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Betuwe

Mieter sollen Miete kürzen können

22.01.2012 | 16:43 Uhr

Millingen.  Die Bahn bot Karl-Heinz Denstorf 2700 Euro für den Garten, Gärtner fordert aber allein für die Wiederherstellung 30 000 Euro

Der Ausbau der Betuwe-Linie wirft seine Schatten voraus. Direkte Nachbarn der Bahn, zum Beispiel aus dem Bongersweg und der Bahnstraße, erhielten ein Schreiben, in dem sie aufgefordert werden, einen Teil ihres Grundstücks an die Bahn zu verkaufen. „Daraus ergeben sich mehr Fragen als Antworten“, so Anwohner André Stempel, der kurzfristig zu einem Bürgergespräch in die Gaststätte Jonkhans eingeladen hatte. Und die 50 Besucher zeigten durch ihre Anwesenheit, dass dieses Thema im Gegensatz zu Haldern in Millingen und Empel eine Eigendynamik entwickelt.

Neben den Bahn-Nachbarn waren Mitglieder der Bürgerinitiative IG Biss und Erhard Winkler als Fraktionsvorsitzender der FDP eingeladen worden. Die IG-Biss-Mitglieder Karl-Heinz Jansen und Karl-Heinz Denstorf gaben den Bürgern ein paar konkrete Tipps mit auf den Weg. „Werden Sie selbst aktiv und machen Ihre Ansprüche deutlich. Glauben Sie nicht den Hochglanzbroschüren und den Besuchern von der Bahn im schwarzen Anzug“, so Jansen. Ob sich aus dieser Zusammenkunft eine gemeinschaftliche Initiative entwickelt, steht noch nicht fest; zumindest trugen Anwesende ihre E-Mail-Adresse in eine Liste ein, um schnell informiert zu sein.

Neben Fragen des Lärms und der Sicherheit lag ihnen vor allem die Wertevernichtung ihrer Häuser im Magen. „Ich versuche seit zehn Jahren vergeblich, mein Haus zu verkaufen“, so Stempel, „über die Planungen zur Betuwe hat mich die Stadt damals nicht aufgeklärt.“ Ein Zwischenrufer brachte das Problem auf den Punkt: „Unsere Immobilien sind unverkäuflich und verlieren mindestens 50 Prozent an Wert!“ Eine Forderung an die Bahn wegen des Werteverlustes durch ein Gutachten sei bedenkenswert. Reiche man dieses ein, schicke die Bahn ebenfalls einen Gutachter.

Bodenrichtwertkarte wird ins Netz gestellt

Denstorf berichtete, dass man ihm für 126 Quadratmeter Fläche und die Bepflanzung ganze 2700 Euro geboten habe. Das Angebot eines Landschaftsgärtners für die Wiederherstellung des Gartens läge schon bei 30 000 Euro. „Legen Sie bei Verkaufsverhandlungen solch ein Angebot dazu“, lautete der Tipp. Ebenso sei es ratsam, die Schäden an dem Gebäude vor den Baumaßnahmen genau dokumentieren zu lassen. Das koste etwa 400 Euro und sichere mögliche weitere Ansprüche.

Zudem können Mieter während der Bauphase ihre Miete um bis zu 20 Prozent kürzen. Auch das sei eine Forderung an die Deutsche Bahn. Schlussendlich wurde auf eine Bodenrichtwertkarte im Netz verwiesen, die genau darüber Auskunft gibt, ob das zu verkaufende Land als Acker-, Grün- oder Bauland zu bewerten sei. (beh)

Gisela Behrendt

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