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Schauen, wo der Sattel drückt

17.08.2010 | 17:50 Uhr
Schauen, wo der Sattel drückt

Wittenhorst.Cherie hat ganz offensichtlich Probleme beim Auftreten. Zehn Wochen ist das Fohlen alt.

Seit einem Tag meidet Cherie es, den linken Huf als Ganzes zu nutzen. „Stattdessen steht es auf dem, was beim Menschen die Zehenspitze ist“, sagt Pferdezüchter Alfons Baumann. Der Wittenhorster vermutet einen Abszess im Fuß, der beim Auftreten Schmerzen verursacht. Da Dirk Herberg, Baubiologe und Messtechniker, heute auf dem Hof ist, wird der Weseler seine Wärmebildkamera einsetzten, um bei der Ursachenforschung zu helfen.

Messen kann Herberg mit seiner Thermografiekamera die Oberflächentemperatur. „Dabei geht man von der Annahme aus, dass bei einer Entzündung eine lokale Temperaturerhöhung festzustellen ist“, erklärt der Baubiologe. Schon den minimalen Unterschied von 0,1 Grad macht die Kamera durch unterschiedliche Farben sichtbar. „Die Auswertung der Bilder ist dann allerdings Sache eines Veterinärs“, so Herberg.

Cherie lahmt
aus der Box

Pferdewirtin Manon Kassner tätschelt den Hals von Cherie und führt sie Richtung Box-Ausgang. Das Fohlen lahmt aus dem Stall. Alfons Baumann greift nach dem lahmenden Bein. „Es ist eine deutliche Pulsation zu spüren“, sagt Baumann. Für ihn schon ein deutliches Symptom für eine Entzündung. Weiteres Zeichen: Cherie wird unruhig, als Baumann sanft auf ihren Fuß drückt. „Offenbar ist die Entzündung schon hochgezogen“, vermutet der Fachmann. Dirk Herberg hat seine Kamera längst justiert, denn die aktuelle Lufttemperatur und Feuchtigkeit müssen stets berücksichtigt werden. Dann „schießt“ er die ersten Aufnahmen. „Zwischen 34 und 35 Grad“, wird er später über die Bereiche sagen, die ganz offensichtlich Cherie Probleme bereiten. Zur Kontrolle soll nun auch die Temperatur des rechten Fußes gemessen werden. Als Baumann nach dem Fuß greift, ist es mit Cheries Ruhe gänzlich vorbei. Das Fohlen wehrt sich, weil es jetzt Teil seines Gewichtes auf den offenbar schmerzenden Fuß verlagern muss. Dirk Herberg versucht, sich zu beeilen. Nach wenigen Augenblicken kann er den Vergleichswert von der Kamera ablesen: 29,7 Grad. „Also deutlich weniger“, scheint sich Baumanns Verdacht zu bestätigen. „Also vermutlich doch ein Hufgeschwür. Gott sei Dank“, kommentiert er. Denn das, so weiß er, ist schnell auskuriert, wenn er die eitrige Stelle erst aufgeschnitten hat und die Wunde verheilt ist.

Neues berufliches
Kapitel aufgeschlagen

Mit der Tierthermografie hat Dirk Herberg ein neues berufliches Kapitel aufgeschlagen. „Normalerweise bin ich als Baubiologe mit Schadstoff- und Schimmelpilzmessungen beschäftigt“, sagt der Weselaner. Letzteres hat eine Bekannte auf die Idee gebracht, seine Kamera auch bei ihrem Pferd einzusetzen. „Mit den Aufnahmen ist sie dann zum Tierarzt gefahren, der hat eine Diagnose gestellt und das Pferde ist heute wieder gesund“, sagt er.

Die Vorteile der Thermografie liegen für Pferd und Besitzer auf der Hand. Es ist weder eine Narkose noch ist die Gabe von Medikamenten notwendig, um das Tier ruhig zu stellen, damit der Thermograph Erkrankungen der Gelenke, Reizungen durch Fremdkörper oder Entzündungen sichtbar machen kann. Die Wärmebildkamera ist aber auch einsetzbar, um zu sehen, wo der Sattel drückt.

