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Kriminalität

Nachbar schlug Bande in die Flucht

09.10.2012 | 22:29 Uhr
Nachbar schlug Bande in die Flucht
Ralf Metzler dankt seinem Nachbarn Jürgen Lörks (rechts). Er hat die Einbrecher vertrieben.Foto: Erwin Pottgiesser

Bienen. Als Jürgen Lörcks sah, dass die Hintertür aufgebrochen war, zögerte er nicht lange. „Ralf, Ralf, wo bist du?“, schrie er durchs Haus. Er stürmte die Treppe hinauf. Im Obergeschoss fand er seinen Nachbarn nicht. „Aber alles war durchwühlt. Hier ist etwas geschehen!“, mutmaßte der 66-Jährige und rannte nach draußen. In diesem Moment tauchten hinter einem Schuppen, nur fünf Meter von ihm entfernt, drei Burschen auf. Er schrie sie an, doch er hatte keine Chance, ihnen nachzusetzen. In Windeseile rannten sie übers Feld, sprangen in einen hellblauen Mercedes und fuhren davon. Es war der Anfang einer spektakulären Verfolgungsfahrt.

Zwei standen Schmiere

Jürgen Lörcks wollte mit dem Fahrrad gegen 11 Uhr bei seinem Nachbarn Ralf Metzler vorbeischauen. Er lebt allein in dem Haus am Heckenweg. Ein Haus, das von allen Seiten einsehbar ist und nicht danach aussieht, als ob hier etwas zu holen ist. Was Jürgen Lörcks nicht wusste: Sein Nachbar war gegen 10 Uhr mit dem Rad weggefahren. Die Bande muss das Haus beobachtet haben. Während einer von einem Feldweg aus im Mercedes das Haus beobachtet hat, muss ein weiterer an der anderen Seite des Hauses Schmiere gestanden haben. Und er muss Jürgen Lörcks gesehen haben, denn als er eintraf, waren die Diebe bereits aus dem Haus in das Versteck hinter dem Schuppen geflüchtet.

Als Ralf Metzler von seinem Ausflug zurückkam, war die Polizei schon vor Ort. Die hatte Jürgen Lörcks umgehend informiert. Während Kollegen die Verfolgung aufnahmen, sogar unter Mithilfe eines Hubschraubers, sicherten sie den Einbruchsort. Ralf Metzler sammelt nämlich Taschenuhren, Briefmarken, alte Münzen.

„Sie hatten eine Tasche von mir bereits gefüllt, einen neuen Trainingsanzug, neue Schuhe und andere Gegenstände gepackt. Doch da sie überrascht wurden, sind sie wohl nur mit kleinen Säckchen davongelaufen“, erzählt Ralf Metzler der NRZ. Jürgen Lörcks hat sie lautstark angeschrien. „Ich wusste ja auch immer noch nicht, was mit Ralf passiert ist. Ich glaube, die Jungs hatten richtig Angst vor mir.“

Jürgen Lörcks hat sie gesehen und kann sie genau beschreiben: 18 bis 20 Jahre alt, dunkelhaarig, nach seiner Beobachtung trugen drei von ihnen dunkle Jacken, einer war in einer blau-weißen Collegejacke unterwegs. Einer, so später die Polizei, soll eine stahlblaue 7/8-Hose getragen haben.

Ralf Metzler hat seine „Schätze“ auf Trödelmärkten erstanden. Er ist ein passionierter Sammler. Aber niemals hat er annonciert oder im Internet etwas er- oder versteigert. Wussten die Täter von seiner Sammelleidenschaft oder war es purer Zufall? Immerhin nahmen sie auch 1000 Euro Bargeld mit. Das Werkzeug, mit dem sie die Stahltür aufgebrochen hatten, fanden sie im Schuppen. „Es lag oben unter dem Tisch“, hat Ralf Metzler entdeckt. Die Bande flüchtete in einem hellblauen Mercedes C 180 mit bulgarischem Kennzeichen, gab Lörcks zu Protokoll. Der Bande aus Bulgarien ist die Kripo wohl schon länger auf den Fersen. Daher war auch ein großes Aufgebot an Beamten vor Ort, um möglichst alle Spuren zu sichern.

Beamte der Autobahnpolizei entdeckten das Fahrzeug auf der A 3 im Bereich Dinslaken und nahmen die Verfolgung über die A 3 zur A 516 auf. In der Ausfahrt Oberhausen-Eisenheim geriet der Pkw kurz ins Schleudern und setzte seine Fahrt mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Sterkrader Innenstadt fort. Am Rathaus Sterkrade verlor der Fahrer schließlich die Kontrolle über das Fahrzeug und stieß gegen ein Verkehrszeichen. Die vier Insassen ließen das Auto stehen und flüchteten über die Fußgängerzone. Eine schwarze Jacke und ein schwarzes T-Shirt konnten an einem Zaun sichergestellt werden. Die Ermittlungen dauern an, die Spurensuche am Fahrzeug ist noch nicht abgeschlossen. Sie haben Diebesgut im Wagen hinterlassen.

Hinweise bitte an die Kripo Emmerich unter 02822/7830 oder die Polizei Oberhausen.

Elisabeth Hanf



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