Viele Fragen sind noch offen im Mordfall Gülsum S.
04.12.2009 | 20:59 Uhr 2009-12-04T20:59:00+0100
Rees. Im Mordprozess an der 20-jährigen Reeserin Gülsüm S. soll noch vor Weihnachten ein Urteil gefällt werden. Am Freitag, 11. Dezember, wird voraussichtlich die Anklage ihr Plädoyer halten. Das Urteil wird mit Spannung erwartet. Die drei Angeklagten schweigen nach wie vor zu den Vorwürfen.
Geplant hat der Vorsitzende Richter Christian Henckel im Mordprozess an der 20-jährigen Gülsüm S. noch vor Weihnachten ein Urteil zu sprechen. Am Freitag, 11. Dezember, wird voraussichtlich Staatsanwalt Martin Körber sein Plädoyer halten. Dem werden sich die Anwälte der drei Angeklagten anschließen. Die drei Angeklagten werden je von zwei Pflichtverteidigern vertreten. Was so vom Gericht anberaumt wurde.
Mit Beginn am 6. November stützte sich der Prozess in der Hauptsache auf Indizien. Dass der angebliche Russe Miro unter falscher Identität in Deutschland lebte und in Wirklichkeit aus Aserbaidschan stammt und Sahil heißt, war wohl die größte Überraschung im Prozess. Der Versuch seines Anwaltes Jochen Thielmann, dass die Stöcke, mit denen Gülsüm erschlagen wurde, nicht vom Tatort stammten, konnte nicht bestätigt werden. Der Knopf von Miros Jacke am Fundort der Leiche bleibt belastend.
Kein Blickkontakt unter den Angeklagten
Bisher hat sich die Anklageschrift von Staatsanwalt Martin Körber in den meisten Punkten bestätigt. Da die Angeklagten schweigen, können auch Prozessbeobachter nur die Aussagen der Zeugen und Anwälte in die Waagschale legen. Wenn es darum geht, das Verhalten der Drei zu beurteilen, dann fällt es schwer zu bewerten, ob die in sich versunkene Haltung des Hauptangeklagten Davut, Scham, Traurigkeit oder Taktik ist. Sein Vater gibt sich je nach Sachlage interessiert, weinend, als es um eine mögliche Demenz ging, apathisch. Miro schwankt zwischen interessiertem Zuhören und Ungeduld. Er ist der einzige, der beim Gang von der Zelle in den Gerichtssaal sein Gesicht nicht verhüllt. Was auffällt: Vater und Sohn, aber auch die zweitälteste Tochter, die als einzige der Familie aussagte, nehmen untereinander keinerlei Blickkontakt auf. Übrigens hat die Schwester, die in Kleve arbeitet, ihren Vater Yusuf nicht in der JVA Kleve besucht, nur seine Ehefrau, „die auch zu ihm hält”.
Tatsache ist, dass Davut den Mord gestanden hat. Ob nun in der ersten Version, dass er die brutale Tötung alleine vollzogen und Miro ihm nur Tatwerkzeug gereicht hat, oder in der zweiten, dass er mit der Drosselung angefangen und Miro dann die Tat beendet hat, wird eine sekundäre Rolle spielen. Sein Anwalt Hans Reinhardt wird nicht auf Freispruch plädieren. Wichtiger für Davuts Verurteilung wird die Frage sein, ob er unter das Jugendstrafrecht (10 Jahre Haft) fällt. Die Gutachter jedenfalls halten alle drei für voll straffähig.
Strafverteidiger Siegmund Benecken hat für seinen Mandanten Yusuf alle Register gezogen. Bisher ohne Erfolg. Gutachter Dr. Martin Wenzel konnte sowohl beginnende Demenz als auch Schwachsinn, psychische Störungen oder hirnorganische Veränderungen ausschließen. Und auch die Tochter als Entlastungszeugin zu laden ging als Schuss nach hinten los, denn ihre Schilderungen klangen eher auswendig gelernt als glaubhaft. Ob nun die fragliche Reparatur der Lampe, weswegen Yusuf seine Tochter Z. aus dem Haus gelockt haben soll, für die Verurteilung des Vaters ausschlaggebend sein wird, erhöht die Spannung. War er der Anstifter zum Mord, wird die Strafe höher ausfallen als für den Mörder selbst.
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