Mutmaßlicher Hochstapler hatte schon Praxis gemietet
03.12.2009 | 23:35 Uhr 2009-12-03T23:35:00+0100
Rees. Der Leiter einer Suchtklinik in Rees, der sich den Chefposten mit falschen Unterlagen erschlichen haben soll, hatte auch eine Praxis für Psychotherapie gemietet. Praktiziert hat er dort aber nie. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Der Klinik-Träger bemüht sich um Schadensbegrenzung.
Der falsche Doktor war ein „netter Kollege”. Das wurde am Donnerstag aus dem Kreis seiner Mitarbeiter laut. Es gab offenbar auch keinen Argwohn gegen die fachliche Kompetenz des 55-jährigen Reesers, der sich einen Leitungsposten in der Reeser Suchtklinik Horizont erschlichen hatte. Und inzwischen fristlos entlassen ist. Der Mann, der aus Süddeutschland stammt, hatte – wie berichtet – offenbar gefälschte Unterlagen über ein abgeschlossenes Studium sowie über eine Promotion vorgelegt. Außerdem soll er Papiere von einem angeblich früheren Arbeitgeber vorgelegt haben, bei dem er ebenfalls in leitender Stellung als Psychotherapeut tätig gewesen sein will.
Ob er tatsächlich bereits anderswo in der Funktion des Psychotherapeuten tätig war und damit bereits dort gefälschte Unterlagen vorgezeigt hat, ist nicht bekannt. „Das ist ein laufendes Verfahren, wir geben derzeit keine weiteren Informationen”, gab sich Oberstaatsanwalt Günter Neifer von der Klever Staatsanwaltschaft zugeknöpft. Auch in Hinblick auf das Drogendelikt, für das der Reeser bereits eine Haftstrafe verbüßt hat, mochte Neifer keine weiteren Angaben machen. Fest steht aber, dass es sich aufgrund der Haftstrafe um keine „Kleinigkeit” gehandelt haben kann.
"Keine Medikamente verabreicht"
Die Reeser Heilpraktikerin, die mit dem Hochstapler gemeinsam Räume angemietet hatte, in der zwei getrennte Praxen entstehen sollten, war fassungslos über die aktuellen Enthüllungen. „Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich davon erfahren habe”, sagte sie. Dass der Mann ein Hochstapler sei, habe sie in der Zeitung gelesen. „Somit erklärt sich jetzt für mich einiges im Nachhinein”, sagte sie.
Im Juli hatten beide Verträge für die Anmietung der Praxisräume unterschrieben. Während sie die Einrichtung ihrer Praxis vorangetrieben habe, sei es bei ihrem „Kollegen” nicht vorangegangen. Gedanken machte sich die Reeserin aber nicht. Psychotherapeuten gingen manchmal eigene Wege, so ihre Erfahrung. Als dann aber immer klarer geworden sei, dass der Mann keine Anstalten machte, seine Praxis einzurichten, er sich nicht einmal sehen ließ, habe sie das gemeinsame Praxisschild entfernt. Das war im Oktober. „Ob er seine Miete bezahlt hat, weiß ich natürlich nicht”, sagte sie.
Heinrich Schnieders, Geschäftsführer des Horizont-Trägers Pro Homine, legt Wert auf die Feststellung, dass der nun Geschasste nicht als Arzt oder Chefarzt tätig war und somit keine Medikamente verabreicht hat. Medizinischer Leiter und Chefarzt der Einrichtung am Groiner Kirchweg sei nach wie vor Alexander Simon.
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