Nass, werden heute traditionell das Beste vom Besten ordern: als Vorspeise gebackene Langostinosschwänze, als Hauptgang Seezunge oder Steinbutt und als Dessert Apfel-Beignets, gebackene Apfelringe mit Vanille, Mohn und Marzipaneis. Oder Aal. Die Spezialitäten des Inselgasthofs fanden in allen renommierten Fachzeitschriften Beachtung. Fernsehsender berichteten über die einzigartige Insellage bei Hochwasser und den exzellenten Fisch. „Mittags haben wir mäßig zu tun, gegen Abend schwächt das Geschäft ab“, pflegt der Senior zu sagen – auch wenn wieder mal alle 200 Plätze besetzt sind.

Das Erfolgsrezept der Familie Nass? „Wir sind kein Museum“, sagt Heinz Nass, auch wenn die Ölgemälde an der Wand eine andere Sprache sprechen. „Der Fisch muss schnell umgeschlagen werden, damit er nicht an Qualität verliert. Bei uns gibt es keine Kartenschmücker. Der Fisch, den wir anbieten, ist immer frisch.“ Zweimal in der Woche wird Fisch eingekauft, ohne Zwischenhändler bei der Veiling am Ijsselmeer.

Auch wenn Christian Nass Chef des Inselgasthofs ist, wird sich nichts am bewährten Konzept ändern. Vater und Mutter werden weiterhin mitarbeiten und die jungen Leute dafür sorgen, dass auch die nachfolgende Generation den Weg in den Inselgasthof findet, der auf eine 160-jährige Tradition zurückblicken kann.

Elisabeth Hanf

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