Maria Raudszus

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Kommentare
24.08.2010
10:16
Schauen, wo der Sattel drückt
von dogs4you | #7

@ Carrie: Sorry, aber ihr posting geht leider vollkommen an der Realität vorbei - der Tierschutz kümmert sich nicht um Reitställe - selbst bei nachgewiesen schwerer Vernachlässigung bekommt man meistens das Argument dass das Eigentumsrecht Vorragng hat und das stimmt leider sogar immer noch hier in unserem zivilisierten Land.
Ich kann auch nicht die Pferde aus den Ställen auf eine Wiese treiben, denn die gehören mir nicht - ich muss auch nicht Reiter sein um erkennen zu können, dass dort im Regelfall legalisierte Tierquälerei betrieben wird - aber ich kann das hier thematisieren um darauf aufmerksam zu machen - leider sind dann aber so posting zu 3 und 6 vollkommen kontraproduktiv.

24.08.2010
09:28
Schauen, wo der Sattel drückt
von carrie91 | #6

Ich denke jeder selbst ist Schuld daran, wie der Zustände in Reitställen aussieht. Jeder könnte den Tierschutz verständigen, mit den Besitzern reden oder auf andere Weise versuchen dem Pferd etwas gutes zu tun. Es gibt viele Wege nach Rom, wie man so schön sagt. Stattdessen wird nur rumgejammert wie mies sie behandelt werden. Aber das hilft ihnen doch nicht wirklich.
Ihr seid doch diejenigen, die die Reiterbeiträge zahlen und damit den Reiterhof am Leben erhaltet, ihr unterstützt das ja quasi damit. Aber andererseits hat man damit die besten Chancen überhaupt, was zu ändern. Also los.
Redet nicht nur über das Ändern - macht was. Ganz einfach. Wer Zeit hat sich im Internet darüber zu unterhalten, der hat auch Zeit zum Stall zu fahren und den ersten Schritt zu machen.
#3 hat schon Recht, wer frei ist von jeder Sünde, der werfe den ersten Stein.

19.08.2010
19:30
Blockierter Kommentar.
von dogs4you | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

19.08.2010
16:44
Schauen, wo der Sattel drückt
von dogs4you | #4

Lieber Dorftrottel - wenn hier jemand mit seine Kommentarmeinung abschweift dann ja wohl Sie ? Der Artikel heißt Schauen wo der Sattel drückt und aus meiner und wohl auch Antoniettas Sicht gibt es da noch mehr was drückt. Dümmlich allerdings sind aus meiner Sicht immer Kommentarmeinungen wie Ihre, die Kritiken bezogen auf einen konkreten Sachverhalt damit anzugehen versuchen, indem man dem Kritiker vorwirft, dass es noch zig andere Sachen zu kritisieren gäbe. Mag sein, aber das ist dann eben genau vollkommen am Thema vorbei und zeugt aus meiner Sicht von einen ziemlich kleinen Geist - einem Dorftrottelgeist eben - sorry, aber nomen est omen

19.08.2010
13:26
Schauen, wo der Sattel drückt
von Dorftrottel | #3

Wenn die Haltung von Freizeitpferden schon auf Kritik stößt, was ist dann erst mit der Tierhaltung zur Fleisch-/Eierproduktion?
Wer frei ist von jeder Sünde, der werfe den ersten Stein.
Wie sieht es mit Hundehaltung, Kleintieren oder Fischen aus?

Wieder mal ein Artikel, bei dem die Kommentare vom eigentlichen Thema abschweifen. Jemand hat ein Gerät aus der Baubiologie zweckentfremdet und nutzt es jetzt in der Tiermedizin. Tolle Idee (wenn auch nicht ganz neu, wird in Zoos und bei Tierärzten schon länger so gemacht)

18.08.2010
13:46
Schauen, wo der Sattel drückt
von dogs4you | #2

Da haben Sie leider nur allzu Recht Antonietta - es ist traurig, was in (leider) den meisten Reitställen abgeht. Und wenn dann das heißgeliebte Pferd (bekanntlich ein Herdentier) nach 23 Stunden Einsamkeit in einer viel zu kleinen Box mit mehr oder meistens weniger Tageslicht nicht in der einen Stunde des Reitens seine Leistung bringt wird draufgedroschen, mit Sporen traktiert oder soviel Metall in die Zäuming gehängt, dass man daran einen LKW aufhängen könnte. Ok, ok nicht immer - manche holen dann auch den Therapeuten oder Tierarzt, damit er das pysisch und psychisch kaputte Pferd wieder fit macht.

18.08.2010
10:50
Schauen, wo der Sattel drückt
von Antonietta | #1

Von einem freien Leben in einer freien Herde kann die Mehrzahl der Pferde nur träumen. Sie wären schon glücklich, könnten sie sich täglich auf einer Koppel austoben. Doch selbst dieses Vergnügen verwehrt mancher Pferdebesitzer dem treuesten Diener des Menschen nur allzu oft.

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